10.05.2026 von SWYRL/Eric Leimann
Wer sind die Favoriten beim "Eurovision Song Contest 2026"? Und wie stehen die Chancen der deutschen Sängerin Sarah Engels? Wer sich die fünf am höchsten gewetteten Länder und ihre Titel anhört, kommt zur Überzeugung: Auch in diesem Jahr entscheiden Drama und große Showmomente über den Sieg.
Wien, Donaumetropole mit klassischer Opernpracht und modernem Partyflair, ist Austragungsort des 70. Eurovision Song Contest. Während alle Augen auf die angeblich "technisch aufwendigste Bühne der ESC‑Geschichte" gerichtet sind, tritt Deutschland mit der routinierten Popsängerin Sarah Engels und ihrem Song "Fire" auf - in der mittlerweile gewohnten Rolle des Außenseiters. Auch wenn die Sendeverantwortung im Ersten vom ewigen ESC-Sender NDR in den Südwesten zum SWR wanderte, bleibt der Ablauf des Abends vertraut: Um 20.15 Uhr begrüßt Barbara Schöneberger ESC-Experten und illustre Gäste aus dem Museumsquartier in Wien zum Vorglüh-Format "Eurovision Song Contest 2026 - Der Countdown".
Um 21 Uhr beginnt dann das Eurovisions-Geschehen mit den 25 Final-Acts auf der Bühne. Kommentieren wird zum dritten Mal nach dem altersbedingten Rückzug Peter Urbans 2023 Thorsten Schorn. Die Bühnenmoderation in der Wiener Stadthalle übernehmen das Ösi-Trio Michael Ostrowski, Victoria Swarovski und Emily Busvine. Fix dabei im Teilnehmerfeld des Finales sind Gastgeber Österreich sowie die sogenannten "Big Four"-Länder Frankreich, Großbritannien, Italien und Deutschland. Hinzukommen 20 weitere Länder, die sich über die beiden Halbfinale (je zehn Qualifikanten) ins Finale gespielt haben. Die beiden Halbfinals des ESC 2026 steigen am Dienstag, 12. Mai, und am Donnerstag, 14. Mai, jeweils um 21.00 Uhr, in der Wiener Stadthalle. In Deutschland kann man sie im Fernsehen beim Sender ONE oder als Live‑Stream in der ARD-Mediathek verfolgen.
Offiziell haben Spanien, Irland, die Niederlande und Slowenien ihre Teilnahme 2026 abgesagt. Hintergrund ist Israels Vorgehen im Gazastreifen. Die Sender dieser Länder begründen den Boykott damit, dass sie die Teilnahme Israels an einem Festival, das als "Wertevereinigung" verstanden wird, politisch nicht mittragen wollen. Die Europäische Rundfunkunion (EBU) hat Israel nicht ausgeschlossen, was die Boykottentscheidungen auslöste.
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Wer sind die Favoriten?
Deutschland zählt nicht zum Kreis der hoch gehandelten Titel. Doch wer könnte sich gemäß den stets gut informierten Wettanbietern diesmal die europäische Pop-Show-Act-Krone aufsetzen? In den internationalen Quoten liegt Finnland klar vorn: Das Duo aus Drama-Pop-Sänger Pete Parkkonen und Teufelsgeigerin Linda Lampenius gilt mit "Liekinheitin" vielen Buchmachern als klarer Favorit auf den Sieg - und das mit einem in finnischer Sprache gesungenen Song. Dahinter sehen die ESC-Auguren den Beitrag Frankreichs mit Sängerin Monroe: "Regarde!" ist ebenfalls mit Geigen und Opernklängen bestückt und bietet fast noch mehr Pathos als Finnland. Auch Dänemark wird mit dem jungen Sänger Søren Torpegaard Lund und seinem Titel "Før vi går hjem" auf die Landessprache setzen. Es ist wohl der beste Song im Favoritenfeld, doch auch hier stimmen Pomp-Arrangement und Drama-Inszenierung.
Auf Platz vier der Buchmacherwertung rangiert nach Stand von Ende April Australien mit der Singer-Songwriterin, Pianistin und Schauspielerin Delta Goodrem und ihrer klassischen Power-Pop-Ballade "Eclipse". Auf Platz fünf des Prognosen-Treppchens sei schließlich noch Griechenland erwähnt: Der durch TikTok bekannt gewordene Sänger Akylas mischt mit "Ferto" technoide Beats und Dance-Attitüde mit griechischen Folk Elementen. Deutschland dürfte laut Buchmacher-Ranking nur am Rande mitmischen. Manche Experten sehen jedoch erneut ein Feld, in dem Überraschungssieger und spektakuläre Bühnenmomente die Favoritenliste jederzeit durcheinanderwirbeln könnten.
Was ist in Wien besonders?
Auffällig ist die technische Dimension der diesjährigen Show. In Wien kommt erstmals eine Bühne zum Einsatz, die vollständig ohne klassische Leuchtmittel auskommt: LED‑ und Laserarchitekturen schaffen eine dreidimensionale Licht‑ und Videolandschaft, die über 8.500 individuell steuerbare LEDs und mehr als 2.100 LED‑ und Lasereinheiten vereint. Zusätzlich sorgen rund 80 High‑Speed‑Seilwinden für bewegte Lichtskulpturen, die das Wiener Stadthallen‑Innere in eine Art fliegende Lichtinstallation verwandeln - ein Debüt, mit dem die Österreicher signalisieren, dass der ESC 2026 nicht nur musikalisch, sondern auch visuell neue Maßstäbe setzen will.
Was hat es mit Sarah Engels "Fire" auf sich?
"Fire" wird als kraftvoller Empowerment-Pop beschrieben, eine Hymne über Befreiung, Selbstvertrauen und neue Stärke. Der Song ist wuchtig-modern produziert, tanzbar und zielt auf den typischen ESC-Pop-Sound ab. "Fire" ist ein Gemeinschaftswerk eines jungen Teams von Musikern und Produzenten. Die 33-jährige Kölnerin Sarah Engels war maßgeblich an der Entwicklung des Textes beteiligt, um ihre eigene Lebensgeschichte und persönliche Themen wie Empowerment und die Befreiung aus einer toxischen Beziehung einfließen zu lassen. Sarah Engels gewann den deutschen Vorentscheid namens "Das Deutsche Finale 2026". Die Auswahl erfolgte in einem zweistufigen Verfahren: Zunächst überzeugte der Song eine 20-köpfige internationale Jury, die das Teilnehmerfeld von neun auf drei Acts reduzierte. Im Anschluss entschied das Publikum per Abstimmung, wobei Engels die meisten Stimmen erhielt.
Engels ist eine der erfolgreichsten deutschen Entertainment-Persönlichkeiten, deren Karriere 2011 mit dem zweiten Platz bei Deutschland sucht den Superstar (DSDS) begann und sich in Formaten wie The Masked Singer" (Sieg 2020 als "Das Skelett") oder "Dancing on Ice" (Sieg 2019) fortsetzte. Ein großer Teil ihrer Bekanntheit rührt von ihrer früheren Beziehung mit Pietro Lombardi her, den sie im DSDS-Finale 2011 kennenlernte. Die beiden waren von 2013 bis 2019 verheiratet und ließen ihr gemeinsames Leben in mehreren Doku-Soaps abfilmen. Sarah Engels ist zweifache Mutter.



