27.05.2026 von SWYRL/Elisa Eberle
Ob mit "54, 74, 90, 2006" beim Public Viewing oder mit "Ein Kompliment" auf der Wiesn: Die Songs der Sportfreunde Stiller sind auf vielen Partys vertreten. 2026 feiert die Indie-Pop-Band aus Germering 30-Jahre-Jubiläum. Eine Dokumentation im Ersten blickt nun auf ihre Anfänge, ihre Erfolge und ihre Krise zurück.
Auch wenn sie nie als reine Fußballband gesehen werden wollten, ist es doch vor allem ein Song der Sportfreunde Stiller, der den vor der Jahrtausendwende geborenen Menschen hierzulande in Erinnerung geblieben ist: "54, 74, 90, 2006" galt als die inoffizielle Fanhymne des Deutschen Sommermärchens. Ein netter Zufall eigentlich, dass das Jubiläum der Band aus Germering bei München ebenfalls in den Zeitraum einer Fußball-Weltmeisterschaft der Männer fällt. Am Freitag, 12. Juni, also einen Tag nach dem WM-Auftakt in Mexiko, erscheint das Album "Happy Birthday". Die Tour zu "30 wunderbaren Jahren" führt die Band den Sommer über quer durch Deutschland. Und in der ARD Mediathek ist seit Donnerstag, 28. Mai, die Dokumentation "Sportfreunde Stiller - Mit dem Herz in der Hand" abrufbar, die das Erste am Tag der Album-Veröffentlichung zu später Stunde zeigt.
Filmemacher Thorsten Berrar, der bereits das Drehbuch zu "Die VIVA-Story: Zu geil für diese Welt!" (abrufbar in der ARD Mediathek) verfasste, hat Sänger und Gitarrist Peter Brugger, Schlagzeuger und Keyboarder Florian "Flo" Weber und Bassist Rüdiger "Rüde" Linhof über ein Jahr lang begleitet: Die Kamera ist dabei, wenn die drei Musiker am Pool einer Villa in Spanien an neuen Songs tüfteln, aber auch wenn sie sich mit ihrem langjährigen Manager Marc Liebscher durch ein privates Archiv aus alten Zeitungsausschnitten und Interviews wühlen.
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Zwischen Selbstironie und Nostalgie
Die wirklich sehenswerten Passagen der 90-minütigen Dokumentation sind jedoch die vielen persönlichen Interviews mit den Bandmitgliedern und ihren Wegbegleitern sowie Archivaufnahmen aus den Anfangsjahren der Band, die ein kleines Stück popkulturelle Zeitgeschichte vermitteln und Fans wie neutrale Beobachter der Band in Erinnerungen an die "guten, alten Zeiten" der später 1990-er und frühen 2000-er Jahre schwelgen lassen.
Dabei ist es vor allem der leicht selbstironische Ton der Sportfreunde Stiller, der den besonderen Reiz ausmacht: Ein Jahr, so erinnert sich Rüde etwa, habe er sich 1996 Zeit genommen, um als Bassist eine Band zu finden. Dann habe er Peter und Flo als Vorband bei einem Konzert verfolgt: "Das war einfach total geil, so eine Band zu sehen: Der Gitarrist hat keine Solos gespielt, weil er es nicht spielen konnte. Er konnte auch nicht singen und spielen gleichzeitig."
Bemerkungen über die eigenwillige Stimme von Sänger Peter Brugger sind gewissermaßen der Running Gag dieses über weite Strecken sehr unterhaltsamen Films. Doch je näher die Chronologie dem größten Karriereboost der Sportfreunde Stiller kommt, umso ernster wird es: Kurz vor der Fußball-WM 2006 in Deutschland, so erinnert sich Flo Weber, sei ihm nachts auf der Couch die Idee zu "54, 74, 90, 2006" gekommen. Es folgten ein Auftritt im ZDF und auf der Fanmeile am Brandenburger Tor: "Von der Unterhose auf der Couch bis zu diesem Moment, diesen Weg zu gehen - unbeschreiblich", wundert sich Weber bis heute.
Hoch geflogen, gefallen und wieder aufgestanden
Der Erfolg trug die Gruppe noch eine ganze Weile: Im Mai 2009 nahmen sie als sechste Band überhaupt ein MTV Unplugged Konzert auf, 2014 ließen sich sogar die demnächst scheidenden Wiener "Tatort"-Kommissare Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) zu einem Auftritt in ihrem Musikvideo zu "Es muss was Wunderbares sein (von mir geliebt zu werden)" hinreißen. "Als die Anfrage kam", erinnert sich Harald Krassnitzer neben weiteren Prominenten in der Doku, "waren wir ehrlich gesagt ziemlich aus dem Häuschen. Wir haben uns sehr geehrt gefühlt, zweitens wir hatten Riesenspaß, drittens war das für mich wirklich eine nachhaltige Begegnung."
Doch Peter Brugger wurde es irgendwann zu viel. Er sehnte sich nach einer Pause, was die anderen beiden anfangs jedoch nicht verstanden. Die Pause dauerte letztlich fast sechs Jahre. Auch diese nicht gerade leichte Episode in der gemeinsamen Freundschaft wird im Film ausführlich behandelt, ebenso wie das langsame Wieder-einander-Annähern danach. "Ich hab einen großen Respekt vor den Leuten, die ihr Leben bestreiten ohne Band", sagt Bassist Rüde Linhof gegen Ende des 90-Minüters. Noch so ein Satz, der den Zuschauerinnen und Zuschauern wohl noch eine Weile in Erinnerung bleiben wird.
Wer noch tiefer in die Bandgeschichte der Sportfreunde Stiller eintauchen will, dem sei der Podcast "ARD Ikonen: Sportfreunde Stiller" in ARD Sounds empfohlen. In sechs rund 50-minütigen Episoden erzählen die drei Musiker ihre Erfolgsgeschichte im Gespräch mit Host Franziska Niesar nach.



