Sportclub Story - Vom Hakenkreuz zum Totenkopf - So. 10.05. - NDR: 23.55 Uhr

Der "alternative" Fußballclub St. Pauli und seine schwierige Vergangenheit

04.05.2026 von SWYRL/Eric Leimann

Die 45-minütige Doku "Sportclub Story - Vom Hakenkreuz zum Totenkopf - Der FC St. Pauli und seine Geschichte" zeigt die komplexe Auseinandersetzung des linken Hamburger Stadtteilclubs mit seiner nationalsozialistischen Vergangenheit - die bis ins Heute reicht.

Es ist eine andere Erzählung über den FC St. Pauli - über einen Verein, der heute als Symbol für Antifaschismus, Toleranz und gesellschaftliches Engagement gilt. Hinter dem Image des rebellischen Kiezklubs verbirgt sich jedoch eine vielschichtige Geschichte mit dunklen Kapiteln. Seit den 1980er-Jahren hat sich St. Pauli zu einem der bekanntesten Fußballvereine der Welt entwickelt. Nicht durch sportliche Erfolge, sondern durch seine unverwechselbare Fankultur und ein politisches Selbstverständnis, das weit über den Hamburger Kiez hinausstrahlt. Der 45 Minuten lange Film "Sportclub Story - Vom Hakenkreuz zum Totenkopf - Der FC St. Pauli und seine Geschichte" ist nicht nur in der ARD-Mediathek abrufbar und nun beim NDR im Dritten zu sehen, sie wird auch im linearen Programm des Ersten ausgestrahlt: am Montag, 18. Mai, 23.50 Uhr, unter dem Label "ARD History".

Die neue Dokumentation von Katrin Hafemann und Marie Theresa Lassere wagt den kritischen Blick in die Vergangenheit des Vereins - eine Arbeit, die vor allem das Museum des FC St. Pauli seit Jahren unbeirrt vorantreibt. Während der jüdische Spieler Selig Cahn 1942 mit einem der ersten Transporte nach Auschwitz deportiert und dort ermordet wird, erhält ein ehemaliger Funktionär mit belastender NS-Vergangenheit Jahrzehnte später die goldene Ehrennadel des Klubs. Erst 2010 wird sie ihm posthum aberkannt. Zwei Schicksale, ein Verein - und die Frage: Warum hat St. Pauli sein "braunes Erbe" so lange verdrängt?

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Stadionname mit NSDAP-Vergangenheit

Anfang der 1990er-Jahre erlebt Fan und Zeitzeuge Nazim Evren einen Wendepunkt: Ein türkischer Freund wird im Stadion zusammengeschlagen - ein rassistischer Angriff, während über den Rängen bereits die Totenkopf-Flagge weht. "Die Ausländerfeindlichkeit im Stadion war überraschend und schockierend", erinnert sich Evren. Darauf reagieren die Fans - sie stellen sich den Neonazis entgegen und verdrängen sie von den Tribünen. Eine Bewegung entsteht, die den Verein verändert. Bis Ende der 90er-Jahre trägt das Millerntor den Namen Wilhelm-Koch-Stadion. Als bekannt wird, dass Koch NSDAP-Mitglied war, regt sich Widerstand. Aktivist Ronny Galczynski fordert die Umbenennung - und stößt auf heftige Ablehnung: "Ich wurde persönlich angegangen: 'Leute wie Sie brauchen wir nicht im Verein'", erinnert er sich. Doch der Antrag wird zum Wendepunkt in der Aufarbeitung der Vereinsgeschichte.

Was ist der FC St. Pauli wirklich - und wofür steht er? Ein Fußballverein ist mehr als Sport; er stiftet Identität und trägt Verantwortung. In einer Zeit, in der Rechtsextremismus und Antisemitismus wieder sichtbarer werden, stellen die Filmemacherinnen unbequeme Fragen: Wie geht St. Pauli mit seinem braunen Erbe um? Und wie kann Erinnerung zur Haltung werden? "Wir müssen uns immer wieder vor Augen führen, wohin Faschismus und Rechtsextremismus führen", sagt Christopher Radke vom St. Pauli-Museum. "Gerade hier, wo Fußball politisch ist und Veränderung möglich bleibt."

Die NDR-Dokumentation folgt den Spuren der Geschichte - vom Stadion über Archive bis zu den Orten des Holocausts. Sie erzählt die tragische Biografie von Selig Cahn und zeichnet das facettenreiche Bild eines Vereins, der gelernt hat, seine Vergangenheit nicht zu verdrängen, sondern sie als Teil seiner Identität zu begreifen.

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