Nachtschatten - Der Usedom-Krimi - Do. 19.05. - ARD: 20.15 Uhr

Wenn die Drogen-Party aus dem Ruder läuft

29.04.2022 von SWYRL/Wilfried Geldner

Die Strandparty einer Gruppe von Jugendlichen läuft in diesem Usedom-Krimi aus dem Ruder. Im Drogenrausch wurde ein Mädchen vergewaltigt - und dann gibt es in der Folge "Nachtschatten" (2020) auch noch einen Toten.

Auch im elften Usedom-Krimi, "Nachtschatten", den das Erste nun wiederholt, ist wieder viel los - die Strandparty einer Gruppe von Jugendlichen ist aus dem Ruder gelaufen. Es gibt einen Toten, eine junge Frau wird vergewaltigt. Selten hat es aber auch eine Serien-Ermittlerin so hart getroffen wie die Ex-Staatsanwältin Karin Lossow (Katrin Sass) in der horizontal erzählten Usedom-Krimireihe. Nach dem Totschlag an ihrem Mann aus dem Gefängnis entlassen, musste Lossow auch noch die Entführung und Ermordung der Tochter hinnehmen, ehemals Kommissarin in Heringsdorf. Ersatz fand sich in der dänisch stämmigen Kommissarin Ellen Norgaard (Rikke Lylloff), die mit statuarischer Strenge dem Heringsdorfer Kommissariat eine schöne Power gibt.

Ihrerseits auf Muttersuche befindlich, droht sie allerdings - schwanger geworden - bald in den Mutterschaftsurlaub zu entschwinden, während sich Karin Lossow von der feierwütigen Jugendbande aus München (!) gleich mal wieder den früheren Totschlag vorwerfen lassen muss. Ausgerechnet ihr Großneffe Ben, dessen Vater sich einst aus Usedom nach München versetzen ließ, soll jetzt einer der Hauptverdächtigen sein.

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War es Rache am Vergewaltiger?

Bei einer Strand- und Saunaorgie kam unter reichlich Drogenmissbrauch im Bungalow der Eltern ein 16-Jähriger zu Tode. Offensichtlich hatte ihn einer der Jugendlichen in der Sauna eingeschlossen. Zugleich kam es aber auch zur Vergewaltigung einer jungen Frau, wie Ellen Noorgard aus deren verstörtem Verhalten schließt. Hat sie sich an ihrem Vergewaltiger gerächt, oder war dieser selbst der Mörder des Toten, hatte er einen Zeugen ausschalten wollen?

Das Drehbuch (Dagmar Gabler) nimmt von Anfang an die Perspektive des Vergewaltigungsopfers ein. In Großaufnahme zeigt die Kamera das schöne und zugleich verstörte Gesicht von Felice (Lea Freund), die nun im Verlauf von Verhören und medizinischen Untersuchungen noch einmal zum Opfer wird. Wiederholte Flashbacks auf die Drogenparty streifen die Grenzen des Spekulativen. Es gibt psychologische Filmrisse, welche die Regie (Felix Herzogenrath) mit den Unschärfen einer Handkamera verdeutlicht. Zudem hat Ben (Merab Ninidze) ja auch noch den Ablauf des von ihm veranstalteten Abends mitgefilmt. Dass er sich selbst an nichts mehr erinnern kann, macht ihn besonders verdächtig.

Immer wenn der Film vom Leid des Opfers erzählt, von seiner ohnmächtigen Wut und Verstörtheit, wächst er über die üblichen Überlegungen und Kommandos der Ermittler hinaus. Der zweite Teil dieser Episode ist denn auch eine einzige Flucht. Felice will nur noch weg aus ihrer psychischen, von polizeilicher Seite gut gemeinten beschützenden Gefangenschaft. Andererseits wird auf der Täterseite Ben, der Polizistensohn aus München, von Emil Belton ("Unter dem Sand") in all seiner Verlorenheit gezeigt. Die Vorwürfe des verständnislosen Vaters gegen den mit dem Rücken zur Wand stehenden Sohn wachsen sich in diesem Krimi zu einem ganz eigenen Vater-Sohn-Drama aus.

Eher hilflos nehmen sich die weiteren Figuren aus: ein notgeiler alter Herr von Nebenan und ein polnische Dealer, der im Autokino Felice für teures Geld eine Waffe übergibt und ihr die Flucht verspricht. Von der schwimmenden "Waterkant"-Wochenendsiedlung aber war die Regie derart fasziniert, dass für die unwirtliche vorsaisonale Stimmung im März 2020 nur wenig Raum übrig blieb. Das dürfte eher am sicher stressigen Simultandreh mit gleich drei Folgen als an der damals gerade ausgebrochenen Corona-Krise gelegen haben.

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