08.04.2026 von SWYRL/Friederike Hilz
Im RTLZWEI-Format "Kampf der RealityAllstars" lädt Arabella Kiesbauer Deutschlands Reality-Prominenz an den berüchtigten thailändischen Strand. Im Interview verrät die Moderatorin, was sie über Reality-TV denkt und wie sie mit Hasskommentaren auf Social Media umgeht.
In den 90er-Jahren wurde Arabella Kiesbauer mit ihrer Nachmittagstalkshow "Arabella" zum Fernsehstar. Die Show ging zu Ende, doch die Moderatorin ist weiterhin ein bekanntes und beliebtes TV-Gesicht. Neben "Bauer sucht Frau" und "Bares für Rares" in Österreich moderiert sie bereits zum zweiten Mal "Kampf der Realitystars". Anlässlich der ersten "Allstars"-Ausgabe (ab Mittwoch, 8. April, auf RTL+ und ab Mittwoch, 15. April, immer mittwochs und sonntags, um 20.15 Uhr, auf RTLZWEI) nahm sich die Österreicherin in München Zeit für ein Gespräch über ihre Karriere, Reality-TV und die Zukunft.
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"Auf dem Gipfel kann ich das Gewesene vergessen"
teleschau: Für "Kampf der RealityAllstars" ging es für Sie einmal mehr an den Strand. Sind Sie im Urlaub Typ Strand oder Typ Berge?
Arabella Kiesbauer: Der Strand bei "Kampf der RealityAllstars" ist natürlich ein Traum. Privat bin ich für "mare e monti". Im Idealfall kombiniere ich also gerne beides miteinander. Ich gehe wandern - "aufe auf'n Berg" heißt das bei uns in Österreich - aber ich liege auch mit Genuss gechillt am Strand und schwimme im Meer.
teleschau: Wie schalten Sie im Urlaub und im Alltag ab?
Kiesbauer: Ich kann sofort den Schalter umlegen und bin im Erholungsmodus. Wenn ich lange in einem TV-Studio gearbeitet habe, sitze ich dann manchmal einen Tag lang nur im Garten und erfreue mich an der Natur. An anderen Tagen muss ich mich bewegen und gehe beispielsweise in die Berge. Das hat etwas Therapeutisches, denn ich kann das, was war, im Tal zurücklassen und oben frei durchatmen. Auf dem Gipfel kann ich das Gewesene vergessen.
"Ich würde mich da schon als Perfektionistin beschreiben"
teleschau: Sie sind schon lange im Geschäft. Werden Sie noch nervös?
Kiesbauer: Ich bin nicht nervös, aber ich bin vor jeder Sendung sehr, sehr konzentriert. Im Vorfeld haben ja viele Menschen sehr gewissenhaft gearbeitet, damit ich als letztes Glied in der Kette verantwortungsvoll für die richtige Außenwahrnehmung sorge. Ich würde mich da schon als Perfektionistin beschreiben, aber Fehler gehören natürlich auch dazu.
teleschau: Sie sprechen Fehler an. Würden Sie rückblickend etwas an Ihrem Weg ändern wollen?
Kiesbauer: Ich war wirklich sehr jung, als ich das erste Mal vor der Kamera stand und wusste noch nicht, dass es einmal mein Beruf werden würde. Ich würde nicht so viel ändern, denn ich finde, dass ich meinen Weg ganz gut gegangen bin - ob durch Zufall oder durch Bestimmung.
Arabella Kiesbauer findet die aktuelle politische Situation "entsetzlich"
teleschau: Sie mussten 1995 einen rassistischen Anschlagsversuch erleben. Wie gehen Sie heute damit um?
Kiesbauer: Das ist ein Ereignis, das kann man nicht vergessen. Ich habe meine Leichtigkeit wiedergefunden, aber diese Unschuld von vor der Briefbombe habe ich sicherlich nicht mehr.
teleschau: Wie blicken Sie angesichts dessen auf die aktuellen politischen Entwicklungen in Österreich und Deutschland?
Kiesbauer: Entsetzlich. Es ist grauenvoll und ein absoluter Rückschritt. Ich frage mich: Wo sind die Jahre hin, in denen auch meine Generation und die Frauen davor gekämpft haben - für Anerkennung, Gleichberechtigung, für ein Miteinander? Momentan habe ich das Gefühl, wir bewegen uns zurück. Es ist mittlerweile ziemlich zermürbend. Ich bin eine Frohnatur und eine Macherin, aber manchmal drücken die Entwicklungen selbst mir aufs Gemüt. Es ist wirklich viel und ich verstehe, dass Angstzustände und Depressionen zunehmen. Gerade in Zeiten wie diesen braucht es also Entertainment. Oft werden wir als "Unterhaltungs-Kasperl" tituliert, aber wir haben eine regulierende Funktion.
"Arabella" war "ein Befreiungsschlag"
teleschau: Glauben Sie, dass das Fernsehen und seine Stars eine besondere Verantwortung haben?
