28.01.2026 von SWYRL/Susanne Bald
Dänemarks Superstar Trine Dyrholm räumt als Ditte Jensen in ihrer neuen Nachbarschaft in Reykjavik auf. Ob Elektroschocker oder Waterboarding: Der Zweck heiligt für sie die Mittel. Dass "The Danish Woman" in der tiefschwarzen Miniserie so brutal agiert, hat natürlich einen ernsten Hintergrund ...
Sie verkörperte "Die Königin des Nordens", gewann für ihre Leistung in "Die Kommune" den Silbernen Bären und veredelte zahlreiche weitere Filme und Serien wie "Die Erbschaft" mit ihrem Spiel und Charisma: Trine Dyrholm, Dänemarks wohl bekannteste Schauspielerin ihrer Generation. Im isländischen Sechsteiler "The Danish Woman" legt die 53-Jährige als Titelheldin oder vielmehr -Antiheldin Ditte Jensen eine gnadenlose und beeindruckende One-Woman-Show hin. ARTE zeigt diesen und nächsten Donnerstagabend je drei Episoden am Stück sowie alle Folgen vorab in der Mediathek.
"Die aus Dänemark" nennen die Einheimischen ihre neue Nachbarin in der grauen Wohnsiedlung in Islands Hauptstadt Reykjavik. Sie verständigen sich hauptsächlich auf Englisch, obwohl Ditte Isländisch kann und die Kinder in der Schule Dänisch lernen - immerhin "wart ihr mal Teil des dänischen Königreichs", wie Ditte nicht müde wird, mit kolonialistischer Überheblichkeit zu betonen.
Freunde macht sich die Dänin jedenfalls erst mal keine, auch bei den Zusehenden nicht, bringt sie doch gleich zu Beginn die um ihr Gemüsebeet schleichende Katze der Nachbarskinder um die Ecke. Wenig später überreicht sie denselben Kindern selbst gezogene Möhren: "Die soll man essen, nicht wie die Katze drauf kac...n. Sonst kommt Ditte und frisst euch alle auf."
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Helfen, ob sie es wollen oder nicht
Dass das kein Scherz ist, wird schnell klar. Wie eine Mischung aus Rambo, Pippi Langstrumpf und Napoleon beschreibt Regisseur und Drehbuchautor Benedikt Erlingsson seine Hauptfigur. Sie mag in ihrer Wohnung Klangschale und Räucherstäbchen stehen haben, doch wenn sie Unrecht oder asoziales Verhalten sieht, greift sie zu wenig pazifistischen Mitteln, sei es der Vorschlaghammer oder der Elektroschocker. Oder sie waterboarded mal eben den renitenten Teenagersohn einer Nachbarin und traumatisiert ihn fürs Leben: die Erziehungsmaßnahmen einer ehemaligen Geheimagentin und Elitesoldatin, wie sich herausstellt. Und wie sich ebenfalls herausstellt, braucht der Staat Dänemark noch einmal ihre Hilfe ...
Helfen, das möchte Ditte, obendrein Krankenschwester, ja durchaus, allerdings nur ihren direkten Mitmenschen, ob die es wollen oder nicht. Der überforderten alleinerziehenden Gulla (Kristín Þóra Haraldsdóttir) ebenso wie der 15-jährigen Björk (Edda Guðnadóttir), die von ihrem älteren Freund erpresst wird, oder der von ihrem Mann misshandelten Ástrídur (Halla Vilhjálmsdóttir).
Dass Ditte dabei wie ein soziopathischer Racheengel dermaßen über das Ziel hinausschießt, hat auch mit ihren eigenen Traumata aus der Zeit als Scharfschützin in Afghanistan und Mitglied der Friedenstruppen in Bosnien zu tun. Sie hat Schreckliches gesehen - und getan. Mitleid oder gar Sympathie mit ihr zu empfinden dürfte so einigen dennoch schwerfallen.
Heiligt der Zweck wirklich die Mittel?
Natürlich hofft Regisseur Erlingsson, sein Publikum mit "The Danish Woman" zu unterhalten. Er möchte aber auch, dass es sich selbst erkennt in Ditte und ihrer "Mentalität eines Kriegers": "Denn wir leben in einer Kultur, die Machiavellis Gedanken akzeptiert: Der Zweck heiligt die Mittel." In gewisser Hinsicht gehe es darum, sich dem zu stellen, sagt Erlingsson. Und zu zeigen, wie verständnisvoll wir für einen Krieger sein können, "der tatsächlich unsere Gesellschaft ruiniert". Das sei nicht die Strategie, mit der man eine bessere Gesellschaft aufbaue. Wen er damit meint, dürfte jedem mehr als klar sein. Eine wichtige politische Botschaft in dieser unruhigen, bedrohlichen Zeit.



