Neustarts

Die Braut, die sich was traut: Das sind die Kino-Highlights der Woche

04.03.2026 von SWYRL/Christopher Diekhaus

"Hoppers", "Gelbe Briefe" und "The Bride! - Es lebe die Braut", Maggie Gyllenhaals stargespickte Auseinandersetzung mit dem Frankenstein-Mythos.

Nur wenige Romane haben eine derart große Wirkmacht wie Mary Shelleys Schauerstück "Frankenstein oder Der moderne Prometheus", das 1818 das Licht der Welt erblickte. Was bedeutet Leben? Was ist ein Mensch? Wo liegen die Grenzen der Forschung? Und wie belastend kann Einsamkeit sein? - Tiefschürfende Fragen stecken in der Erzählung um den obsessiven, titelgebenden Wissenschaftler und das von ihm aus Leichenteilen erschaffene Monster. Unzählige Autoren und später auch Filmemacher ließen sich von Shelleys Geschichte inspirieren, die noch heute, über 200 Jahre nach ihrem ersten Erscheinen, einen festen Platz in der Popkultur hat. Nach Guillermo del Toros "Frankenstein", einer im Herbst 2025 veröffentlichten Neuinterpretation des Ursprungsstoffes, befasst sich auch die Schauspielerin Maggie Gyllenhaal in ihrer zweiten Regiearbeit "The Bride! - Es lebe die Braut" mit zentralen Motiven und Überlegungen des Romans.

Außerdem neu im Kino: "Hoppers", der jüngste Animationsspaß der Pixar-Studios, und "Gelbe Briefe", İlker Çataks diesjähriger Berlinale-Gewinner über die bedrohte Freiheit der Kunst.

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The Bride! - Es lebe die Braut

Mit "Frankenstein" aus dem Jahr 1931 schuf James Whale auf Basis eines Bühnenstücks von Peggy Webling und Mary Shelleys Literaturklassiker einen der einflussreichsten Horrorfilme des klassischen Hollywood-Kinos. Vor allem die Maskerade des von Boris Karloff verkörperten Monsters prägte nachhaltig die Vorstellungen über dessen Aussehen. 1935 schob das Studio Universal mit "Frankensteins Braut" eine erste Fortsetzung nach, der ein Nebenplot aus dem Originalroman als Grundlage diente. Eben jenes Sequel nutzte Maggie Gyllenhaal als Inspirationsquelle für "The Bride! - Es lebe die Braut".

Erste Erfahrungen auf dem Regiestuhl sammelte die früher vor allem als Darstellerin aktive US-Amerikanerin bei der Netflix-Miniserie "Homemade", die in mehreren Kurzfilmen aus verschiedenen Ländern die Covid-Pandemie aus teils sehr persönlichem Blickwinkel aufarbeitet. Anschließend drehte Gyllenhaal das von der Kritik gelobte Drama "Frau im Dunkeln" mit Olivia Colman und Jessie Buckley in den Hauptrollen.

Letztere ist auch in "The Bride! - Es lebe die Braut" als Titelfigur zu sehen. Der Film spielt im Chicago der 1930er-Jahre, wo der einsame Frank (Christian Bale), Frankensteins Monster, die Forscherin Dr. Euphronius (Annette Bening) aufsucht. Seine dringende Bitte: Sie möge ihm dabei helfen, eine Gefährtin zu erschaffen. Gemeinsam erwecken die beiden schließlich eine ermordete junge Frau, "die Braut" (Buckley), zu neuem Leben - und entfesseln damit ungeahnte Kräfte. Eine explosive Liebe und eine radikale Kulturbewegung werden geboren.

Gyllenhaals Film, der in den Nebenrollen unter anderem mit ihrem Ehemann Peter Sarsgaard und ihrem Bruder Jake Gyllenhaal besetzt ist, erinnert mit seiner stärkeren Betonung der weiblichen Perspektive an Yorgos Lanthimos' preisgekrönten "Poor Things" aus dem Jahr 2023. Die Adaption von Alasdair Grays gleichnamigem Roman verpasste der Frankenstein-Geschichte ebenfalls einen feministischen Dreh.

