27.04.2026 von SWYRL
Dirk Steffens kehrt ins Öffentlich-Rechtliche zurück und feiert seinen Einstand im Ersten. Im Interview zum Auftakt als neues Gesicht bei "Erlebnis Erde" findet der Naturjournalist deutliche Worte zu Katastrophenerzählungen und einer gefährlichen "False Balance" in den Medien.
Als einer der bekanntesten Naturjournalisten des Landes prägt Dirk Steffens das deutsche Fernsehen seit Jahrzehnten, Nach Jahren im ZDF und einem Ausflug ins Privatfernsehen kehrt er nun ins öffentlich-rechtliche TV zurück: In der ARD-Reihe "Erlebnis Erde" feiert er seinen Einstand im Ersten und blickt zum Auftakt auf 100 Jahre Kruger-Nationalpark (Montag, 27. April, 20.15 Uhr). Neben der Schönheit und Bedrohung unserer Erde treiben ihn aktuell noch andere Thema um - insbesondere der grassierende Pessimismus sowie der Zustand der Medien und deren Umgang mit der Wahrheit.
"Man darf nicht den Fehler machen, mit jedem Idioten zu reden", kritisierte Steffens in einem Interview mit der Nachrichtenagentur teleschau. "Wenn jemand sagt, die Erde sei eine Scheibe, dann hat der nichts in einer Talkshow zu suchen", zielt der Journalist auf falsch verstandene Neutralität und Objektivität: "Kein Mensch und keine Sendung ist objektiv. Schon die Auswahl der Nachrichten ist ein subjektiver Akt. Die Behauptung von Objektivität ist im Einzelfall widersinnig."
Steffens kritisiert im teleschau-Interview weiter: "Es gibt Menschen, die sachlich nichts beizutragen haben, sich aus Populismus oder Geld- und Machtgier aber mit kruden Thesen zu Wort melden." Präsentiere man diese dann gleichberechtigt in den Medien sei das "im naturwissenschaftlichen Bereich wirklich desaströs".
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"Die Wahrheit ist nicht eine von vielen Möglichkeiten"
Dieses Phänomen habe man laut Steffens besonders in der Corona-Krise und beim Thema Klimawandel beobachten können, als "Realitätsverleugner" plötzlich eine öffentliche Plattform erhalten hätten. Für den Wissenschaftsjournalisten war dies ein "journalistisches Grundversagen". Er mahnt in dem Interview an, dass Journalismus sich nicht einfach neutral in die Mitte flüchten dürfe, wenn es um gesicherte Erkenntnisse geht: "Die Wahrheit ist nicht eine von vielen Möglichkeiten. Sondern die Wahrheit ist die Wahrheit."
"Ein Pessimist ist ein wenig denkfaul"
Neben der journalistischen Sorgfaltspflicht liegt Steffens eine andere Art des Erzählens am Herzen. Er wolle weg vom reinen "Weltuntergangspessimismus", der die Menschen eher lähme als aktiviere. "Das menschliche Gehirn liebt den Skandal und das Problem mehr als die gute Nachricht oder die unspektakuläre Lösung." Zwar seien die Probleme - wie die Bedrohung unserer Lebensgrundlagen - gewaltig, doch die rein negative Berichterstattung entspreche nicht der vollen Realität: "Es gibt keinen Grund zu behaupten, wir hätten keine Chance. Das ist sachlich falsch. Aber der Eindruck entsteht, wenn wir nur betonen, was alles schiefläuft", betont der Journalist im Interview.
"Schreit man immer nur 'Weltuntergang', hilft das niemandem", so Steffens. "Ein Pessimist ist ein wenig denkfaul. Er analysiert das Problem, beschäftigt sich aber nicht mit den Lösungen." Steffens sieht es als seine Mission an, der frustrierenden Hälfte der Nachrichten eine motivierende Seite entgegenzusetzen. Er verweist auf Erfolge, wie die Tatsache, dass Deutschland mittlerweile rund 60 Prozent seines Stroms aus erneuerbaren Energien bezieht - eine Entwicklung, die vor 25 Jahren noch als utopisch galt.
Seiner Erfahrung nach sehnten sich die Menschen in Zeiten von Multikrisen nach handfesten Gründen für Optimismus: "Die Menschen dürsten nach positiven Nachrichten. Ein bisschen wie der Durstige in der Trockenzeit." Zwar hätten wir "große Probleme, und manche Probleme sind so groß, dass sie unsere Zivilisation auslöschen könnten. Das ist ein schrecklicher Satz, aber er ist die naturwissenschaftliche Wahrheit. Wie kommen wir da wieder raus? Pessimismus und Populismus helfen sicher nicht. Sondern lösungsorientierter, wissenschaftsbasierter Optimismus."



