04.04.2026 von SWYRL/Jürgen Winzer
Michael Mittermeier wirkt auf der Bühne wie der ewige Lausbub. Dabei wird die Comedy-Legende am 4. April tatsächlich bereits 60 Jahre alt.
Ohne Michael Mittermeier wäre die deutsche Comedy-Szene eine andere. Das verhält sich ungefähr so wie die deutsche Komiker-Geschichte ohne Otto Waalkes, übrigens eines der größten Vorbilder von Mittermeier. Beide sorgten mit ihrer Komik für eine Revolution auf deutschen Kleinkunstbühnen und später auch in riesigen Stadien vor laufenden Live-Kameras. Dabei haben die beiden Granden, die jeweils eine eigene Generation von deutschem Humor prägten etwas gemeinsam: ihre hibbelige Gestik, wahrlich schräge Mimik. Das bestätigte Michael Mittermeier im Fernsehinterview bei "Volle Kanne" vor kurzem als Erfolgsrezept. "Ich merkte: Die Leute lachen, wenn ich mein Gesicht verziehe."
Das war 1976. Da war der kleine "Michel" aus dem oberbayerischen Dorfen noch neun Jahre alt und hatte seinen ersten "Auftritt" hinter sich. Er spielte mit seinem älteren Bruder Alfred einen Sketch im Karneval. Ein erster Funken war gezündet. Es folgten weitere: im Juni 1981 der erste TV-Auftritt in der ZDF-Sendung "Scooter", erneut an der Seite seines Bruders. Es folgten Auftritte auf Schützenfesten. Ab 1986 auch solo. Über seine Anfänge meinte Mittermeier in "Volle Kanne": "Ich hab einfach angefangen, es wollte raus. Ich bin auf die Bühne ohne Plan." Er habe auch lange gar nicht an eine Künstlerkarriere geglaubt - selbst, als er bereits ein Jahr lang regelmäßig auf Bühnen stand.
Seine größte Bühne hatte er am 21. Juli 1987. Da spielte er vor 12.000 Fans in der Olympiahalle in München. Allerdings nur aus Zufall. Er stand als glühender U2-Fan in der ersten Reihe, als Sänger Bono Vox fragte, ob wer im Publikum Gitarre spielen könne. Michel hob die Hand, wurde von der Security auf die Bühne gezogen und klampfte mit seinem Idol den Song "People Get Ready". Spätestens da habe für ihn festgestanden: Jetzt war auch er "ready", also bereit für die Bühne.
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Schwerer Anfang: "Ich hab vor zwei Leuten gespielt"
Die Bühne war allerdings noch nicht bereit für ihn. 1986, also vor 40 Jahren, hatte er seine ersten richtigen Auftritte. Teilweise vor spärlichen Fan-Massen. "Ich hab auch schon für zwei Leute gespielt", sagte er beim ZDF. Seine Erkenntnis seit damals: "Es muss immer einer mehr im Publikum als auf der Bühne sein."
Mittermeier hielt durch und die Fans kamen zahlreicher. 1990 legte er sein erstes richtiges Programm "Wahnsinnlich" vor. Ab 1992 trat er im "Quatsch Comedy Club" auf. 1996 kam mit "Zapped" der Durchbruch. Der Zappelphilipp wirbelte die Stand-up-Szene durcheinander, eigentlich begründete er sie neu. Wortwitzig, wortgewaltig, unverschämt, unverblümt. Er nannte Dinge beim auch zotigen Namen, benutzte das F-Wort. "Ich hab so viel Shitstorms bekommen wegen der Sprache, die wir damals benutzt haben - heute interessiert das keine Sau."
Auf "Zapped" folgten bislang neun weitere Programme auf Deutsch und einige auf Englisch, denn er tourte auch in Amerika. Er veröffentlichte mehrere Bücher, Podcasts, Filme, es gab Einsätze als Synchronsprecher und sogar als Sänger. Mit dem "Lucky Punch" eröffnete er in München einen eigenen Comedy-Club, in dem er vor allem Nachwuchskünstlern eine Plattform bietet - und natürlich auch selbst auftritt.
"Old Boy": 2027 geht er mit neuem Programm wieder auf Tour
Denn der jetzt dann 60-Jährige ist weiter rastlos unterwegs. Der Vorverkauf für sein nächstes Live-Programm, mit dem er 2027 touren wird, ist gestartet. Er hat es "Old Boy" genannt. Durchaus selbstironisch. Denn Humor ist vor allem, wenn man auch über sich selbst lachen kann.
Dass ihm das Publikum ausgeht, fürchtet er nicht. "Ich versuche, am Puls der Zeit zu sein", meinte er und weiß, dass er auch beim jungen Publikum Chancen hat. Nicht nur, weil er bei Formaten wie "Last One Laughing" mitmachte, wo er 2023 die Staffel gewann. "Wenn Sprache ehrlich ist, dann spüren das die Kids", meinte Mittermeier. Und älter werden? Kein Thema: "Wenn man liebt, was man tut, hält das jung."
Apropos Liebe. Michael Mittermeier ist seit 36 Jahren mit seiner Frau Gudrun verheiratet und hat mit ihr die gemeinsame, 2008 geborene Tochter Lilly. Beide waren indirekt als Namensgeber ("Achtung, Baby!") oder direkt (im Podcast "Mittermeiers Synapsen Mikado - Gespräche mit einer 14-Jährigen") schon aktiver Teil seines Berufs. Da kann gar nichts schiefgehen.



