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Nach Massaker mit zwölf Toten: "Joker" läuft nicht am Tatort von 2012

Comic-Verfilmung
Der Amoklauf in Colorado während eines "The Dark Knight Rises"-Screenings forderte im Jahr 2012 ein Dutzend Menschenleben. Aus Respekt vor den Hinterbliebenen soll nun am damaligen Tatort der "Joker"-Solo-Film nicht gezeigt werden.

Bei einem Amoklauf in einem Kinosaal wurden am 20. Juli 2012 zwölf Menschen getötet, 70 weitere wurden verletzt. Das Massaker ereignete sich in Aurora, Colorado, während einer Vorstellung von Christopher Nolans Comicverfilmung "The Dark Knight Rises" in einem dortigen Multiplex-Kino. Wie "The Hollywood Reporter" nun vermeldet, wird offenbar in ebenjenem Lichtspielhaus kein Screening des mit Spannung erwarteten Films "Joker" stattfinden. Offenbar aus Respekt vor den Hinterbliebenen, wobei sich "The Hollywood Reporter" auf Insiderinformationen beruft. Bislang sind keine Spielzeiten für den Solo-Film über die Ursprungsgeschichte von Batmans Erzfeind gelistet.

In einem offenen Brief haben sich die Hinterbliebenen auch an das produzierende Studio Warner Bros. gewendet. Sandy und Lonnie Phillipps verloren bei dem Attentat ihre 24-jährige Tochter Jessica Ghawi. Die Mutter des Opfers erkärt, dass sie durch das Marketing rund um "Joker" emotional aufgewühlt werde. "Ich muss nur die 'Joker'-Promo sehen und ich sehe ein Bild des Killers", so Sandy Phillipps. Zudem befürchte sie, dass ein psychisch kranker Mensch durch den Film ermutigt werden könnte, ebenfalls zum Amokläufer zu werden. Einem nun erst veröffentlichten Bericht zufolge, habe sich der Mörder bei seiner damaligen Festnahme sogar selbst als "Joker" bezeichnet - von Seiten der Polizei wurde diese Aussage allerdings nicht bestätigt.

Kampf gegen die Waffenlobby

Im Anschluss an das Blutbad gründete das Ehepaar Phillips die Non-Profit-Organisation "Survivors Empowered". Bei der Erstellung des Briefes kooperierte die Organisation mit "Guns Down America". Die Vereinigung macht sich stark für eine striktere Waffenkontrolle in den USA und bietet der Waffenindustrie und -Lobby die Stirn. Der Brief sei allerdings nicht als Versuch zu verstehen, den Release von "Joker" mit Joaquin Phoenix zu verhindern.

Stattdessen hoffen die Verfasser, die Studio-Verantwortlichen mit dem Schreiben dazu zu bewegen, ihren politischen Einfluss spielen zu lassen, um die nationale Waffenlobby zu schwächen und die Waffenreform voranzubringen. Bei Warner Bros. heißt es, dass man auf den Brief derzeit noch nicht reagieren könne, weil man ihn noch nicht erhalten habe.

"Joker" von Regisseur Todd Phillips gewann erst kürzlich den Hauptpreis der Filmfestspiele von Venedig. Der Film startet am Donnerstag, 10. Oktober, in den deutschen Kinos.