16.03.2026 von SWYRL/Christopher Diekhaus
Nach "Der Marsianer - Rettet Mark Watney" findet die zweite Verfilmung eines Bestsellers von Andy Weir ihren Weg ins Kino. "Der Astronaut - Project Hail Mary" erweist sich als berührend-witziges Science-Fiction-Abenteuer, das zwischen großem Untergangsszenario und Kammerspiel pendelt.
Wenn gegen Ende eines Spiels im American Football das zurückliegende Team mit dem Mut der Verzweiflung das Ruder noch einmal herumreißen möchte, kommt es manchmal zu einem riskanten Vorwärtspass. Dieser letzte, wenig realistische Versuch, doch noch zum Erfolg zu kommen, ist als "Hail Mary" bekannt. Eine Bedeutung, die US-Schriftsteller Andy Weir in seinem dritten Roman "Der Astronaut", im englischen Original als "Project Hail Mary" erschienen, auf eine Science-Fiction-Geschichte überträgt. Konkret geht es um die Rettung der Menschheit angesichts einer drohenden Eiszeit auf der Erde - wobei die Erfolgsaussichten denkbar schlecht sind.
Nachdem schon Weirs Debütroman "Der Marsianer" von Ridley Scott für die große Leinwand aufbereitet wurde, zeichnet nun das Regieduo Phil Lord und Christopher Miller ("The LEGO Movie") für die Adaption von "Der Astronaut" verantwortlich. Ryan Gosling spielt darin, gewohnt charismatisch, den Molekularbiologen Dr. Ryland Grace, der zu Beginn des Films mutterseelenallein an Bord eines Raumschiffs Lichtjahre von seinem Heimatplaneten entfernt aus einem künstlichen Koma erwacht. Der zottelige Mann stapft zunächst völlig verwirrt umher und kann sich beim besten Willen keinen Reim auf seine Situation machen.
Nach und nach kehren allerdings die in Flashbacks dargestellten Erinnerungen zurück: Der an einer Highschool arbeitende Grace erhielt eines Tages Besuch von Eva Stratt (überzeugend als unterkühlte Strategin mit Überraschungsmoment: Sandra Hüller), der Leiterin des internationalen Hail-Mary-Projektes. Das Ziel ihrer Mission: die Verdunkelung der Sonne durch (fiktive) Organismen namens Astrophagen zu verhindern. Eben diese außerirdischen Lebensformen haben bereits von zahlreichen Sternen Energie absorbiert. Einzig Tau Ceti ist noch nicht infiziert - und daher womöglich der Schlüssel zur Rettung. Problematisch an Stratts Unternehmung: Aufgrund der Entfernung ist es ein One-Way-Ticket. Die direkt beteiligten Astronauten würden im All sterben.
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Gelungener Plot-Twist
Als letztes überlebendes Mitglied des Himmelfahrtskommandos ist Grace nach dem Aufwachen nun auf sich allein gestellt. Denkt er zumindest. Denn - in Abwandlung des berühmten Werbeslogans zu Ridley Scotts Science-Fiction-Klassiker "Alien" - hört dich im Weltraum manchmal doch jemand schreien. "Der Astronaut - Project Hail Mary" kommt irgendwann mit einer Wendung um die Ecke, die an dieser Stelle nicht verschwiegen werden kann. Ansonsten ließe sich kaum sinnvoll über den Film erzählen. Ohnehin enthüllt schon der offizielle Trailer besagten Twist.
Gerade als die Adaption mit ihrem Ein-Mann-allein-im-All-Szenario etwas zu versanden droht, begegnet der Protagonist einem Alien, das ebenfalls die durch die Astrophagen verursachte Gefahr bannen will. Grace tauft das lustig aussehende Lebewesen, eine Art Spinne aus Stein, auf den Namen Rocky und findet nach Startschwierigkeiten tatsächlich Mittel und Wege der Kommunikation.
Was "Der Astronaut - Project Hail Mary" so spannend macht: Epische Tragweite, immerhin geht es um die Zukunft der Menschheit, und intimes Kammerspiel finden hier effektiv zusammen. In den Rückblenden zu den Vorbereitungen der Mission tauchen die großen Fragen, Erklärungen und Zweifel auf. In der Annäherung zwischen Grace und Rocky hingegen entwickelt der Film eine ungeahnte emotionale Kraft: Wie gelangt man zu einer gemeinsamen Sprache? Wie wichtig ist es, vom Gegenüber zu lernen? Und was heißt es, wirklich zu vertrauen?
Humor statt Schwere
Ein wenig erinnert das an Denis Villeneuves Science-Fiction-Drama "Arrival" (2016), in dem Amy Adams als Linguistin Kontakt zu Außerirdischen aufnimmt. Von dessen ernstem Grundton unterscheidet sich die Andy-Weir-Verfilmung aber deutlich. "Der Astronaut - Project Hail Mary" arbeitet, ähnlich wie "Der Marsianer", mit Humor als einem Stilmittel in einer schier aussichtslosen Lage. In den Flashbacks entsteht Komik vor allem dadurch, dass der leicht kauzige, sich keineswegs als Held sehende Grace unverhofft mit einer Herkulesaufgabe konfrontiert wird. Saß er eben noch vor seinen Schülern, muss er plötzlich vor Koryphäen der Wissenschaft sprechen und soll ihnen sogar entscheidend unter die Arme greifen. Viele Lacher garantiert auch das Zusammenspiel zwischen dem ins All katapultierten Lehrer und seinem steinernen Freund. Gerade am Anfang ihrer Beziehung kommt es ständig zu amüsanten Missverständnissen.
Obwohl die Macher großes Augenmerk auf die kleinen Momente legen, schauen Fans spektakulärer Weltraumimpressionen nicht in die Röhre. Besonders in der zweiten Hälfte gibt es einige beeindruckende Bilder zu bestaunen. Der emotionale Kern der Geschichte bleibt dennoch stets im Blick. Einzig in der letzten halben Stunde gerät die Adaption etwas zu hektisch, was die Wucht mancher Drehbuchwendungen schmälert. Besonders ein Aspekt wird zu schnell abgehakt: nämlich die Frage, wie weit man für die Rettung der Menschheit, der Gemeinschaft gehen darf. Nichtsdestotrotz ist "Der Astronaut - Project Hail Mary" ein Film, den man in der aktuell so explosiven und verfahrenen Weltlage gut gebrauchen kann. Erzählt er doch davon, wie man sich auf Unbekanntes einlässt, miteinander ins Gespräch kommt und gemeinsam ein Problem anpackt.



