Fräulein Else - Sa. 02.05. - 3sat: 20.15 Uhr

Weibliche Selbstbestimmung vor über 100 Jahren

30.04.2026 von SWYRL/Tom Ruder

"Fräulein Else" erzählt von einer jungen Frau, die sich in einer existenziellen Ausnahmesituation wiederfindet. 3sat zeigt eine Aufführung des Volkstheaters Wien.

"Fräulein Else" - da fällt im Jahre 2026 zunächst die Anredeform auf. Für die Jüngeren sei also gesagt: Das Wort "Fräulein" wurde einst anstelle des Wortes "Frau" verwendet, wenn eine unverheiratete Frau angesprochen wurde. Das "Miss" im Englischen erfüllt eine ähnliche Funktion. Hierzulande indes ist das "Fräulein" längst abgeschafft. Am 16. Januar 1972 verschwand diese Anrede offiziell aus dem Amtsdeutsch, nachdem sie als "Verkleinerungsform" und Herabwürdigung empfunden wurde. Derlei Eingriffe in die deutsche Sprache sind demnach nicht neu. Übrigens: In der DDR wurde die Anrede "Fräulein" schon 1951 gestrichen.

Die Novelle "Fräulein Else" von Arthur Schnitzler erschien 1924. 3sat zeigt am Samstagabend zur besten Sendezeit eine aktuelle Aufführung des Stückes am Volkstheater Wien, die sich ganz auf die innere Bewegung der Figur konzentriert. Julia Riedler spielt die Hauptrolle, die Inszenierung übernahm Leonie Böhm.

Schnitzlers Erzählung umfasst einen einzigen Tag im Leben der jungen Else, die sich in einem italienischen Kurort aufhält. Durch einen inneren Monolog erlebt man ihre Gedanken unmittelbar mit: Else erhält einen Brief ihrer Mutter, in dem sie aufgefordert wird, den reichen Kunsthändler Dorsday um Geld zu bitten, um die finanziellen Probleme der Familie zu lösen. Dorsday willigt ein, stellt jedoch eine demütigende Bedingung.

Die Novelle gilt als bedeutendes Beispiel der literarischen Moderne und des inneren Monologs, der die psychische Zerrissenheit der Figur eindringlich darstellt. Sie thematisiert gesellschaftliche Zwänge, weibliche Selbstbestimmung und die moralische Doppelmoral im frühen 20. Jahrhundert. Eine erste Bühnenbearbeitung wurde einige Jahre nach der Veröffentlichung in den späten 1920er-Jahren uraufgeführt.

Am Samstag, 9. Mai, 20.15 Uhr, folgt bei 3sat "Mephisto", inszeniert von Jette Steckel für die Münchner Kammerspiele, am Samstag, 16. Mai, 20.15 Uhr, "Il Gattopardo" ("Der Leopard"), inszeniert von Pınar Karabulut für das Schauspielhaus Zürich.

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