01.05.2026 von SWYRL/Franziska Wenzlick
Chance oder Gefahr? Klar ist: Künstliche Intelligenz wird den Arbeitsmarkt verändern. Eine neue Doku der ZDF-Reihe "Am Puls" geht der Frage auf den Grund, was das für den Einzelnen bedeutet.
"Muss ich bald zum Arbeitsamt?", fragt sich Florian Neuhann. Der ZDF-Wirtschaftsexperte untersucht in der "Am Puls"-Doku "Frisst die KI unsere Jobs?" die wohl radikalste Veränderung unserer Erwerbstätigkeit seit Beginn der Industrialisierung. Es handle sich um "eine Riesenwelle, die diesmal vor allem Menschen in Büros erfasst", erklärt der Korrespondent mit Blick auf die Künstliche Intelligenz. Auch er selbst könnte möglicherweise durch einen virtuellen Klon ersetzt werden - auch wenn dies beim Anblick des eher uncharismatischen KI-Doppelgängers, der im Zuge der Recherche erstellt wurde, eher abwegig erscheint.
"Ich fühle mich nicht besonders wohl mit deinem KI-generierten Avatar", sagt auch "heute journal"-Sprecher Christian Sievers nach einem "Gespräch" mit Neuhanns künstlichem Stellvertreter. "Man merkt: Es ist kein Mensch. Man spürt es. Und das Krasse ist: Man spürt es natürlich in der Konversation, am Umgang, am Atmen, an ganz vielen kleinen Dingen." Sievers findet: "Man merkt doch, wie toll wir Menschen sind."
Besser schlägt sich die Künstliche Intelligenz bei einem Experiment an der Universität Düsseldorf. Dort lässt der Juraprofessor Rupprecht Podszun Doktoranden gegen den KI-Assistenten von Google antreten. Als nach der 45-minütigen Prüfung klar wird, dass der Chatbot das beste Gutachten geliefert hat, herrscht kurz betretenes Schweigen. "Man steht halt irgendwie drauf als Jurist, dass man so eine souveräne, in sich geschlossene, runde Lösung kriegt", rechtfertigt Podszun schließlich das Urteil der Jury.
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"So wie es verwendet wird, ist es kein Werkzeug. Es ist ein Ersatz."
Es sei eine "krasse Erfahrung", stellt der Hochschullehrer fest. "Ein absoluter Weckruf. Es macht mich schon auch betroffen." Gleichzeitig beschwichtigt er: "Das sagt überhaupt nicht, dass Juristen überflüssig werden. Sondern das juristische Arbeiten verändert sich halt total." Sein Gegenüber scheint nicht überzeugt. "Jetzt mal ehrlich", fragt Florian Neuhann, "das wird doch auch einen Großteil von Einsteigerjobs überflüssig machen?" Der Jurist verneint dies nicht: "Das wird schon Auswirkungen haben auf das, was auf dem Arbeitsmarkt passiert."
Auch in Celle trifft Neuhann zwei Menschen, "die sich definitiv Sorgen machen". Bei dem Illustratoren-Ehepaar Anne Behl und Tobias Wieland handelt es sich um "große Gegner von KI", wie der Reporter seine Gesprächspartner vorstellt. Beide berichten von Kolleginnen und Kollegen, "die jetzt aufhören, weil sie merken, dass es schwieriger wird, an Jobs zu kommen".
Anne Behl erklärt: "Keine KI könnte irgendein Bild generieren, wenn die nicht trainiert worden wäre - unerlaubterweise - mit unseren Bildern." Dies sei "Diebstahl vom geistigen Eigentum", moniert die zweifache Mutter. "Und dann zu sehen, dass uns diese Jobs weggenommen werden von einer Sache, die uns die Bilder weggenommen hat - das tut halt einfach echt weh."
Auch ihr Mann hält es für "wirklich problematisch, was diese Technologien mit unserer Gesellschaft machen". So werde "ja immer behauptet", dass es sich bei der KI um ein reines Hilfstool handle. Der Illustrator klagt: "So wie es verwendet wird, ist es kein Werkzeug. Es ist ein Ersatz."
"Wenn du dich einem Tsunami entgegenstellst und Stopp rufst, wirst du nur nass"
In San Francisco sieht man das anders. "KI ist für uns so elementar wie Elektrizität oder Computerchips. Es sind lediglich Werkzeuge, Technologien", behauptet Astro Teller. Er ist "einer der Stars im Silicon Valley". Der Unternehmer rät: "Wenn du dich einem Tsunami entgegenstellst und Stopp rufst, wirst du nur nass. Hol dir ein Surfbrett, lerne zu surfen."
Mit wem Florian Neuhann in San Francisco auch spricht - sie alle sehen die KI als "Riesenchance". Der ZDF-Korrespondent resümiert: "Während wir noch im Tal diskutieren, sprinten sie in den USA auf den Gipfel."
Aufzuhalten scheint die KI-Welle ohnehin nicht mehr zu sein. Das bestätigt auch Berufsberater Matthias Naumann. "Junge Leute müssen sich darauf einstellen, dass der Zeitpunkt von Veränderungen immer kürzer wird und auch teilweise unvorhersagbar", prognostiziert er. Und auch bei älteren Arbeitnehmern zähle nun die Bereitschaft, "entweder Schritt zu halten oder sich umzuorientieren", betont Naumann. "Die große Gefahr", mahnt der Experte, "ist Stillstand."
Zu sehen gibt es "Am Puls mit Florian Neuhann: Frisst die KI unsere Jobs?" am Freitag, 1. Mai, um 19.20 Uhr, im ZDF. Im Streamingportal des Senders ist der Film bereits vorab zu sehen.



