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Im Sumpf von Kairo

Ein korrupter Polizist ermittelt in einem Mordfall, der in höchste Kreise führt. Noir-Thriller mit politischer Note und zuweilen etwas dicken Pinselstrichen.

Der korrupte Polizeibeamte Noredin (präsent und engagiert: Fares Fares) wird in das titelgebende Hotel in Kairo gerufen. Dort findet man in einer Luxussuite die übel zugerichtete Leiche der Sängerin Lalena. Noch bevor seine Nachforschungen richtig in Gang kommen, deklarieren seine Chefs den Tod als Selbstmord. Trotz des Ermittlungsstopps stellt Noredin weiter Fragen und fühlt dem einflussreichen Geschäftsmann Hatem Shafiq (Ahmed Selim) auf den Zahn, mit dem die Tote ein Verhältnis pflegte. Eines Tages taucht auf dem Revier Lalenas Freundin Gina (Hania Amar) auf und liefert nach kurzem Zögern neue Hinweise. In Tarik Salehs ("Tommy", "Metropia") neuer Regiearbeit "Die Nile Hilton Affäre" (2017, erhältlich auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand) treffen sich Krimi und historische Befindlichkeiten.

Inspirieren ließ sich Saleh für seinen größtenteils in Marokko gedrehten Cop-Thriller nicht nur vom Mord an der libanesischen Popsängerin Suzanne Tamim im Jahr 2008 und dessen brisanten Hintergründen. Großen Einfluss übte offenkundig auch die Stimmung des Film noir auf den in Schweden geborenen Regisseur und Drehbuchautor aus. Im Zentrum steht mit Noredin ein gebrochener, desillusionierter Mann, der seine Frau bei einem Unfall verloren hat, seinen Frust mit Alkohol und Tabletten betäubt und im Beruf täglich Grenzen überschreitet. Bei jeder Gelegenheit hält er die Hand auf, droht, wenn nötig, und lässt sich sogar dazu hinreißen, der Ermordeten Geld zu stehlen.

Ähnlich wie die düsteren amerikanischen Großstadtthriller der Nachkriegszeit zeichnet "Die Nile Hilton Affäre" den Handlungsort als eine fiebrige, abgründige Metropole, deren Straßenlärm omnipräsent ist. Noredin stapft durch dunkle Hinterhöfe, exklusive Nachtclubs, ärmliche Einwandererviertel und eine Gated Community, die die fatale Trennung von Arm und Reich greifbar macht. Ägypten wird als ein Land gezeigt, in dem sich Geldadel und Politik auf unheilvolle Weise vereinen und Bestechung zum guten Ton gehört.

Ist der Protagonist anfangs ein bedenkenloser Nutznießer der bestehenden Verhältnisse, entwickelt er im Zuge seiner Ermittlungen langsam ein Unrechtsbewusstsein. Nicht zuletzt, weil er der hübschen Gina näherkommt. Sein Wandlungsprozess, der mit den immer stärker in das Geschehen einbrechenden Protesten der wütenden Bevölkerung einhergeht, hätte allerdings ein wenig differenzierter nachgezeichnet werden können. Überhaupt setzt Regisseur Saleh in der Beschreibung des korrupten Systems mitunter auf arg plakative Mittel.