Like us

Tatort: Monster - So. 02.02. - ARD: 20.15 Uhr

"Tatort: Monster"
Der Dortmunder Kripo-Chef Faber (Jörg Hartmann) bekommt es in seinem 16. Fall nicht nur mit einem ewigen Widersacher und einem Pädophilenring zu tun. Eine geheimnisvolle Killerin fordert den Kommissar überdies zum Psycho-Duell heraus.

Es war ein unkonventioneller "Tatort" zum Jahresauftakt 2020. Insgesamt sieben Ermittler wurden für den Impro-Krimi "Das Team" von Regisseur Jan-Georg Schütte zusammengerufen, um einen Mörder in ihren eigenen Reihen zu suchen. Abgeriegelt von der Außenwelt gingen in dem besonders auf psychologischer Ebene intensiven Kammerspiel auch die Dortmunder Kommissare Faber (Jörg Hartmann) und Bönisch (Anna Schudt) auf Mördersuche. Zurück in ihrer Dienststelle erwartet sie und ihre Kollegen Nora Dalay (Aylin Tezel) und Jan Pawlak (Rick Okon) in der Episode "Monster" ein nicht minder heftiger Fall samt Kindesentführung, Pädophilenring - und Fabers ewigem Widersacher Markus Graf (Florian Bartholomäi).

Von außen wirkt der gediegene Backsteinbau in einer gepflegten Häusersiedlung ruhig, ja fast schon friedlich. Doch was die Dortmunder Kripo im Keller erwartet, ist alles andere als das. Dort liegt die grausam abgeschlachtete Leiche eines Online-Spielzeughändlers, Blutspritzer beflecken die Wände, und mittendrin sitzt die Täterin Evelyn Kohnai (Luisa-Céline Gaffron), die Tatwaffe am eigenen Hals. Sie droht mit Selbstmord und besteht darauf, nur mit Kommissar Faber zu sprechen.

Zu einem klärenden Gespräch kommt es aber zunächst nicht. Stattdessen rückt die dramatische Entführung der Tochter Pawlaks in den Fokus. Ein unbekannter Mann hat die Frau des Kommissars, einen Junkie, mit Heroin betäubt und schließlich die Fünfjährige gekidnappt. Die Fäden führen wenig später bei Fabers Erzfeind Markus Graf zusammen. Er hat nicht nur die Entführung eingefädelt, sondern teilt auch mit der Täterin Evelyn Kohnai eine gemeinsame Vergangenheit. Bei den Versuchen, dem Psychopathen das Handwerk zu legen, stößt das Dortmunder Team auf einen Pädophilenring. Doch die Zeit drängt, denn Pawlaks Tochter wird in einem einschlägigen Portal zum Verkauf angeboten ...

Psychologie auf höchstem (Spannungs-)Niveau

Die Themen Kindesmissbrauch und Pädophilie, eine ominöse Killerin und das Wiedersehen mit Graf - leicht verdaulich ist der Dortmunder "Tatort" gewiss nicht. Auch wenn der 90-Minüter nicht gänzlich auf wilde Verfolgungsjagden und andere krimitypische Elemente verzichtet, spielt der Film von Regisseur Thorsten C. Fischer vor allem auf psychologischer Ebene seine Qualitäten aus. Besonders intensiv ist das Zusammenspiel von Jörg Hartmann und Luisa-Céline Gaffron, die sich im Verhörraum in einem nervenaufreibenden Katz-und-Maus-Spiel duellieren.

Gaffron, die schon 2019 im Schwarzwald-"Tatort" überzeugte, glänzt in der komplexen Rolle der Täterin, die selbst einst Opfer von Kinderhändlern und Pädophilen war. Zunächst schweigsam und dennoch mit einer unglaublichen Präsenz legt die 26-Jährige nach und nach die Wunden ihrer Rolle offen und steigert dabei ihre Emotionen bis zur gewaltigen Eruption am Ende des Films.

Mit dieser engagierten Darstellung stellt Gaffron, die 2019 für ihre Rolle in der Sky-Serie "8 Tage" für den Deutschen Schauspielpreis nominiert war, sogar Florian Bartholomäi in den Schatten. Bereits zum dritten Mal bereitet er als Markus Graf Faber, dessen Frau und Kind er allem Anschein nach auf dem Gewissen hat, schlaflose Nächte. Gewohnt sprachlich geschliffen (Drehbuch: Jürgen Werner) bleibt besonders der Showdown zwischen den Kontrahenten auf einem Hochhausdach samt hollywoodreifem Abgang in Erinnerung.

Aylin Tezel sagt Adieu

Nach der Impro-Folge "Das Team" und der eindringlichen Psycho-Studie "Monster" ist auch der nächste Fall des Dortmunder Teams ein besonderer. In der Doppelfolge "In der Familie" ermitteln Faber, Bönisch, Dalay und Pawlak im Herbst 2020 gemeinsam mit ihren Kollegen aus München, Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec). Die Dreharbeiten für die Crossover-Episode laufen bereits. Thematisch siedelt sich der Fall im Umfeld der italienischen Mafia an, die ihren Einfluss auch hierzulande geltend macht. Die Zusammenarbeit der beiden Teams könnte auch der letzte Fall von Aylin Tezel als Kommissarin Dalay sein. Die 36-Jährige kündigte bereits im Februar 2019 ihren Abschied an.