26.01.2026 von SWYRL/Maximilian Haase
Der Chef verabschiedet sich: Nach über zehn Jahren verlässt Christoph Süß die beliebte Krimireihe "München Mord". Zuvor muss er in seinem letzten Fall mit dem Ermittlertrio noch den Tod eines Spitzenkochs aufklären. Dabei geht es um den harten Restaurantalltag, aber auch um die Unschuldsvermutung.
TV-Kochshows erfreuen sich großer Beliebtheit, und dank Erfolgsserien wie "The Bear" goutiert das Publikum auch fiktionale Einblicke in die Sterneküche. Kein Wunder also, dass der hiesige Krimi nachzieht, wie zuletzt der Wiener "Tatort: Messer" und nun die aktuelle Folge der ZDF-Reihe "München Mord". Ein toter Sternekoch sorgt in "Im Zweifel für den Zweifel" für aufregende Restaurant-Ermittlungen sowie lehr- und humorreiche juristische Exkurse. Neben dem ermordeten Gastro-Chef gibt es auch einen Chef, der "Servus" sagt: "München Mord"-Urgestein Christoph Süß verabschiedet sich im 22. Fall als Kriminaloberrat Zangel.
Nach über zehn Jahren verlässt der 58-Jährige die beliebte Krimireihe aus privaten Gründen. Nicht jedoch, ohne zuvor Neuhauser (Marcus Mittermeier), Flierl (Bernadette Heerwagen) und Schaller (Alexander Held), mit denen er seit 2014 von Beginn an ermittelte, noch einmal zu nerven. Er findet es unglaublich, wie das Trio den Mordfall an sich zog: Eine Privatbekanntschaft Neuhausers rief die Ermittler zur Kneipe, wo die Leiche von Maximilian Dobek (Manuel Cortez) gefunden wurde.
Wie man anfangs zu sehen bekommt, war der Chefkoch des Edelrestaurants Tanoshimi kurz zuvor von Inhaber Penkofer (Lukas Turtur) gefeuert worden. "Kaum ein Tag, an dem ich nicht einen Gast beruhigen muss", rügte ihn der Besitzer nach der Beschwerde über ein zähes Filet. Ließ die Kochkunst des Ermordeten nach? Wie angespannt war die Stimmung in der Küche? Ins Visier gerät vor allem Kollege Oliver Gerg (Shenja Lacher), der nun sein Nachfolger wird ...
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Ein Staatsanwalt mischt sich ein
Das Trio findet heraus, dass Gerg einst in einem anderen Restaurant Dobeks Vorgesetzter war, bis er wegen Totschlags zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt wurde. Hat er nun, kurz nach seiner Freilassung, den Konkurrenten auf dem Gewissen? Die Patissière (Pauline Fusban) und sein Ex-Freund (Adrian Topol) bestätigen das Alibi, und auch die gerechtigkeitsfixierten Kommissare pochen auf die Unschuldsvermutung.
Als wäre das nicht genug, entpuppt sich just jener Restaurantgast, der sich anfangs beschwert hatte und vom späteren Opfer dafür ein Veilchen verpasst bekam, als zuständiger Staatsanwalt Benedikt (grandios ambivalent: Thomas Loibl). Schon einmal brachte er Gerg hinter Gitter - und nun will er abermals harsch in die Ermittlungen eingreifen. "Bei dem Staatsanwalt frierts mich irgendwie", kommentiert Flierl.
"Das darf es doch gar nicht geben bei uns"
Vor der Kulisse eines verschneiten Münchens blicken Ermittler und Zuschauer in die raue Welt der Edelrestaurants, hinter deren Fassaden oft Machtkämpfe toben. Unter obligatorischen Wortwitzen ("zu viele Köche") gerät das Trio in den turbulenten Küchenalltag, hektische Kochszenen inklusive. Zudem erfährt man von den realen Problemen der Branche: "Nach der Pandemie ist es wirklich schwierig geworden, Köche zu finden. Viele haben den Beruf gewechselt."
Lehrreich, seltener belehrend, kommt das Drehbuch von Peter Kocyla auch bei den großen juristischen Fragen daher. "Gerechtigkeit - gibt's das überhaupt?", philosophiert Neuhauser, übertroffen nur vom kryptischen Schaller: "Manchmal wohnt die Gerechtigkeit in einem Zimmer, zu dem die Justiz keinen Schlüssel besitzt".
Die Binse, dass jeder bis zur Verurteilung als unschuldig gilt, seziert der nachdenklich stimmende Krimi auf mehreren Ebenen. Ebenso die Frage, was passiert, wenn jemand zu Unrecht verurteilt wird. Der Film orientiert sich am realen Fall des jahrelang unschuldig inhaftieren "Badewannenmörders" in Bayern. Auch Gerg beharrt auf seiner Unschuld, im aktuellen wie im zurückliegenden Fall, den das Trio zum Ärger des Staatsanwalts noch einmal aufrollt.
"Einmal Täter immer Täter" - dieser Satz fällt nicht nur einmal. Jeder habe eine zweite Chance verdient, glaubt Flierl an das Gute im System. Allein die Möglichkeit eines Fehlurteils macht sie fassungslos ("Das darf es doch gar nicht geben bei uns"). Die Fallhöhe zwischen Anspruch und Fehler der Justiz wird hier genüsslich ausgespielt.
"Mich geht das alles nichts mehr an"
Aufklärung, Gesellschaftskritik, Spannung und jede Menge Humor - zum Jahresauftakt fährt "München Mord" seine gesamte Bandbreite eindrücklich auf. Ein starkes Ensemble und herausragende Dialoge ("Rache ist was für Blöde") tragen den Krimi, hinzukommen hübsche "Haute Cuisine"-Aufnahmen im Kontrast zum allgegenwärtigen Restaurantstress. Auch wenn zwischen Edelküche, Justizskandalen und queerer Szene etwas viele Themenfässer geöffnet werden: Unter Regie von Anno Saul gerät der Krimi zum würdigen Abschied für Christoph Süß.
Auch wenn dessen "Servus" dann doch vergleichsweise unspektakulär und abrupt ausfällt. "Mich geht das alles nichts mehr an. Denn ich begebe mich auf neue Wege", lässt Süß seinen Zangel zum Schluss sagen. Eine Abschiedsfeier brauche er nicht, er habe die Ermittler weiter im Blick - "nur von weiter oben". Ein Wiedersehen mit dem "München Mord"-Trio und dem TV-Publikum ist so zumindest nicht gänzlich ausgeschlossen.



