04.05.2026 von SWYRL/Susanne Bald
Nach über sechs Jahren ist der schrullige Ermittler Adam Danowski zurück. In der Adaption des vierten Teils eines Romans aus Till Raethers Krrimireihe werden in Schulkellern mumifizierte Männerleichen gefunden. Beide haben Bissspuren von Neunaugen. Nicht die einzige Gemeinsamkeit ...
Ende 2019 sendete das ZDF mit "Danowski: Blutapfel" zum ersten Mal eine Adaption eines Krimis aus Till Raethers Romanreihe. Nun ist Adam Danowski, der wohl liebenswert-schrulligste Ermittler des deutschen Fernsehens, zurück. Endlich. "Danowski: Neunauge" ist am Montagabend im ZDF sowie vorab online zu sehen. Das Drehbuch stammt von Anna Tebbe ("Taunuskrimi"), Regie führte Jonas Grosch.
Man kann sich keinen besseren Darsteller für den hypersensiblen Ermittler vorstellen als Milan Peschel ("Doppelhaushälfte"). Dass seine Figur kein klassischer Kommissar ist, findet er "wunderbar, denn das Klassische ist bekannt, also relativ langweilig. Wohingegen das Ungewöhnliche nicht nur gesehen, sondern auch erkannt wird." So ist es. Danowskis analytischen Fähigkeiten schadet seine Hypersensibilität nicht, im Gegenteil.
Mit seinen Freunden Meta (Isabell Polak übernimmt die Rolle von Emily Cox) und "Finzi" (Andreas Döhler) bildet er ein eingespieltes Team. Dass einer wie Danowski kein Fan des breitbeinigen Fallanalytikers Gaitner sein wird, der wegen des aktuellen Falls von München nach Hamburg geholt wird, versteht sich von selbst.
Aber es ist schon ziemlich lustig, wie Gaitner anhand weniger Infos ein Profil Danowskis erstellt, das dem einer besonderen Tiergattung in einer Naturdoku gleicht. Nicht die einzige Szene, die für Schmunzler sorgen dürfte. "Das laute und eitle, aber durchaus auch humorvolle Auftreten Gaitners hat mir sehr viel Spaß gemacht", sagt Schauspieler Sebastian Bezzel, und das merkt man.
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Mobbing und Menosphere
Wer mit Otfried Preußlers "Der kleine Wassermann" aufgewachsen ist, dem dürfte schon beim Namen "Neunauge" ein Schauer über den Rücken laufen. Das blutsaugende, fischähnliche Wirbeltier ist der Bösewicht des Kinderbuchs. Im ZDF-Krimi finden sich an den mumifizierten Männerleichen, die man in den Kellern zweier Schulen findet, Bissspuren dieser Tiere.
Was die Opfer Frank Jablonski und Thorsten Stahmer (Robert Glatzeder) außerdem gemeinsam haben: ein früherer Aufenthalt in einem Schullandheim in Plön. Danowskis und Metas Nachforschungen dort entwickeln sich zu einem weiteren skurrilen Höhepunkt des Films, nicht zuletzt dank Gaststar Marc Hosemann ("Die Discounter") als Polizist. Von ihm erfahren sie auch, dass es in dem Heim Mobbingfälle gab.
Meta kannte Stahmer persönlich, war eine Weile mit ihm liiert, hält sich aber bedeckt, was ihre Beziehung angeht. Die Zuschauer sind früh etwas schlauer: Ihr Ex war Teil der misogynen Menosphere. Ein Aufreißer, der Frauen nach einem Punktesystem bewertete und sich mit anderen Männern austauschte. Ist das Mordmotiv also Rache eines Menosphere- oder eines Mobbingopfers?
Till Raether zeigt sich begeistert von der Verfilmung seines vierten "Danowski"-Krimis: "Beim Anschauen verwandelt sich die Arbeit von einst für mich ins reine Vergnügen des Augenblicks." Das liege daran, dass die Darsteller "oft genau jene Seiten der Figuren zeigen, die mir beim Schreiben besonders wichtig waren: ihre Sehnsucht nach Gemeinschaft bei aller Schroffheit, ihr Bedürfnis zu scherzen, wenn die Verletzbarkeit sichtbar zu werden droht. Und daran, dass Jonas Gosch ihnen ermöglicht, sich auf eine Weise im Raum zu bewegen, die zeigt, wie nah Fluchtreflex und Aufbruchsstimmung, Spieltrieb und Zerstörungslust in der 'Danowski'-Welt beieinanderliegen." Dem gibt es nichts hinzuzufügen.



