"Der Boandlkramer und die ewige Liebe" - Mi. 24.07. - ARD: 20.15 Uhr

Joseph Vilsmaiers letzter Film: Kurzweilige Unterhaltung mit Michael "Bully" Herbig

23.06.2024 von SWYRL/Julian Weinberger

Im letzten Film des Regisseurs Joseph Vilsmaier verliebt sich Michael "Bully" Herbig als Boandlkramer über beide Ohren. Dumm nur, dass die Angebetete des schrulligen Sensenmanns einen anderen heiraten will. Da hilft nur ein Deal mit dem Teufel. Jetzt zur Primetime erstmals im TV zu sehen.

Michael "Bully" Herbig hatte es schon 2008 insgeheim geahnt. Bevor damals Joseph Vilsmaiers erste Verfilmung der alten bayerischen Mundartgeschichte vom Brandner Kaspar und dem Boandlkramer - dem personifizierten Tod - in die Kinos kam und zum Zuschauererfolg mit über einer Million Besuchern avancierte, prognostizierte er halb ernst, halb im Scherz: "Der Film könnte der Auftakt zu einer Trilogie sein. Im zweiten Teil könnte sich der Boandlkramer beispielsweise verlieben." Zwölf Jahre später setzte Herbig diese Drehbuchidee gemeinsam mit der bayerischen Regielegende Vilsmaier in dessen letztem Film "Der Boandlkramer und die ewige Liebe" um. Corona-bedingt startete die Komödie statt im Kino im Mai 2021 bei Amazon Prime Video. Nun ist sie im Rahmen des ARD SommerKinos erstmals zur Primetime im TV zu sehen.

Wie der Titel schon verrät, ist es um den Boandlkramer (Herbig) geschehen. Eigentlich soll der Sensenmann den kleinen Maxl (wunderbar: Josef Staber) nach einem Unfall abholen und in den Himmel bringen. Doch als er in die verzweifelten Augen von dessen Mutter Gefi (Hannah Herzsprung) blickt, überkommt ihn, den personifizierten Tod, ein Gefühl, das er bis dato nicht kannte. "Da stimmt doch was net. Des bumpert ja grad so, als ob ich ein Herz hätt'. Und im Bauch auch. Da flattert's richtig drin", stellt der verdatterte und offenbar liebestrunkene Boandlkramer fest - und verschont den Jungen.

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Mit neuem Outfit vom Tod zum Frauenheld?

Es ist der Anfang eines veritablen Dilemmas: Zunächst muss der Boandlkramer den pedantischen Himmelspförtner (Rick Kavanian) täuschen, indem er an Maxls Stelle den Heiratsschwindler Max Gumberger (Sebastian Bezzel) in den Himmel schleust - dabei war der eigentlich für die Hölle vorgesehen. Dort bleibt die Unregelmäßigkeit nicht unbemerkt, und der Teufel (Hape Kerkeling) höchstselbst wickelt den Tod mit einem perfiden Plan um den Finger, der das göttliche Gleichgewicht bedroht. Und auch auf Erden läuft es für den Boandlkramer nicht optimal: Nach dem Handel mit dem Teufel ist er zwar für Gefi sichtbar, die will aber nichts von dem Sonderling wissen und plant stattdessen eine Heirat mit dem Bürgermeistersohn Toni (Florian Brückner).

Die zwei Humorgranden Herbig und Kerkeling, die erstmals gemeinsam vor der Kamera standen, dazu der verdiente Regisseur Joseph Vilsmaier und der in bayerischen Stoffen nicht minder erprobte Drehbuchautor Marcus H. Rosenmüller ("Wer früher stirbt, ist länger tot"): Vieles sprach im Vorfeld von "Der Boandlkramer und die ewige Liebe" für ein wahres Gagfeuerwerk. Entgegen allen Erwartungen ist die charmant erzählte, wenngleich recht simpel gestrickte Geschichte aber nicht überladen von Zoten und Slapstick.

Kurzweilige Unterhaltung liefert der 90-Minüter aber gerade deswegen ausreichend. Etwa wenn sich der unbeholfene Boandlkramer für Gefi seine weißen Haare schneidet und sich in einen viel zu kleinen Frack zwängt, um die alleinerziehende Mutter zu beeindrucken. Auch das Zusammenspiel zwischen Michael Herbig und Sebastian Bezzel, der als vergnügungssüchtiger Gigolo dem Boandlkramer als amouröser Berater dient, hält den ein oder anderen Lacher bereit.

Willkommen in der Glitzerhölle

Etwas überkandidelt kommt der von Hape Kerkeling gespielte Teufel daher. Seine Szenen im Stil eines 70er-Jahre-Fernsehmoderators in der Glitzer-Glamour-Hölle samt Modelleisenbahn wirken bisweilen wie Sketche und fügen sich eher schlecht als recht in den Handlungsfluss ein. Da helfen auch die Showtänzerinnen aus der Crew von Popstar Robbie Williams nichts, die Kerkeling für eine Musicaleinlage zur Seite springen.

Nichtsdestotrotz ist die Komödie ein würdiger Abschluss der Filmografie von Joseph Vilsmaier. "Ich denke, er wäre sehr glücklich darüber, dass es in seinem letzten Film um die Liebe, den Tod und um Bayern geht", urteilte Theresa Vilsmaier über das Abschlusswerk ihres Vaters, der am 11. Februar 2020 im Alter von 81 Jahren starb.

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