"Death Proof - Todsicher" bei Nitro

Nur ein Spaß des Kultregisseurs? Quentin Tarantinos schlechtester Film läuft heute im Free-TV

08.04.2026 von SWYRL/Jasmin Herzog

Quentin Tarantino hat sich einen Spaß erlaubt. Das Publikum wird sich unterteilen in jene, die das wunderbar finden, und jene, die eine Zeitverschwendung bedauern.

"Death Proof" (2007) versteht sich als leicht ironisierende Reminiszenz an die Filme der 70er- und 80er-Jahre, die in so genannten "Grindhouses" gezeigt wurden. Also heruntergekommenen Kinos in den USA, die Raum für B-Pictures boten und technisch durchaus Defizite aufwiesen. So weit die förmliche Beschreibung. Faktisch zeigt Quentin Tarantinos Film vor allem Titten, Ärsche und coole Autos. Und das Gerede rund um Reminiszenzen tangiert in "Death Proof" (Mittwoch, 8. April, 22.00 Uhr, RTL Nitro) eher peripher.

In den USA lief dieser Film mit überschaubarem Erfolg. Der Grund dafür liegt auf der Hand. In Übersee wurde "Death Proof" in einer gekürzten Version gemeinsam mit "Planet Terror" gezeigt, dem zweiten Film des "Grindhouse"-Projekts (Regie: Robert Rodriguez), was zusammen drei Stunden Kino bedeutet. Das schreckt ab. In Deutschland liefen die Filme in einer längeren Version und getrennt voneinander. "Planet Terror" hatte jedoch deutlich weniger Zuschauer. So oder so bleibt festzustellen: Dank der Schauwerte ist "Death Proof" zwar ein sehenswerter, aber doch der schlechteste Film von Quentin Tarantino.

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Selbstwusst und eigenwillig: "Death Proof" ist ein Frauenfilm

"Death Proof" ist eigentlich ein Frauenfilm. Zumindest für jene Frauen, die man etwas profan als "cool" bezeichnen würde. Klar: Frauen rechnen nicht damit, dass diese Ansammlung von Blut, Haut und mehr oder minder intelligentem Gerede für sie gedacht sein könnte. Kein Zweifel: "Death Proof" riecht zunächst nach Männermovie. Aber jedes Mädchen, das sich wünscht, dass das großmäulige Geschlecht mal richtig eins auf die Schnauze bekommen sollte, ist hier glänzend aufgehoben. Besser jedenfalls als Männer, denen diese dreckig-geniale Erzählung nur empfohlen werden kann, wenn sie zur Selbstironie in der Lage sind. Frauen sehen hier Frauen, die selbstbewusst sind und die sich nicht den Mund verbieten lassen. Bild und Ton gewordene Gleichberechtigung, womöglich gar Überlegenheit.

Bis auf kleine charmante Ausnahmen gibt es eigentlich nur einen Mann in dieser Geschichte. Und es geht nur am Rande um ihn. Im Mittelpunkt stehen acht Mädels. Die werden von Tarantino genussvoll ins rechte Licht gerückt. Was in diesem Fall vor allem zu Beginn ein schummriges ist. Dort also, in einer Billigkneipe, sitzen die wunderschöne "Jungle" Julia (Sydney Tamiia Poitier) und ihre Freundinnen. Sie plappern und trinken und plappern. Doch sie tun das in einer Art und Weise, dass Mann geneigt ist, ihnen gerne zuzuhören. Offen, ehrlich, bisweilen ordinär und vor allem: nicht umständlich oder verklausuliert. Frauen, die einfach sagen, was sie denken - toll!

Dann betritt er den Raum. Stuntman Mike. Eine Paraderolle für Kurt Russell. Ein endcooler Leftover aus den 80er-Jahren, plus Elvis-Frisur. Er verwickelt eine langbeinige Blonde (Rose McGowan) in ein Gespräch, bietet ihr an, sie nach Hause zu bringen, interessiert sich aber keineswegs für ihre körperlichen Vorzüge. Sein Ziel: Er will sie auf den Beifahrerplatz in seinem Muscle Car platzieren. Das ist death proofed. Bedeutet: Bei einem Unfall überlebt der Fahrer garantiert. Aber nur der Fahrer.

Zeitsprung. Monate später. Die nächsten Mädels (unter anderem Rosario Dawson und Zoe Bell). Die lassen sich aber nicht so leicht über den Jordan schicken. Sie beginnen sich zu wehren und machen Jagd auf den Stuntman, der sich diesmal womöglich übernommen hat.

Die Handlung ist in "Death Proof" nur Nebensache

Man sollte es kurz machen: Die Handlung ist vollkommen egal. Es geht ums Jagen und ums Gejagtwerden. Es geht um kollidierende Autos und kopulierende Mädchen. Zweifellos aber auch um eine besondere Bildsprache, die eben als Hommage an die Grindhouse-Filme gedacht ist. So gibt es denn auch reihenweise Störungen, da werden alle Aufnahmen plötzlich mal schwarz-weiß. Artefakte an allen Ecken und Enden.

Der Film versteht sich als schlichtestes Entertainment, als Trash im besten Sinne. Doch wie geschickt Tarantino hier zu Werke ging, zeigt sich vor allem an den ungemein fantasievollen Dialogen der Frauen, die den größten Teil der Laufzeit füllen, aber merkwürdigerweise - obwohl nicht ganz gelungen synchronisiert - nur selten langweilig werden. Das steht dann in einem geradezu genialen Kontrast zum wortkargen Auftreten des mörderischen Stuntmans, dessen Motiv übrigens bis zum Ende völlig im Dunkeln bleibt. Weil es tatsächlich auch völlig egal ist.

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