Like us

Tollkühne Superhelden in ihren fahrenden Kisten

Fast & Furious: Hobbs & Shaw
Im ersten Spin-off der "Fast & Furious"-Reihe dreht sich alles um Hobbs und Shaw, zwei kernige Typen, die sich überhaupt nicht ausstehen können, aber zusammenarbeiten müssen, um die Welt zu retten. Kann das gut gehen?

Was tun, wenn sich die beiden Stars eines großen Action-Franchise so verkrachen, dass sie bei der Promo-Tour regelrecht auseinandergehalten werden müssen? Man gebe einem von beiden ein Spin-off, in dem er dem anderen nicht mehr über den Weg laufen muss. So jedenfalls gelang es den Machern der immens erfolgreichen "Fast & Furious"-Reihe, sowohl Vin Diesel als auch Dwayne Johnson als Zugpferde zu behalten - Diesel für den neunten Teil der Hauptreihe, der derzeit gedreht wird, Johnson für den Ableger "Fast & Furious: Hobbs & Shaw", der nun in die Kinos kommt. Darin darf sich der Ex-Wrestler mit einem anderen "Fast & Furious"-Bekannten fetzen - was für das Publikum aber wesentlich unterhaltsamer sein dürfte als einst sein Social-Media-Kleinkrieg mit Vin Diesel.

Jason Statham schlüpft erneut in die Rolle des Söldners Deckard Shaw, den Johnsons Figur Hobbs schon im siebten "Fast & Furious"-Film nicht ausstehen konnte. Am liebsten würden sie sich immer gegenseitig verprügeln, aber nun müssen sie zusammenarbeiten, da ein tödlicher Virus nicht in die Hände der verschlagenen Organisation Eteon fallen darf. Dort bereitet man alles für den globalen Genozid vor, soll das Virus die Schwachen doch ausmerzen und die Starken zurücklassen - eine besonders perfide Art von Ökobewusstsein, da das massive Ausrotten natürlich auch die Umwelt schont.

Überdrehte Action mit Science-Fiction-Twist

Da der Anführer von Eteon nur eine verzerrte Stimme ist, braucht es auch einen physischen Gegner für Hobbs und Shaw. Ein Mensch reicht da nicht, es muss schon ein Übermensch sein: Idris Elba, dessen Figur sich hier selbst der "Black Superman" nennt. Eigentlich ist er eher eine moderne Version des Sechs-Millionen-Dollar-Manns, denn er wurde mit kybernetischen Teilen aufgemotzt, ist stärker, schneller und sieht besser. Wenn sich ihm ein Gegner stellt, kann er dessen Angriffsmuster vorausberechnen. Entsprechend ist er für das Duo Hobbs und Shaw schon eine echte Herausforderung.

Er ist es aber auch, der den Film stark in Richtung Science Fiction drängt. Nicht, dass die "Fast & Furious"-Filme jeweils auch nur ansatzweise realistisch gewesen wären. Doch neben dem Supervirus hat man nun aber eben auch einen in eine Art Kostüm gewandeten Superschurken, der so auch locker in einem Superheldenfilm hätte dabei sein können.

Zur Seite, 007

Das ist das eine Element dieses Films, das andere ist eine Verbeugung vor, fast aber auch schon eine Parodie auf James Bond. Denn mit der Superorganisation Eteon hat man im Grunde die eigene Version von Spectre geschaffen, mit einer Stimme als Blofeld-Ersatz - und dem Versprechen, dass dessen Identität überraschend sein wird. Hier wird sie nicht enthüllt, aber das Sequel wird im Grunde schon vorbereitet.

Überraschungen gibt es auch in diesem Film, etwa in Form zweier Gastaufritte namhafter Schauspieler, die an dieser Stelle natürlich nicht vorweggenommen werden sollen. Nur so viel: Der Spaßfaktor steigt dadurch erheblich. Der Film punktet mit der wundervollen Rivalität der beiden Hauptfiguren, aber auch mit einer gehörigen Portion Humor, die inmitten der bombastischen Action nicht versandet, sondern hilft, das abstruse Geschehen in gewisser Weise zu erhöhen.

"Fast & Furious: Hobbs & Shaw" ist ein bildstarkes Actionspektakel, das der Realität den Boden unter den Füßen wegzieht. Nichts ist hier auch nur annähernd realistisch, alles ist überdreht und überzogen, aber auf sympathische Art, da dieser Film sich endlich auch traut, das zu machen, was im Grunde längst überfällig ist: Die Helden dieses Films sind Superhelden, denen eigentlich nur das Kostüm fehlt.