22.03.2026 von SWYRL/Stefanie Moissl
Schauspielerin Peri Baumeister weiß aus eigener Erfahrung um die zerstörerische Kraft von Hass im Netz. Genau das thematisiert ihr neuer Film "Eine bessere Welt". Darüber, wie sie ihre eigene Tochter schützt, spricht sie im Interview.
Beleidigungen, Drohungen, herabwürdigende Kommentare - auch Schauspielerin Peri Baumeister geriet schon einmal in einen Shitstorm. Ein einschneidendes Erlebnis, das verstört und den Opfern oftmals den Boden unter den Füßen wegzieht. "Die Psyche macht keinen Unterschied, ob Gewalt körperlich ist oder digital", sagt die 40-Jährige heute. Das ist auch die Botschaft des beklemmend-realistischen ZDF-Thrillers "Eine bessere Welt" (Montag, 23. März, 20.15 Uhr). Baumeister verkörpert die Wissenschaftlerin Elena, die bei einem Talkshow-Auftritt mit ihren Aussagen zum Umweltschutz polarisiert. Danach rollt eine gewaltige Hasswelle los, die ihre gesamte Existenz und die ihrer Familie unter sich zu begraben droht. Im Anschluss an den Film zeigt das ZDF eine Doku zur realen Bedrohung durch Hass im Netz und mögliche Lösungen. Peri Baumeister spricht im Interview darüber, wie sie heute mit einem Shitstorm umgehen würde, wie sie ihre Tochter schützen will und welche Rolle umweltbewusstes Verhalten in ihrem Leben spielt.
teleschau: Frau Baumeister, "Eine bessere Welt" thematisiert Hass im Netz und wie er Leben zerstören kann. Im Film heißt es: "Im Netz tobt ein Krieg." Stimmen Sie zu, dass Shitstorms oft in Krieg ausarten?
Peri Baumeister: Ja, und das ist eine der eindrücklichsten Erkenntnisse, die ich in der Vorbereitung auf den Film hatte: digitale Gewalt richtet dieselben Folgen an wie körperliche Gewalt. Das Ziel der Angreifer ist es, den anderen mundtot zu machen. Das Gegenüber zu zerstören. Die Psyche macht keinen Unterschied, ob Gewalt körperlich ist oder digital. Das ist genau das, was wir versucht haben, im Film fühlbar zu machen. Zum Glück gibt es großartige Hilfsorganisationen wie HateAid, die sich für Menschenrechte im digitalen Raum einsetzen.
Abonniere unseren Newsletter und wir versprechen, deine Mailadresse nur dafür zu verwenden.
"Wir müssen unsere Kinder besser schützen"
teleschau: Wird hierzulande noch zu wenig gegen dieses Problem getan? Sind andere Länder schon weiter?
Baumeister: Wir müssen unsere Kinder besser schützen, vor allem vor Cyber-Mobbing und Hate Speech. Australien ist mit seinem Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige ein guter Vorreiter. Frankreich zieht mit einem Social-Media-Verbot unter 15 nach. Das sind Schritte, an denen wir uns orientieren können. Auch die Schulen haben hier eine Verantwortung.
teleschau: Wo sehen Sie die Schulen bei dieser Aufgabe?
Baumeister: Ich glaube, dass es an Schulen noch immer zu wenig Raum für das Thema digitale Gewalt gibt. Digitale Ethik sollte in jeder Schule auf dem Lehrplan stehen, um unsere Kinder besser auf das Internet vorzubereiten. Darauf, was sie erwartet, wenn sie sich im Netz frei bewegen. Ich denke, es liegt noch viel Arbeit vor uns.
"Heute würde ich ganz anders auf einen Shitstorm reagieren"
teleschau: Haben Sie selbst Erfahrungen mit Hass im Netz?
Baumeister: Ja, auch ich habe bereits Erfahrung damit gemacht. Mein Handy war zu dieser Zeit kaputt, und ich konnte nicht den vollen Zugang zu Social Media nutzen. Der Hass traf mich also eher in Wellen, nicht geballt. So konnte ich genau das tun, was man im akuten Fall rät: Ruhe bewahren. Distanz gewinnen, so weit es möglich ist. In dem Moment, als ich wieder Zugang zu Social Media hatte, fiel es mir schwer, das Handy zur Seite zu legen, und ich musste ähnlich wie meine Filmfigur Elena immer wieder die Kommentare über mich lesen. Fakt ist aber: Wir haben alle ein Recht auf einen gewaltfreien Raum und Umgang, egal was wir für ein Geschlecht haben, woher wir kommen oder was wir sagen, oder auch wie wir aussehen oder uns kleiden. Heute würde ich ganz anders auf einen Shitstorm reagieren.
teleschau: Was würden Sie heute tun?
