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Erinnerungen an eine turbulente Kindheit

Prominent besetztes Familiendrama, das auf der Lebensgeschichte von Jeannette Walls basiert.

Ungebunden sein. Immer wieder durch die Lande ziehen. Nur selten in die Schule gehen. In ihrer Kindheit hat die Journalistin und Schriftstellerin Jeannette Walls das erlebt, wovon viele junge Menschen träumen. Gemeinsam mit ihren unangepassten Eltern und ihren drei Geschwistern war sie ständig auf Achse. Ein Dasein, das magisch und aufregend war. Aber auch seine Schattenseiten hatte, wie Walls in ihrem 2005 veröffentlichten autobiografischen Roman "Schloss aus Glas" schildert. Independent-Regisseur Destin Daniel Cretton ("Short Term 12 - Stille Helden") hat ihn mit einem prominenten Ensemble für die Leinwand adaptiert, rund 108.000 lösten hierfür ein Kinoticket. Nun ist das Familiendrama (2017) fürs Heimkino erhältlich.

Brie Larson spielt die erwachsene Autorin, die als Klatschkolumnistin in der New Yorker High Society Fuß gefasst hat. Ihr Verlobter David (Max Greenfield) ist ein aufstrebender Finanzberater. Als sie eines Abends im Taxi sitzt, entdeckt sie am Straßenrand ihre Eltern Rex (Woody Harrelson) und Rose Mary (Naomi Watts), zwei abgerissene Gestalten, die im Müll herumwühlen. Beschämt duckt sich Jeannette weg, kriegt die zufällige Begegnung aber nicht mehr aus dem Kopf. Immer öfter denkt sie an ihr ungewöhnliches Aufwachsen zurück und beschließt, ihren Vater und ihre Mutter zu besuchen, um ihnen David vorzustellen.

Das von Cretton und Andrew Lanham verfasste Drehbuch wechselt fortlaufend zwischen Gegenwart und Vergangenheit und kontrastiert dabei zwei unterschiedliche Lebensstile. Auf der einen Seite ein mondänes, finanziell sorgloses, etwas unterkühlt wirkendes Dasein samt Luxuswohnung. Auf der anderen Seite ein entbehrungsreicher Nomadenalltag, in dem große familiäre Wärme und schier unglaubliche Vernachlässigungen nebeneinander existieren.

Glücklich schätzen kann sich Cretton, dass Rex von Woody Harrelson verkörpert wird, der nicht nur die dunklen Seiten der Figur glaubhaft nach außen kehrt. Auch in intimen, berührenden Szenen trifft der dreifach oscarnominierte Mime den richtigen Ton, wobei man ebenso die überzeugende Leistung von Kinderschauspielerin Chandler Head, die die junge Jeanette verkörpert, hervorheben muss.

Für ein durchgehend mitreißendes Familiendrama reicht es trotz der guten Darbietungen jedoch nicht, da der Film manchmal allzu schnell über abgründige Ereignisse hinweggeht und in der zweiten Hälfte holzschnittartiger und zu versöhnlich gerät.

Erhältlich auf DVD, Blu-ray Disc und als Video-on-Demand.