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Über die Grenze - Racheengel - Do. 13.02. - ARD: 20.15 Uhr

"Über die Grenze - Racheengel"
Nach dem Tod ihres Vaters kehrt Leni Herold (Anke Retzlaff) in den Dienst zurück. Mit ihrem Team jagt sie einen EU-Lobbyisten, der des Menschenhandels bezichtigt wird. Der neue Fall der ARD-Reihe ist ein spannender Krimi, der jedoch das Potenzial zum Politthriller verstreichen lässt.

Die Polizistin Leni Herold (Anke Retzlaff) musste in der ARD-Krimireihe "Über die Grenze" schon einiges mitmachen. Im Debütfilm "Alles auf eine Karte" etwa wurde die junge Polizistin der deutsch-französischen Polizei von zwei Schwerverbrechern in Geiselhaft genommen und konnte nur knapp entkommen. Dennoch klingt es fast harmlos im Gegensatz zur Situation, die Herold im dritten Teil der Krimifilm-Reihe bewältigen muss. Vor ihren Augen wird ihr geliebter Vater Steffen (Thomas Sarbacher) im Einsatz kaltblütig erschossen. Noch dazu hat sie ein Kind verloren. Es sind Traumata, die auch an der nach außen hin knallharten Polizistin nicht spurlos vorübergehen. Um sich abzulenken, stürzt sich Herold in "Racheengel" in die Arbeit und sinnt, wie es der Titel schon vermuten lässt, auf Vergeltung.

Nach vier Monaten Auszeit kehrt Herold wieder in den Dienst zurück, viel Zeit zum Eingewöhnen bleibt ihr aber nicht. Gemeinsam mit ihren Kollegen Yves Kléber (Philippe Caroit), Tino Loher (Bernhard Piesk) und dem neuen Chef der Einheit, Niko Sander (Carlo Ljubek), nimmt sie den EU-Lobbyisten Florian Geissler (Stephan Kampwirth) ins Visier. Der einflussreiche Transportunternehmer ist im Import-Export tätig - zumindest offiziell. In Wahrheit aber dealt er mit toxischen Industrieabfällen und karrt Frauen aus Osteuropa heran, damit sie für ihn als Prostituierte arbeiten. Umso mehr ist ihm eine Gesetzesinitiative ein Dorn im Auge, die ein länderübergreifendes Fahndungssystem etablieren will.

An Geissler heranzukommen, erweist sich für die grenzüberschreitende Einheit aber als schwierig. Zu weitreichend sind seine Verbindungen, zu viele Männer hat er um sich geschart, die seinen Dreck unter den Teppich kehren. Eine Chance bietet sich, als Leni die Prostituierte Natia (Karoline Teska) als verdeckte Ermittlerin gewinnen kann. Doch der Undercover-Einsatz geht gehörig schief, auch weil Natia eigene Ziele verfolgt. Noch dazu startet Leni einen Alleingang, der sie in große Gefahr bringt.

Geradliniger Krimi statt komplexer Polit-Thriller

Mit geheimen Hinterzimmerabsprachen und engen Verbindungen zu den Politikern vereinen Lobbyisten oft viel Macht auf sich. Was aber wirklich hinter den Kulissen passiert, bleibt der Öffentlichkeit oft verborgen. Bis auf exklusive Partys samt knapp bekleideter Damen, jeder Menge Schampus und Erpressungsversuchen mit kompromittierenden Clips bringt auch "Racheengel" dahingehend keine Aufklärung. Was ein komplizierter Polit-Thriller hätte werden können, ist am Ende ein relativ geradlinig erzählter Krimi (Drehbuch: Martin Muser und Michael Rowitz).

Das ist zwar einerseits schade, weil ein Blick hinter die Kulissen dieser ominösen Parallelgesellschaft sicher interessant gewesen wäre. Allerdings entschädigt dafür der temporeich erzählte Fall, der die Spannung bis zum Ende hochhalten kann. Zur Qualität des gelungenen Krimis von Regisseur Michael Rowitz tragen auch die gut auflegten Schauspieler erheblich bei. Stephan Kampwirth gibt den aalglatten Geschäftsmann, der vor nichts zurückschreckt, trotz seiner knapp bemessenen Screentime sehr überzeugend. Und Anke Retzlaff geht in ihrer Rolle als psychisch labile Kommissarin vollends auf. Besonders in der höchst ergreifenden Szene am Ende des Films - hin- und hergerissen zwischen Resignation und Zuversicht, zwischen verzweifelter Trauer und einem Funken Hoffnung - zeigt die 30-Jährige ihr Talent.

Der vierte Teil der Krimi-Reihe, "Rausch der Sterne", läuft am Donnerstag, 20. Februar, um 20.15 Uhr, im Ersten.