Kiesbauer: Jeder trägt Verantwortung, aber wenn jemand in der Öffentlichkeit steht, dann umso mehr. Er oder sie hat das Potenzial, vielen anderen Personen ein Vorbild zu sein.
teleschau: Sehen Sie sich selbst als Vorbild?
Kiesbauer: Ich weiß, dass ich für viele ein Vorbild bin, vor allem für People of Colour. Mir ist das eher im Nachhinein bewusst geworden, weil es mir viele Leute gesagt haben. Für mich selbst war mein Aussehen schließlich immer normal. Aber man darf nicht vergessen: Als ich im Fernsehen angefangen habe, gab es in der Branche noch nicht viele dunkelhäutige Menschen. Das war ein Befreiungsschlag: Endlich ist da eine, die aussieht wie wir. Wir sind auch da, wir werden gesehen, wir werden gehört.
"Ich liebe es, die psychologischen Feinheiten herauszuarbeiten"
teleschau: Mit "Arabella" gelang Ihnen dieser Befreiungsschlag und kommerzieller Erfolg. Gibt es Formate, für die Sie heute gerne vor der Kamera stehen würden?
Kiesbauer: Ich habe kein Traumformat, muss ich ehrlich sagen. Aber sowohl bei "Bauer sucht Frau" in Österreich als auch bei "Kampf der Realitystars" hätte ich, bevor ich das Angebot bekommen habe, nicht gedacht, dass es mir so gut gefällt. Und jetzt fühlt es sich an wie ein Handschuh, der einfach passt.
teleschau: Was hat Sie von "Kampf der Realitystars" und der "Allstars"-Ausgabe überzeugt?
Kiesbauer: Ich liebe es, die psychologischen Feinheiten herauszuarbeiten. Und gerade bei Formaten, bei denen es durchaus laut und emotional zugeht, ist es interessant zu sehen: Was ist die Psychologie dahinter? Deswegen mag ich Reality im Allgemeinen sehr gerne. Besonders bei den "Allstars" treffen so viele unglaublich starke Persönlichkeiten aufeinander. Ich finde es spannend zu sehen: Wie konkurrieren sie miteinander? Wie versucht jemand, sich ins Scheinwerferlicht zu drängen? Was macht das mit Menschen, und wer geht am Ende als strahlende Siegerin oder Sieger hervor?
Arabella Kiesbauer glaubt: "Grenzüberschreitungen braucht es generell im Leben"
teleschau: Im Reality-TV wird oft der Vorwurf laut, jemand sei "fake". Sie haben einmal gesagt, sie seien an "echten Geschichten" und nicht an frei Erfundenem interessiert. Das scheint auf den ersten Blick widersprüchlich.
Kiesbauer: Ich stimme Ihnen voll zu. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Reality-Stars mit einem Konzept in derartige Shows gehen. Vor allem die "Allstars" sind, glaube ich, mit allen Wassern gewaschen. Doch unter solchen Extrembedingungen fallen alle Masken sehr schnell. Und dann kommt der wahre Mensch und seine Persönlichkeit zum Vorschein. In gewisser Weise ist Reality-TV auch eine Weiterentwicklung des Nachmittagstalks, den ich ja lange gemacht habe.
teleschau: In eben jenem Nachmittagstalk "Arabella" haben Sie laut eigener Aussage "Grenzen überschritten". Braucht es solche Grenzüberschreitungen für gutes Entertainment im Fernsehen?
Kiesbauer: Ich glaube, Grenzüberschreitungen braucht es generell im Leben. Meine eigenen Grenzen zu testen, meine Komfortzone zu verlassen und dabei möglicherweise Fehler zu machen - das gibt mir die Möglichkeit, etwas zu lernen. Ich sage auch meinen Kindern immer: Es ist nicht schlimm, einen Fehler zu machen. Es ist nur schlimm, daraus nichts zu lernen. Von Grenzüberschreitungen, die andere verletzen, reden wir dabei natürlich nicht.
"Wenn ein Kommentar wirklich rassistisch ist, dann lösche ich den"
teleschau: Eine solche inakzeptable Grenzüberschreitung können negative Kommentare auf Social Media sein. Wie gehen Sie damit um?
Kiesbauer: Man muss im Leben damit zurechtkommen, dass man nicht immer nur gefällt. Oft haben negative Kommentare nicht einmal etwas mit einem selbst zu tun, sondern viel mehr mit der Person, die sich zu Wort meldet. Für mich ist es wahrscheinlich einfacher damit umzugehen, weil öffentliche Beurteilung seit vielen Jahren Teil meines Berufs ist.
teleschau: Das klingt nach einer hohen Toleranzschwelle.
Kiesbauer: Wenn ein Kommentar wirklich rassistisch ist, dann lösche ich den. Das ist eine Grenzüberschreitung, die nicht nur mich, sondern auch viele andere verletzt, und das hat auf meinem Account keinen Platz. Ein derartiges Forum möchte ich nicht bieten.
teleschau: Gibt es eine private Arabella und eine, die vor der Kamera steht?
Kiesbauer: Es gibt zum Glück Überschneidungen, denn sonst müsste ich mich auf der Bühne ja total verstellen. Und der Zuschauer sehnt sich nach Authentizität.



