Podcast "Politik mit Anne Will"

Klaas Heufer-Umlauf kritisiert "Zockermentalität" in der Politik: "Ein Typ wie Söder wird abhängig davon"

11.06.2026 von SWYRL/Jens Szameit

"Jetzt bin ich der Umweltfreund, eine Woche später das genaue Gegenteil": Klaas Heufer-Umlauf glaubt, manche Politiker würden lieber mit der Stimmungslage zocken, anstatt nachhaltige Konzepte zu erklären. Das sagte der TV-Entertainer im Podcast von Anne Will.

"Verkommt Politik zu schlechter Unterhaltung?" Um diese Frage zu klären, lud Anne Will in ihren Podcast einen Gesprächsgast ein, der als Könner auf dem letztgenannten Gebiet gelten darf: TV-Entertainer Klaas Heufer-Umlauf. In der Politik wünscht sich der 42-Jährige deutlich mehr Ernsthaftigkeit - und weniger Fokussierung auf die Demoskopen.

"Wenn ich mir überlege, dass es teilweise tägliche Meinungsumfragen über Beliebtheit gibt, dann können die sich ja auch nur an Stimmung festmachen", kritisierte Heufer-Umlauf bei "Politik mit Anne Will" eine Verflachung der Debatte. Die Beliebtheitsskalen würden allzu oft wie eine "sportliche Tabelle" angeführt und faktenbasierten Statistiken gleichgestellt.

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"Jetzt bin ich der Umweltfreund, eine Woche später das genaue Gegenteil"

"Das finde ich schwierig", sagte der Show-Star ("Joko & Klaas gegen ProSieben"), "weil das natürlich Politiker dazu bringt, fast so eine Zockermentalität an den Tag zu legen, um mal zu gucken, was passiert eigentlich, wenn ich hier ein bisschen drücke, was passiert, wenn ich da ein bisschen drücke: Ah guck mal, ich mach' ne 180-Grad-Wende, das interessiert ja gar keinen!"

Als Beispiel führte Heufer-Umlauf den bayerischen Ministerpräsidenten an. "Da wird natürlich so ein Typ wie (Markus) Söder abhängig davon. Der denkt: Ach guck, jetzt bin ich irgendwie hier der Umweltfreund, eine Woche später bin ich das genaue Gegenteil." Seine Sinneswandel hätten für den CSU-Chef "keine nachhaltige Konsequenz", glaubt der TV-Star. "Das wird ihm nachgesehen oder sogar gutgeschrieben", bestätigte Anne Will die Beobachtung.

Die Ex-ARD-Talkerin sprach ihren Podcast-Gast gleichwohl selbst auf eine aktuelle Umfrage an - nämlich die sogenannte "Sonntagsfrage", bei der die AfD inzwischen auf 27 Prozent der Stimmen kommt - vier Punkte mehr als die Union. Die hohen Umfragewerte für die Rechtsaußenpartei hätten auch damit zu tun, dass die AfD nicht damit arbeite, "in letzter Konsequenz auch Konzepte anbieten zu müssen", glaubt Klaas Heufer-Umlauf. Ein Konzept sei immer "etwas Kompliziertes und Langweiliges".

Klaas Heufer Umlauf beklagt ungleichen Wettbewerb in der Politik

Der Entertainer fürchtet, dass eine journalistische Überprüfung von AfD-Positionen "überhaupt nicht bei den Leuten ankommt, denen man die Ergebnisse der Überprüfung gerne vorlegen würde". Diesen Menschen würde er gerne sagen: "Das ist nicht die Arbeiterpartei, die nützen euch gar nichts, die Wissen überhaupt nicht um eure Probleme, und vor allen Dingen haben sie gar keine Ahnung, wie man sie lösen soll."

In diesem Sinne sieht Heufer-Umlauf Regierungshandelnde in einem ungleichen Wettbewerb gefangen: "Die Wahrheit dauert immer länger und klingt langweiliger als die verkürzte Parole." Eine Parole zu entkräften, verglich der Moderator und Schauspieler damit, ein Gedicht in einem vollbesetzten Fußballstadion vorzulesen: "Da hört dann keiner mehr zu, und trotzdem ist es die Wahrheit."

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