Zwei Monate Recherche

"Als Frau ist man ein Mensch zweiter Klasse": So erging es RTL-Reporterin Liv von Boetticher in Afghanistan

21.08.2022 von SWYRL

Diese Recherche hatte es in sich: Für eine RTL-Reportage lebte und arbeitete Liv von Boetticher zwei Monate in Afghanistan. Wie es ihr ohne Zivilisation in Kabul erging und wie sich als Frau in dem Land fühlte, beschrieb die Journalistin nun in einem Interview.

Vor einem Jahr hatten die Taliban ihr großes Ziel erreicht: Mit dem Fall von Kabul erlangten sie die Kontrolle über Afghanistan zurück. Die US-Truppen und andere Allierte verließen das Land und überließen es samt seiner Bevölkerung den Vorstellungen der islamistischen Miliz. Was sich seither im Land verändert hat und wie sich derzeit der Alltag in Afghanistan gestaltet, wollte Liv von Boetticher herausfinden. Für die RTL-Reportage "60 Tage Frauenhass - Eine Reporterin bei den Taliban" (Dienstag, 23. August, 22.35 Uhr) verbrachte sie zwei Monate in Kabul.

"Es ist ein Kulturschock mit Ansage", blickte die Journalistin im Gespräch mit der Nachrichtenagentur teleschau auf ihre Ankunft in Kabul zurück. "Aber dann in einem Land zu sein, wo es überhaupt keine Kanalisation gibt, kann man sich hier überhaupt nicht vorstellen. In Kabul gibt es auch keine vernünftige Stromversorgung." Derlei Probleme seien "in Europa völlig unbekannt", stellte Liv von Boetticher klar.

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"Überrascht, wie friedlich und beruhigt die Lage vor Ort ist"

Gleiches gilt für ihren Alltag als Frau und Journalistin. "Als Frau ist man ein Mensch zweiter Klasse", beschrieb die Reporterin im Nachhinein ihre Gefühlswelt. Sie habe sich von den männlichen Gesprächspartnern nicht respektiert gefühlt. Generell habe sich ihr Leben in Afghanistan abseits von Fahren zu Dreharbeiten fast ausschließlich drinnen verbracht: "Wir konnten nicht einfach spazieren gehen und uns die Stadt bei einem Bummel anschauen."

Immerhin: In Angst musste die Journalistin nicht leben. "Tatsächlich habe ich in zwei Monaten nicht einmal einen Gewehrschuss gehört", erzählte von Boetticher. Einzig eine Autofahrt mit einem "lebensmüden" Fahrer habe sie an ihre Grenzen gebracht. Generell revidierte die RTL-Reporterin ihr Bild von Afghanistan: "Ich war total überrascht, wie friedlich und beruhigt die Lage vor Ort doch ist."

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