"Elysium" bei ProSieben

Heute im Free-TV: An dieser klassenkämpferischen SciFi-Vision hätte auch Karl Marx seinen Spaß

05.02.2026 von SWYRL/Jasmin Herzog

Verkleidet als düstere, actionreiche Zukunftsvision, ist Neill Blomkamps "Elysium" ein erschreckend zeitgemäßer Science-Fiction-Film.

Ein Gespenst geht um auf der Erde im Jahr 2154 - das Gespenst der Revolution. Der Planet ist völlig heruntergewirtschaftet. Wer genug Geld hatte, floh bereits vor Jahren ins All. Hoch oben hat sich die Elite eine schicke Raumstation gebaut. Auf "Elysium" lässt es sich ganz vortrefflich und sehr entspannt leben - mit ausgewogener Ernährung, fantastischer medizinischer Versorgung und vielen Grünflächen. Diesen Luxus gibt's natürlich nicht umsonst: Bezahlen müssen die anderen. Aber die wehren sich.

Neill Blomkamps ("District 9") spannendes Science-Fiction-Manifest "Elysium" hätte wahrscheinlich auch Karl Marx ins Kino gelockt - und der hätte sich über einen formidabel inszenierten Klassenkampf gefreut, der ebenso unterhaltsam wie lehrreich ist. ProSieben zeigt den Film am Donnerstag, 5. Februar, 20.15 Uhr in einer Wiederholung.

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Spannendes Endzeit-Abenteuer ohne Moralkeule

Wer es nicht in den Himmel schaffte, blieb in der Hölle zurück: Die breite Masse der Menschen vegetiert nun in den Slums der Erde vor sich hin. Das Fußvolk der Malocher buckelt sich den Rücken krumm, um den Reichtum und die Sicherheit der Oberschicht zu gewährleisten. So wie Max (Matt Damon), der in einer Fabrik Polizei-Droiden zusammenschraubt. Ein besseres Leben wäre nur auf der Raumstation Elysium möglich, die wie ein höhnischer Ring der Hoffnung am Firmament schwebt. Wer sich der Insel der Seligen unbefugt nähert, wird von der gnadenlosen Ministerin Delacourt (Jodie Foster) zum Abschuss freigegeben.

Doch als Max bei einem Betriebsunfall verstrahlt wird, muss er sich auf den Weg machen: Nur auf Elysium kann er sich behandeln lassen. Die Zugangscodes besorgt er sich mit Hilfe einer Gangsterbande von seinem Manager. Der hat in seinem Gehirn ein Programm abgespeichert, mit dem sich der fliegende Mega-Palast der Elite neu starten lässt: Delacourt will sich damit an die Macht putschen und ein noch strengeres Regiment führen. In einem effektvollen Actionspektakel in drastischer Schmuddeloptik kämpft und ballert sich Max den Weg nach oben frei und nimmt seine Kinderheimliebe Frey (Alice Braga) und deren kranke Tochter gleich mit. Aus dem persönlichen Feldzug wird ein veritabler Kleinkrieg, als ihm Delacourt den staatlich legitimierten Terroristen Kruger (Sharlto Copley) auf den Hals hetzt.

Zwei-Klassen-Medizin, Ausgrenzung, rigide Flüchtlingspolitik, politische Ränkespiele und Allmachtsfantasien, Mord und Totschlag - wenn man die beeindruckende Kinooptik und die erzählerischen Stilmittel der Sci-Fi-Saga subtrahiert, könnte man meinen, eine aktuelle Ausgabe der "Tagesschau" zu sehen. Was Blomkamp als Fiktion verpackt, ist heute schon Realität. Doch der südafrikanische Regisseur schwingt sich nicht zum Moralapostel auf, sondern erweist sich wie schon in "District 9" (2009) als begnadeter Fabulierer. Er verpackte seine Sozialkritik in ein spannendes Endzeit-Abenteuer und erschuf einen Film, dem es an Unterhaltung genauso wenig mangelt wie an einer deutlichen, aber eben nicht belehrenden Bitte, doch endlich mal zur humanistischen Räson zu kommen.

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