Baumeister: Ich würde alles dokumentieren, mich beraten lassen, Anzeige erstatten. Es gibt Wege, zu verhindern, dass sich die eigene Adresse von anderen herausfinden lässt. Man kann auch andere persönliche Informationen im Netz sperren lassen. Damals wusste ich leider noch nichts von Organisationen wie HateAid. Vor allem habe ich gelernt: Man muss mit so einer Situation nicht alleine umgehen. Man kann sich Hilfe holen. Solidarität ist wichtig. Das würde ich jedem raten.
"Bei uns gibt es klare Handy-Regeln"
teleschau: Wie lange hat es gedauert, bis es ruhiger wurde? Sowohl im Netz als auch in Ihnen drin?
Baumeister: Man ist für gewisse Zeit eine Zielscheibe. Und dann ist es jemand anders. Nach einer Woche etwa ebbte die Flut an Kommentaren ab. Körperlich habe ich das noch lange gespürt.
teleschau: Sie haben selbst eine Tochter. Wie schützen Sie Ihr Kind?
Baumeister: Meine Tochter ist mit mir einer Meinung und hat mir deutlich gesagt, dass sie nicht öffentlich sein will. Momentan findet sie Handys noch doof. Ich bin mir natürlich bewusst, dass ich ein Vorbild für sie bin. Bei uns gibt es klare Handy-Regeln. Dazu gehören Handy-freie Zeiten, auch zum Beispiel bei allen Mahlzeiten und nach der Schule.
"Ich möchte meinem Kind zeigen, wie viel man selber zum Umweltschutz beitragen kann"
teleschau: Auslöser der Welle der Empörung im Film ist ein Buch über Umweltschutz, in dem die Autorin - Ihre Figur Elena - fordert, dass jeder seinen Teil beitragen muss. Wie wichtig ist Umweltschutz in Ihrem Familienalltag?
Baumeister: Ich möchte meinem Kind zeigen, wie viel man selber zum Umweltschutz beitragen kann. Das fängt mit einem Bewusstsein für die Natur an. Auch das gehört zum Klimaschutz dazu.
teleschau: In Ihrer Kindheit und Jugend war das Thema Umweltschutz noch viel weniger präsent.
Baumeister: In dem Jahr, als ich geboren wurde, geschah die Reaktor-Katastrophe von Tschernobyl. Ich bin bei einer Mutter groß geworden, die schon sehr früh umweltbewusst war. Wir waren damals die einzigen in meinem Umfeld, die mehrere Mülleimer hatten, um zu trennen. Es wurde auch ganz bewusst eingekauft. Das alles gebe ich natürlich an meine Tochter weiter. Meine Tochter trennt inzwischen besser Müll als ich.
"Mein erster Berufswunsch war Busfahrerin"
teleschau: Sie wuchsen in einer Künstlerfamilie auf - Ihre Eltern waren Schauspieler, auch Ihre Halbschwester Muriel Baumeister ist Schauspielerin. War es nur konsequent, dass Sie ebenfalls diesen Weg einschlugen?
Baumeister: Geprägt hat mich das sicher. Meine Familie drängte mich aber weder in die eine noch in die andere Richtung. Die Schauspielerei ist mir einfach passiert. Mein erster Berufswunsch war Busfahrerin. Die Berliner Kudamm-Busse, Doppeldecker, haben mich immer fasziniert. Ich stelle es mir immer noch toll vor (lacht).
"Ich wollte nicht, dass mir jemand beim Spielen zusieht"
teleschau: Aber dann wurden Sie mit 14 sozusagen auf der Straße entdeckt. Wie erlebten Sie das damals?
Baumeister: Meine Mutter und ich waren in einem Café. Da kam Theaterregisseur Helmut Stauss zu uns an den Tisch und sagte, er suche gerade jemand für die Rolle der Louison (in Molières Komödie "Der eingebildete Kranke" /d. Red.). Er fragte mich, ob ich nicht vorsprechen wolle. Ich sagte zuerst nein, weil ich glaubte, ich sei viel zu aufgeregt für die Bühne. Dann wollte ich es aber doch zumindest ausprobieren. Wenig später stand ich regelmäßig auf der Theaterbühne, um Molière zu spielen. Ich merkte schnell: Spielen macht mich glücklich. Aber ich wollte nicht, dass mir jemand beim Spielen zusieht. So ist es bis heute. (lacht)
teleschau: 2011, noch während des Schauspielstudiums, spielten Sie Ihre erste Kinohauptrolle: in "Tabu - Es ist die Seele ein Fremdes auf Erden" an der Seite von Lars Eidinger. Dafür wurden Sie als beste Nachwuchsdarstellerin ausgezeichnet. Inzwischen haben Sie auch zwei Grimmepreise gewonnen. Was ist Ihrer Meinung nach hilfreicher für den Erfolg in Ihrem Beruf: Auszeichnungen oder gute Einschaltquoten?
Baumeister: Beides zahlt auf den "Marktwert" eines Schauspielers ein. Ich freue mich natürlich über beides. Aber ich persönlich finde, eine Auszeichnung ist einfach etwas Handfesteres und Schöneres als eine Zahl.



