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Das erste deutschsprachige Fado-Album

Jürgen Tarrach
Der traut sich was! Schauspieler Jürgen Tarrach hat - nach seiner Rollenerfahrung in "Der Lissabon-Krimi" - ein musikalisch durchaus ambitioniertes, deutschsprachiges Fado-Album aufgenommen.

Man kann dem Schauspieler Jürgen Tarrach nicht vorwerfen, dass er sich mit seiner Rolle als portugiesischer Anwalt Eduardo Silva im "Lissabon-Krimi" der ARD nicht identifizieren würde. Vier FIlme des inhaltlich nicht ganz so gewichtigen, aber dafür in schöne Stadt- und Atlantikbilder verpackten Formats liefen bislang in der Donerstags-Primetime des Ersten. Die erste Folge, "Der Tote in der Brandung", wurde im April 2018 ausgestrahlt. Je öfter und länger sich der 58-jährige Deutsche am Westende Europas aufhielt, desto mehr verliebte er sich in die portugiesische (Kunst-)Volksmusik des Fado. Mit dem Album "Zum Glück traurig" setzte sich Tarrach nun zum Ziel, die besondere Melancholie des Fado in deutsche Texte zu verpacken.

Geschrieben hat er die Lyrik nicht selbst, sondern den Abgesang aufs eigene, jüngere Ich sowie verflossene Lieben Antek Krönung überlassen. Krönung, ein hauptberuflicher Dichter aus dem Ruhrgebiet, ist ebenso wie Tarrach ein Endfünfziger, der schon anderen Schauspielern die "richtigen" Worte in den Mund legte. So zum Beispiel Deutschlands lange Jahre prominentestem Sprecher, Christian Brückner (unter anderem die deutsche Stimme von Robert de Niro), für den er 2017 das Album "BrücknerBerlin" textete.

Verführerischer als das Wort ist allerdings die Musik, die von Tarrachs brüchigen Chanson-Tenor begleitet wird. Neben seinem Stammpianisten Ingvo Clauder, Ernst Clauder am Cello und Perkussionist Claudio Spieler setzt Tarrach dabei vor allem auf den portugiesischen Fado-Gitarristen Bernardo Couto. Der Fado-Spezialist versteht sein Handwerk, was man auch von den anderen Musikern sagen kann, die auf "Zum Glück traurig" ein flirrendes Melancholie-Geflecht auf gehobenen Jazz-Chanson-Niveau abliefern.

Ein mutiges Experiment

Ebenso eine Überraschung: Jürgen Tarrachs Film-Partnerin Vidina Popov, 1992 geborene Wienerin mit bulgarischen Wurzeln, die auf "Ein Schrei", dem letzten und schönsten Stück des Albums, ein betörendes Duett mit ihrem Anwalts-Chef anstimmt. Nicht nur Popovs mädchenhaft unverstellte Stimme, auch Komposition und Arrangement des zwölften und letzten Tracks sind dem Rest des - durchaus nicht schlechten - Albums überlegen.

Womit man bei den eher problematischen Aspekten des engagierten Nebenwerks einer nicht ganz so bedeutenden Krimireihe wäre. Tarrach, das hört man leider durch die wildromantischen Fado-Gitarrenlinien hindurch, ist kein wirklicher Sänger. Sein Timbre wirkt hier und da bemüht, auch wenn der chansonerfahrene Schauspieler sicher kein wirklich schlechter Sänger ist. Wer jedoch Zeilen singt wie "Ich habe keine Tränen / Für die Wunden meiner Liebe / Ich habe keine Tränen / Für die Gerinsel meines Leids", der lehnt sich natürlich weit aus dem Fenster.

Ob man den Fado und das ihm zugrundeliegende Lebensgefühl des "Saudade", eine spezifische Form süßer portugiesischer Melancholie, überhaupt ins Deutsche übersetzen sollte, mag eine fruchtlose Diskussion sein. Jürgen Tarrach hat die Übersetzung gewagt und das nach eigenem Bekunden "erste deutschsprachige Fado-Album" aufgenommen. Für diesen Mut, mit dem er Anfang Dezember sogar auf eine kleine Tour geht, gebührt dem Schauspieler Respekt. Und gerade bei den ersten vier Songs, "Ich habe keine Tränen", "Sag' was", "Nicht von dieser Welt" und "In dieser Stunde", kann man das Experiment des Schauspielers kompositorisch als gelungen bezeichnen. Später kommt ein wenig zu sehr ein Altherren-Gestus des Schlagerchansons zum Vorschein, ehe im angesprochenen "Ein Schrei" noch etwas wahrhaft Herzerwärmendes, absolut Hörenswertes passiert.