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Der doppelte Vater

"Die Tochter des Spions"
Als junge Frau erfuhr die lettische Journalistin Ieva Lesinska-Geibere, dass ihr Vater Doppelagent war. Im Dokumentarfilm "Die Tochter des Spions" arbeitet sie die Vergangenheit ihrer Familie auf.

"Fast mein ganzes Leben war bestimmt durch die Taten meines Vaters", sagt Ieva Lesinska-Geibere zu Beginn des Dokumentarfilms "Die Tochter des Spions". Ieva kam 1958 im lettischen Riga zur Welt, das damals Teil des Sowjetreichs war. Ihr Vater, erinnert sie sich, wollte keine Kinder, sondern Abenteuer. Und abenteuerlich war das Leben des Imants Lesinskis in der Tat.

In jungen Jahren glühender Anhänger des Sowjetkommunismus, verlor Imants Lesinska bald den Glauben an das System. Als der KGB ihn aber zwang, Agent zu werden, begann er ein doppeltes Spiel. Für den sowjetischen Geheimdienst wurde er 1960 nach Rom geschickt, um als Journalist getarnt mögliche Kollaborateure anzuwerben. Doch Imants wechselte die Seiten. Er ging zur amerikanischen Botschaft und war fortan als Doppelagent tätig, für Ost und für West. Als er 1976 vom KGB nach New York geschickt wurde, entschloss er sich, endgültig zu den Amerikanern überzulaufen. Seine Tochter Ieva, die ihn damals besuchte, war vom Geständnis ihres Vaters schockiert. Doch dann entschied sie sich, ebenfalls Amerikanerin zu werden. Sie nannte sich jetzt Evelyn Dorn, gab vor, gebürtige Deutsche zu sein. Acht Jahre später starb ihr Vater. War es Mord?

Viele Jahre später - die Sowjetunion ist längst Geschichte und Lettland Teil der EU - macht sich Ieva auf Spurensuche. Die Regisseure Jaak Kilmi und Gints Grube begleiten sie bei dem schwierigen Versuch, die Wahrheit über ihren Vater herauszufinden.