"Barcelona for Beginners - Familie und andere Katastrophen" - Fr. 21.06. - ONE: 22.30 Uhr

Der zerbrechliche Traum von der perfekten, heilen Welt

17.06.2024 von SWYRL/Susanne Bald

Mehrere Helikopter-Eltern möchten in der preisgekrönten Dramedyserie "Barcelona for Beginners" bei der Erziehung ihrer Kinder unbedingt alles richtig machen. Doch sie kommen immer wieder an ihre Grenzen und müssen erkennen: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit liegen Welten.

Das internationale Serienfestival "Cannes Series" Anfang April stand ganz im Zeichen der Familie - und die ARD mischte kräftig mit: Nicht nur räumten "Die Zweiflers" gleich drei der neun Preise ab, darunter in der Königskategorie "Beste Serie". Darüber hinaus ging die Auszeichnung für die beste schauspielerische Leistung an Aina Clotet. Die Spanierin spielt in der von NDR, SWR und WDR koproduzierten Dramedyserie "Barcelona for Beginners - Familie und andere Katastrophen" die Hauptrolle der jungen Mutter Mariana. Und nicht nur das: Clotet ist auch Co-Autorin und -Regisseurin der Serie, zudem spielt ihr Ehemann Marcel Borràs Marianas Gatten Sam.

Am Freitag, 21., und Freitag, 28. Juni, sind jeweils vier Folgen des Achtteilers, der beim PRIX EUROPA 2023 als "Beste Fiktive Fernsehserie" prämiert wurde, im Abendprogramm bei ONE zu sehen. Die spanisch-deutsch-schwedisch-finnische Koproduktion ist zudem komplett in der Mediathek abrufbar.

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Eine heile Welt voller Widersprüche

Mariana und Sam möchten ihren Kindern Max und Lía die schöne Kindheit bescheren, die sie selbst nie hatten. Daher sind sie wie viele andere junge Familien gerade in Barcelonas naturnahes Stadtviertel Vallvidrera gezogen, um die Kleinen geschützt, in einer vermeintlich heilen Welt, großzuziehen. Dass hier allerdings schon einmal Wildschweine über die Mülltonnen herfallen und den Familienhund zerfleischen, ist nur einer der zahlreichen skurrilen Widersprüche in der Dramedyserie. Genau aus dieser Diskrepanz "zwischen dem Anspruch und der Wirklichkeit" entstehe deren Komik, bestätigt Aina Clotet dem NDR gegenüber.

Der überhöhte Anspruch vieler Menschen an sich selbst ist das zentrale Thema. Im Beruf, in der Partnerschaft, als Sohn oder Tochter, als Vater oder Mutter: Mariana, Sam und die anderen Helikopter-Eltern wollen alles richtig machen - besonders aber bei der Kindererziehung. Ihr großes Vorbild ist dabei Schweden. Doch: "This is not Sweden", so der Originaltitel der Serie, sondern Katalonien. Daher gründen die Eltern eine private Therapiegruppe mit dem Schwerpunkt "bedürfnisorientierte Erziehung". Nur: Kinder in Entscheidungen einzubeziehen oder sie bei Fehlverhalten nicht zu bestrafen, das ist in der Praxis gar nicht so leicht. "Mama und Papa kaufen dir keine Süßigkeiten, weil wir dich lieben, okay?" - Solche Argumente klingen für Kinder wenig überzeugend. Und wie soll man der fünfjährigen Lía bedürfnisorientiert erklären, dass es nicht ok ist, andere zu beißen und die eigene Mutter wüst zu beschimpfen?

Moderne Familien, moderne Probleme

Ein besonderer Schock ereilt die Eltern, als sich der Sohn ihrer - ausgerechnet schwedischen - Nachbarin Annika (Liv Mjönes) eines Abends vor ihren Augen aus dem Fenster stürzt. Besonders Mariana ist erschüttert, lange verdrängte Ängste kommen in ihr hoch. Ihre mühevoll errichtete heile Welt beginnt zu bröckeln - einschließlich der Ehe mit Sam, der mit seiner neuen Rolle als Hausmann hadert, seit Mariana wieder arbeiten geht. Nicht nur er ist plötzlich offen für Fremdflirts, sondern auch Mariana, die von dem charmanten Hotelier Olivier (Gaststar August Wittgenstein) umworben wird.

"Barcelona for Beginners - Familie und andere Katastrophen" erfindet sicherlich das Rad nicht neu, doch die intelligent geschriebene, toll besetzte Serie gliedert sich mit ihrem ausgewogenen Mix aus Tiefgründigkeit, Albernheit und Tempo nahtlos ein in eine ganze Reihe sehenswerter internationaler Produktionen. Die deutsche Serie "Andere Eltern" etwa, "Die Patchworkfamilie" aus Schweden, die britischen "Breeders" oder die kanadischen "Workin' Moms": Sie alle thematisieren Konflikte des modernen Familienlebens - und der Kindererziehung.

Schauspieler August Wittgenstein ist selbst zwar noch nicht Vater, mache sich aber bereits so seine Gedanken, wie er dem NDR verriet: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es dem Kindeswohl dient, wenn man zu ängstlich ist und sie ständig kontrolliert. Es scheint mir wichtig, da eine gewisse Balance zu finden, damit sich die Kinder frei entfalten können." Davon erzähle Aina Clotet in der Serie "auf eine sehr feingliedrige Weise und mit großem Gespür für Situationen, Szenen und Dialoge."

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