03.05.2026 von SWYRL/Wilhelm Flemmer
Vor genau 35 Jahren wurde die letzte Folge der Kultserie "Dallas" ausgestrahlt. Wie aber endete die wohl größte Seifenoper der Fernsehgeschichte?
Am 3. Mai 1991 mussten Millionen Zuschauer in den USA und am 27. September desselben Jahres Millionen Fans in Deutschland ganz, ganz stark sein: Die letzte Episode der Seifenoper "Dallas" wurde ausgestrahlt. Eine TV-Ära ging scheinbar unwiederbringlich zu Ende, keine Intrigen sollte es fortan mehr geben, keine Affären, keine Schicksalsschläge, kein Drama und keine Melodramatik. Zunächst musste aber das Finale überstanden werden, für das sich die Kreativen noch einmal richtig austoben durften.
Denn als wollten sie den "Dallas"-Fans den Abschied von ihrer Lieblingsserie etwas leichter machen, ließen sich die Drehbuchautoren ein doch recht exotisches Ende einfallen, gelinde gesagt. Exotisch, aber nicht überraschend, denn mit kuriosen Plot-Entwicklungen waren die Zuschauer der Seifenoper längst vertraut. Verwiesen sei in dem Zusammenhang, natürlich, auf die legendäre, besser: berüchtigte neunte Staffel, die sogenannte Traumstaffel, in der die Macher einen zentralen Charakter, Bobby Ewing (Patrick Duffy), erst sterben ließen, um etwas später das plötzliche Ableben des Ewing-Sprösslings - und da die TV-Quoten am Sinken waren - einfach so, mir nichts, dir nichts, als Traum zu verkaufen.
Sterben musste auch im Finale von "Dallas" jemand - wenn schon Ende, dann mit Paukenschlag. Und der war ohrenbetäubend. Kein Geringerer als J.R. Ewing (Larry Hagman), Öl-Magnat und Bilderbuchfiesling, sollte über den Jordan gehen - und das freiwillig. J.R. ist seines Lebens müde, nachdem es den Bach runtergegangen ist. Sein Imperium hat der Unternehmer verloren, ausgerechnet an seinen Erzrivalen Cliff Barnes (Ken Kercheval). Bruder Bobby, wie gesagt, längst wieder quicklebendig, ist neuer Eigentümer der Southfork-Ranch. Und Sohn John Ross (Omri Katz) ist zu seiner Mutter Sue Ellen (Linda Gray), J.R.s Ex-Frau, nach England gegangen. Wie soll da einer weiterleben wollen, wenn alles verloren ist? Da hilft nur ein verzweifelter Griff zur Waffe.
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Schuss, "oh mein Gott" - und Abblende
J.R. greift zur Waffe in der Doppelfolge des Finales, im englischen Original "Conundrum" betitelt, im deutschen "Endspiel". Doch da taucht jäh ein Engel auf. Ist das Soap-Leben nicht schön? Adam, Engel oder jedenfalls Wesen aus einer jenseitigen Welt, will den Öl-Magnaten wieder an den Wert des Lebens und vor allem: an den Wert seines, J.R.s, Leben glauben machen. Und so führt er dem Lebensmüden vor Augen, wie alles wäre, wäre er nie geboren worden. Gary hätte, nun als ältester Ewing-Spross, das Konzernimperium in den Ruin gewirtschaftet. Familienoberhaupt Jock Ewing (Jim Davis) hätte sich aus Verzweiflung darüber das Leben genommen, was wiederum zum Tod seiner Frau Miss Ellie (Barbara Bel Geddes) geführt hätte. Sue Ellen wäre Seifenoper-Darstellerin geworden, Kristin Shepard eine Betrügerin und Bobby ein Glücksspielsüchtiger.
Die Ewing-Welt wäre also keine besser geworden ohne J.R., das alles sieht und erkennt der Verzweifelte, doch welche Lehre zieht er daraus? Nicht dieselbe wie James Stewart in "Ist das Leben nicht schön?". Er bleibt verzweifelt, er erholt sich nicht von seiner Lebensmüdigkeit - und er führt die Pistole an seine Schläfe, verlockt von einer Art böser Adam, der ihm nun im Spiegel erscheint. Es fällt ein Schuss. Bobby eilt aufgeschreckt herbei, reißt die Tür auf, sieht, was der Zuschauer nicht sieht, und ruft: "Oh mein Gott". Abblende.
So endete am 3. Mai 1991 die wohl größte Seifenoper der TV-Geschichte. Endete hiermit aber auch das Leben J.R.s? Mit dem 1996 ausgestrahlten Fernsehfilm "Dallas - J.R. kehrt zurück" wurden die an skurrilen Plot-Entwicklungen gewohnten "Dallas"-Zuschauer erneut eines Besseren belehrt. In der Fortsetzung stellt sich heraus, dass J.R. nur auf den Spiegel schoss und immer noch quicklebendig ist.



