23.02.2026 von SWYRL/Franziska Wenzlick
"Big Tech von gestern ist Big KI heute", sagt die ehemalige EU-Abgeordnete Marietje Schaake in der ZDF-Dokumentation "Die gefährlichsten Firmen der Welt". Diese Entwicklung könnte jedoch verheerende Folgen haben, wie Schaake und zahlreiche weitere Experten befürchten.
Sie sind allgegenwärtig - und laut ZDF gleichzeitig die "gefährlichsten Firmen der Welt": In einer gleichnamigen Dokumentation des Senders warnen Expertinnen und Experten eindringlich vor der Macht von Google, Meta, Microsoft, Apple und Amazon. Dies gelte nicht zuletzt in Bezug auf Künstliche Intelligenz.
"Es gibt viel Hype darum, was KI für uns leisten wird", sagt die ehemalige EU-Abgeordnete und Digitalexpertin Marietje Schaake im Film. "Dass sie unser Leben effizienter macht, Krebs heilen und die Klimakrise lösen wird." Die Versprechungen der Unternehmen seien "außergewöhnlich", erklärt die Niederländerin.
Tatsächlich ist mithilfe von Künstlicher Intelligenz längst Erstaunliches möglich. "Ich kann anhand eines Gesichts nicht unterscheiden, ob jemand homosexuell oder heterosexuell ist", gibt etwa der US-amerikanische Psychologe und Datenforscher Michal Kosinski zu bedenken. Die KI hingegen konnte in Studien die Sexualität eines Menschen mit 91-prozentiger Genauigkeit anhand dessen Gesicht ermitteln. Dies berge ein enormes Missbrauchspotenzial, warnt Kosinski: "Wir leben derzeit in einem eher liberalen und toleranten Umfeld. Das kann sich jedoch ändern."
Abonniere doch jetzt unseren Newsletter.
"Das komplette Feld haben sich die Tech-Konzerne untereinander aufgeteilt"
Auch Maurice Stucke von der University of Tennessee hält entsprechende Technologien in den falschen Händen für gefährlich. "Das ist auch eines der beängstigenden Dinge an KI: Daten können für Zwecke verwendet werden, an die man nie gedacht hätte, und das kann dann zu einem Überwachungsstaat führen", erklärt der Jurist. In den Vereinigten Staaten etwa sei es "ziemlich beängstigend, dass die Polizei nun über diese Gesichtserkennungstechnologie verfügt, mit der sie Personen identifizieren kann - beispielsweise bei einer Protestkundgebung".
Auch ein fairer Wettbewerb sei in Bezug auf Künstliche Intelligenz kaum mehr möglich. "Big Tech von gestern ist Big KI heute", weiß Marietje Schaake. "Und sie werden die großen Quantenunternehmen und die großen Neurotechnologie-Unternrehmen von morgen sein." Dass Konzerne wie Meta, Google und Co. über "so viel Kapital, Talente, Daten, Mikrochips und Rechenleistung verfügen", versetze sie "in eine hervorragende Position, um weiterhin in die nächsten Innovationswellen zu investieren".
Medienwissenschaftler Martin Andree hält "die Vorstellung, dass da Innovatoren wirklich mitspielen können", gar für "vollkommen naiv". Mit Blick auf KI betont er: "Das komplette Feld haben sich die Tech-Konzerne untereinander aufgeteilt. Wettbewerb ist abgeschafft - wir können hier nicht mehr von offenen und zugänglichen Märkten sprechen."
Auch in Europa befinde man sich längst in einer "extremen Abhängigkeit", mahnt der Autor zudem. "Wir können ja schon gar nicht mehr ohne diese Tech-Monopole leben." Dazu komme seit einem Jahr ein weiteres Problem - und zwar, "dass wir eine skrupellose, erpresserische Trump-Regierung auf der anderen Seite des Ozeans haben, die solche Abhängigkeiten natürlich gnadenlos ausnutzt". Andree fordert: "Hier müssen wir sofort den Hebel umlegen."
Zu sehen gibt es die zweiteilige Dokumentation "Die gefährlichsten Firmen der Welt" im Streamingportal des ZDF.


