Olympia-Kolumne

Als die Bild-Regie Lindsey Vonns Drama ausschlachtet, wird ZDF-Mann deutlich: "Es reicht!"

08.02.2026 von SWYRL/Martina Borgschulze

Das Comeback der Drama-Queen wird zur Tragödie. Eine 22-Jährige holte die erste deutsche Medaille. Und Katrin Müller-Hohenstein hat Puls.

Das letzte Kapitel endet am Hubschrauber: Die gesamte Berichterstattung vor der Abfahrt der Damen drehte sich um Lindsey Vonn. Hält das Knie? Wer kommt zur Gold-Party? Ist sie überhaupt ernstlich verletzt, schließlich gilt die US-Amerikanerin vielen Menschen ja als "Drama-Queen".

Doch die meisten hätten der Ü40-Jährigen mit dem künstlichen Knie sicherlich eine Medaille gegönnt bei ihren letzten Spielen. Und dann ist nach 13 Sekunden alles vorbei: Die Speed-Queen bleibt an einem Tor hängen, überschlägt sich mehrmals. Bleibt liegen. Während sie oben auf der Piste vor Schmerzen schreit, ist es unten im Zielbereich totenstill.

Dabei war alles vorbereitet für die "Hollywood-Story", wie es ZDF-Experte Marco Büchel nennt. "Bestimmt sind ein paar Hollywood-Kameras da", glaubt er. So funktioniert ja ein gutes Sportlerdrama: Aufstieg, Erfolg, Tiefpunkt, Comeback, Happy End. Bei Vonn folgte auf das Comeback der nächste Tiefpunkt und das nächste Comeback. Doch diesmal vermutlich ohne Happy End. "I can't", hört man sie über die Außenmikrofone weinen. "Ich kann nicht." Das verheißt nichts Gutes.

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"Das mag man nicht sehen"

Die internationale Regie verharrt derweil auf dem Tiefpunkt, fasziniert davon, welche Bilder die zahlreichen Kameras liefern können: Man sieht Schneegestöber, sieht wie Vonn aufschlägt, wie es ihr Skier und Beine verdreht, wie sie liegenbleibt. Und wieder von vorn, aus einer anderen Perspektive. Und wieder von vorn. "Das mag man nicht sehen", sagt ZDF-Reporter Julius Hilfenhaus schließlich erschüttert. "Ich glaube, es reicht."

Und es gibt ja auch gute Nachrichten. Sofia Goggia, kurz nach ihrer Freundin Lindsey gestartet, holt Bronze - die Farbe fehlte ihr noch im Medaillensatz. Die US-Amerikanerin Breezy Johnson darf Freudentränen vergießen, weil sie Gold holt. Und es gibt die erste Medaille für Team D. "Kann die Emma heute einen runteraichern?", fragt Katrin Müller-Hohenstein vor dem Rennen. Sie kann. Doch dazu später.

Die Moderatorin jedenfalls ist lange vor dem Startschuss auf Betriebstemperatur: "Ich hab jetzt schon Puls!", bekennt KMH, nachdem Amelie Stiefvatter und Marco Büchel erste Eindrücke von der Tofana überbracht haben. Um sich ein bisschen zu beruhigen, spricht sie mit Özden Terli erstmal übers Wetter. Der Meteorologe erklärt mithilfe einer sehr großen Video-Wand (die gehört bekanntlich seit einiger Zeit in jedes Sportstudio), wie sich Luftteilchen bewegen und es deshalb schneit. "Das wird jetzt sehr physikalisch", entschuldigt er sich. "Aber bleiben Sie dran!"

Die besten zwei Minuten für Emma Aicher

Auch Skifahren hat viel mit Physik zu tun. Zum Beispiel, so erklärt Büchel, sind die Skier auf Schnee schneller als in der Luft. Vermutlich liegen da die vier Hundertstel, die Emma Aicher am Ende auf Gold fehlen, die 22-Jährige springt unterwegs nämlich 43 Meter weit. Dass sie überhaupt Silber holen konnte, wundert die deutsche Allrounderin selbst am meisten: "Über jeden Sprung hat's mich aufgerissen", sagt sie kurz nach ihrem Lauf. Und antwortet dann auf Amelie Stiefvatters Frage, wie es ihr vor dem Start ging: "Es gibt keine besseren zwei Minuten am Tag wie die zwei Minuten vorm Start. Es ist alles ruhig und still - und niemand stört mich."

Dies sei "der Spruch des Tages" findet Julius Hifenhaus. Die Geschichte des Tages endet indes ganz unten auf dem Tableau: "Lindsey Vonn: Did not finish." Aber wer weiß, ob die Comeback-Queen nicht doch noch ein Comeback schafft. 2030 steigen die Spiele in den französischen Alpen. Dann ist sie 45, und das ist ja bekanntlich das neue 25. Wir drücken jedenfalls die Daumen.

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