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Lahmer Paarbetrieb

"Wie gut ist deine Beziehung?"
Wenn ein guter Regisseur mit einem tollen Schauspieler-Team eine spannende Frage bearbeitet, sind die Weichen gestellt für einen neuen Lieblingsfilm. Doch "Wie gut ist deine Beziehung?" schleppt sich auf ausgetretenen Pfaden vorwärts und lässt sowohl Humor als auch Ernsthaftigkeit vermissen.

Ralf Westhoff ist kein Mann der vielen Filme, doch er hat sich gleich mit seinem ersten ein Denkmal gesetzt. 2006 präsentierte er "Shoppen". Ein Film zur rechten Zeit, Thema: Speeddating in München. Seine toll in Szene gesetzten Schauspieler ließen den pointenreichen Film zum Geheimtipp werden, gefühlt gab es keine einzige schlechte Kritik, und die Karriere von Julia Koschitz ging danach so richtig los. Sie durfte dann auch in "Der letzte schöne Herbsttag" mitspielen und 2010 lange laut über Für und Wider einer Beziehung nachdenken. Zuletzt drehte der gebürtige Münchner "Wir sind die Neuen", einen WG-Film, der Alt-68er und Neu-Yuppies unter einem Dach vereinte. Nun, in "Wie gut ist deine Beziehung?", geht der Blick wieder hin zum Paarbetrieb.

Westhoff erzählt von dem langjährigen Paar Steve (Friedrich Mücke) und Carola (Julia Koschitz). Die beiden kommen mit ihrer Koch- und Sofaroutine eigentlich ganz gut klar. Sie sind ein eingespieltes Team, das aber ins Wanken gerät, weil einerseits sein guter Freund Bob (Bastian Reiber) verlassen wird und andererseits im Berufsleben Optimierer dem bequemen Steve auf den Zahn fühlen. Eine Demütigung, die an ihm nagt, und außerdem mag er sowieso keine Veränderungen.

Klischee über Klischee

Nebenbei hat Bobs Freundin einen um einiges älteren Mann auserkoren, einen Tantra-Lehrer (Michael Wittenborn). Klischee eins: Der Neue hat was mit Yoga zu tun und ist daher einfühlsam. Das finden beide Männer, Bob und Steve, unheimlich und wenden sich Klischee zwei zu: Fühl dem Yoga-Typen auf den Zahn. Inkognito soll Steve "mal eine Stunde nehmen", und man weiß, jetzt geht es los mit den Verwicklungen. Carola wird misstrauisch, die beste Freundin (Maja Beckmann) piekt gerne in die Wunde, während Steve feststellt, dass der Neue ein netter Kerl ist, von dem er vielleicht profitieren könnte in Sachen Beziehungsauffrischung.

Die Idee, jenen älteren Herrn auf die eigene Freundin anzusetzen, ist leider so einfallslos wie viele Dinge im Verlauf der Handlung. Für Carolas Entwicklung fällt dem Drehbuch nichts anderes ein als Schuhkauf und ein Friseurbesuch. Auf anstrengend naive Art und Weise bewegt sich die Komödie von einem Hindernis zum nächsten, nimmt weder sich selbst noch die Anwesenden ernst und ist doch viel zu dröge inszeniert, um als "Screwball" durchgehen zu können. Zumal in einer Screwball-Komödie das Aufdröseln der Ereignisse vermieden wird.

Erstaunlich blass

Regisseur und Drehbuchautor Ralf Westhoff nimmt zu keinem Zeitpunkt Fahrt auf, stellt Singles und Menschen, die in Beziehungen leben, ebenso als Fremdkörper gegenüber wie Männer und Frauen.

Julia Koschitz zeigt erstaunlich wenig Mimik, und auch der meist überragende Friedrich Mücke ("Russendisko", "Ballon") bleibt hier erstaunlich blass. Einzig Michael Wittenborn macht noch das beste aus seiner Rolle. Es ist verwunderlich, dass Regisseur Westhoff in Kombination mit diesem Cast ein so halbgares Werk abliefert, bei dem eigentlich jeder Gag steckenbleibt. Strukturlos, gekünstelt und spaßfrei geht es in Richtung Happy End, und alle dürfen bleiben, wie sie sind. Wie es scheint, wollte Westhoff an seine humortechnisch bereits durchwachsene Leistung von "Wir sind die Neuen" anknüpfen. Gelungen ist ihm das nicht.