Hoppers

Auch wenn die zum Disney-Konzern gehörenden Pixar-Studios in den vergangenen Jahren einige durchschnittliche Werke (etwa "Lightyear" und "Elemental") auf die große Leinwand brachten, steht ihr Name nach wie vor für innovative, gefühlvolle Familienunterhaltung. Noch bevor im Sommer der fünfte Teil der beliebten "Toy Story"-Reihe an den Start gehen wird, schickt die vor 40 Jahren gegründete Animationsschmiede die sich für Naturschutz einsetzende Science-Fiction-Komödie "Hoppers" ins Rennen um die Gunst der Zuschauer.

Im Mittelpunkt des von Daniel Chong inszenierten Films steht die Studentin Mabel, die sich schon als Kind für ein Wasserloch und eine Lichtung hinter dem Haus ihrer Großmutter begeistern konnte. In der Gegenwart kämpft die junge Frau verbissen für die Zukunft eben dieses Ortes, den der Bürgermeister ihrer Stadt für eine Umgehungsstraße plattmachen will. Viel Hoffnung gibt es nicht mehr. Denn alle Tiere sind längst abgewandert. Nur wenn sie zurückkehren, müsste der Bau gestoppt werden.

Dann aber erfährt Mabel, dass ihre Professorin eine bahnbrechende Apparatur entwickelt hat, mit der sich menschliches Bewusstsein in lebensechte Robotertiere übertragen lässt. Die Studentin "hüpft" (daher der Titel!) in eine Biberattrappe, kann sich so den weggezogenen Tieren nähern und mit ihnen kommunizieren. Beim Versuch, sie wieder zu einer Umsiedlung zu bewegen, geht es allerdings drunter und drüber.

Gelbe Briefe

22 Jahre nach Fatih Akins "Gegen die Wand" gibt es wieder einen Berlinale-Gewinner eines deutschen Regisseurs. Mit seinem Politdrama "Gelbe Briefe" konnte İlker Çatak im Februar den Goldenen Bären bei den Filmfestspielen von Berlin entgegennehmen. Schon seine vorherige Arbeit "Das Lehrerzimmer" hatte nach ihrem Erscheinen 2023 für Furore gesorgt, unter anderem eine Oscar-Nominierung ergattert.

"Gelbe Briefe" handelt von Derya (Özgü Namal) und Aziz (Tansu Biçer), einem Ehepaar, das in der türkischen Kunstszene erfolgreich ist. Sie als Schauspielerin, er als Dramatiker. Kurz nach der Aufführung ihres neuen gemeinsamen Stücks gerät die geordnete Welt der beiden ins Wanken. Die Eheleute verlieren ihre Arbeit und müssen plötzlich um ihre gesellschaftliche Existenz fürchten. Als auch der finanzielle Druck immer weiter zunimmt, ziehen Derya und Aziz mit ihrer Tochter (Leyla Smyrna Cabas) zu seiner Mutter (İpek Bilgin). Irgendwann steht die Frage im Raum, ob sie ihren Idealen noch treu bleiben können.

Kunst darf alles, lautet ein oft bemühtes Zitat. Gerade unter autoritären Regimen gilt das aber keineswegs. "Gelbe Briefe" erzählt von staatlicher Willkür, subtilen Repressalien - und liegt damit voll am Puls der Zeit. Befinden sich doch allerorten, nicht zuletzt in den Vereinigten Staaten unter Donald Trump, kulturelle Institutionen und Protagonisten unter Beschuss. İlker Çatak, (in Berlin geboren, Sohn türkischer Einwanderer) verortet seinen auf Türkisch gedrehten Film zwar in der Türkei. Einblendungen ("Berlin als Ankara" und "Hamburg als Istanbul") unterstreichen allerdings unmissverständlich, dass "Gelbe Briefe" an deutschen Schauplätzen entstand. Ein bewusst gesetzter Verfremdungseffekt, der dem Geschehen etwas Allgemeingültiges verleiht.

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