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Endlich frei - und jetzt?

JPD
Julian Philipp David heißt jetzt schlicht JPD und macht sich mit seinem Debütalbum bereit für eine harte Landung. Ohne große Plattenfirma, aber mit viel gefühlter Freiheit serviert er selbstkritischen deutschsprachigen Pop, der nicht vor großen Emotionen zurückschreckt.

Die ersten Gehversuche im Musikbusiness machte Julian Philipp David noch mit einem Major-Label im Rücken. Mit der "Herbst"-EP tauchte der Rapper, Songwriter und Kreativkopf 2016 zum ersten Mal auf dem Radar auf. Aber das lief wohl alles nicht nach Davids Geschmack. Die Zwänge, die Verpflichtungen und die niemals schlafende Hauptstadt Berlin als Standort schränkten ihn zu sehr ein. Jetzt kommt für David so etwas wie ein zweiter Karrierestart.

Er hat "Auf den großen Knall" im Alleingang fertiggestellt, sich von Berlin verabschiedet und Leipzig als neue Wahlheimat erkoren, außerdem hat er jetzt eine neue Frisur und seinen Namen eingekürzt - Julian Philipp David tritt jetzt als JPD auf. Unabhängig vom großen Freiheitsgedanken bleibt der Endzwanziger dem Deutschpop aber durchaus verpflichtet. Seine halb-gesprochenen, halb-gesungenen Reime (die oft an Clueso, OK Kid oder Marteria erinnern) kuscheln sich immer wieder in ein Wohlfühlbett aus gefälligen Electropop-Melodien. "Das hat alles seine Zeit und das hat alles seinen Preis", heißt es rückblickend in "Striche", einem der auffälligeren Tracks, die sich mit zackigen Synthesizer-Wellenformen und wechselnden Rhythmen um einen neuen klanglichen Anstrich bemühen.

Warten auf den großen Knall

Auf den melancholischen, mit gedämpften Beats unterfütterten Walzer "Der Wald" folgt das poppig-schluffige Liebeslied "Mond": "Du bist vielleicht nicht ganz aus der Welt, aber auf jeden Fall mal auf 'ner anderen Seite", singt JPD da mit dem ihm eigenen speziellen Timbre. In "Verschwende deine Zeit" schwingt dann auch mal ein wenig Reggae-Feeling mit. Es scheint offensichtlich, dass JPD seine neuen Freiheiten genießt, und an Abwechslung mangelt es wahrlich nicht.

Doch trotz der fetten Produktion und des stimmigen Sounds fragt man sich irgendwann, welche Zügel David wohl bei der großen Plattenfirma angelegt worden waren oder wovon genau er sich unbedingt lösen wollte. Denn bei aller vermeintlich ungezügelten Kreativität wirken die 13 Songs über weite Strecken noch ein wenig zu kalkuliert und zu brav. Sich selbstbewusst und frei vom derzeit gängigen Pop-Sound abzuheben, gelingt nur selten. JPD hat gute Ideen und vielversprechende Texte - der ganz große Knall, auf den man gehofft hatte, ist das hier aber noch nicht.