"Maybrit Illner"

Journalist setzt bei Illner auf Dienstag als Tag X: "Wir warten nur darauf, dass man sagt: 'Geht auf die Straßen!'"

13.03.2026 von SWYRL/Doris Neubauer

In der "Maybrit Illner"-Runde zum Thema "Krieg im Iran - grenzenlose Bedrohung?" wurde deutlich, wie groß die Sorge vor geopolitischen Deals und einer Eskalation ist. Nur der Wunsch auf ein schnelles Kriegsende ist wohl noch größer. Ein deutsch-iranischer Journalist wagte gar eine Terminprognose, wann das Regime stürzt.

"Um den Grund dafür herauszufinden, braucht man einen Psychiater": Dass der frühere Sicherheitsberater von US-Präsident Donald Trump, John Bolton, heute gar nicht mehr gut auf seinen ehemaligen Arbeitgeber zu sprechen ist, ist nichts Neues. Auch im Interview mit Maybrit Illner, das die Moderatorin 15 Minuten vor der Sendung zum Thema "Krieg im Iran - grenzenlose Bedrohung?" aufgezeichnet hatte, ließ Bolton kein gutes Haar an den US-amerikanischen Angriff auf den Iran.

"Teil des Problems ist, dass nicht klar ist, was Trump tut", kritisierte er. Zudem hätte der Republikaner weder das amerikanische Volk noch den Kongress, seine internationalen Verbündeten oder die Opposition im Iran in seine Pläne eingeweiht oder gar darauf vorbereitet. Sorgen mache ihm aber darüber hinaus etwas anderes: Wenn Putin Trump in einem der vielen Telefonate den Deal vorschlagen würde, keine militärischen Informationen mehr an den Iran zu liefern, sofern dieser im Gegenzug die Unterstützung der Ukraine beende. "Dann stellen sich die Ohren von Trump auf", warnte Bolton davor, dass dieser den Deal womöglich akzeptieren und nachhaltigen Schaden verursachen könne.

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"Wir wollen atmen, wir wollen leben"

Es ist eine Sorge, die auch die Gästerunde im Studio teilte: "Das Druckpotenzial von der russischen Seite auf die Amerikaner ist nicht gewaltig, aber vorhanden", wusste Katrin Eigendorf, Internationale Sonderkorrespondentin des ZDF. Vor allem, wenn die Öl- und Gaspreise weiter steigen, erhöhe sich im aktuellen US-Wahljahr der innenpolitische Druck auf Trump, solche Deals einzugehen, fügte Wirtschaftswissenschafterin Stormy-Annika Mildner vom Aspen Institut Deutschland hinzu. Schon jetzt habe der Krieg starke wirtschaftliche Auswirkungen auf die USA, aber auch auf Europa - und damit auf die ohnehin bereits angeschlagene deutsche Wirtschaft.

"Ich habe nicht das Gefühl, dass die deutsche Bevölkerung deshalb auf die Straße geht", ortete Michel Abdollahi, deutsch-iranischer Journalist und Moderator große Unterstützung für Iranerinnen und Iraner: "Die nehmen das in Kauf." Überhaupt war er der Meinung, dass die militärischen Aktionen seitens der USA und Israels nicht planlos seien. Vielmehr sah er den "Aufbau einer Geschichte (...), dass man die iranische Bevölkerung auf den Tag X vorbereiten wolle." Dieser könnte näher sein als gedacht. Schließlich werde bereits am kommenden Dienstag das traditionelle Feuerfest (Anm.: Chaharshanbe Suri bzw. Tschaharschanbe Suri) gefeiert. "Das ist ein Tag, der im Iran immer zu Unruhen geführt hat. Es wird geböllert und die Jugend ist auf den Straßen. Es kann sein, dass, wenn die Menschen an diesem Tag auf die Straßen gehen, um auch ihre Wut rauszulassen, dort schon was passiert", meinte er. Zumal das Ende des Fastenmonats Ramadan in diesem Jahr in einer "sehr einmaligen Konstellation" fast auf den gleichen Tag wie das Neujahresfest nach iranischem Kalender falle.

Dass es in der Region so weitergehe wie bisher, schloss Michel Abdollahi aus: Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ließe das nicht zu, zudem seien aber auch der wirtschaftliche Druck sowie der Hass und die Wut auf das islamische Regime innerhalb des Irans zu groß: "Als Iranerinnen und Iraner warten wir nur darauf, dass man sagt: 'Geht auf die Straßen, damit wir von diesem System befreit werden'", betonte er. "Wir wollen atmen, wir wollen leben."

Nahost-Experte Hans-Jakob Schindler: "Die Straße von Hormus ist die Achillesferse der Iraner."

Für Armin Laschet (CDU), Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag wäre das ein "Traum": Würde das Regime im Iran gestürzt, werde sich der gesamte Nahe Osten neu ordnen, hofft er: "Alle wollen, dass der Krieg endet."

Ob vor allem Ersteres durch die aktuelle Strategie gelingt, bezweifelte Nahost- und Terrorismus-Experte Hans-Jakob Schindler. Derzeit wolle man den Regimewechsel durch Luftangriffe herbeiführen, damit ausreichend viele Menschen aus dem Sicherheitsapparat zur Seite der Opposition überlaufen. Das iranische Regime hätte im Gegenzug den Plan, die ökonomischen Kosten für die USA und die Welt so in die Höhe zu treiben, damit diese aus wirtschaftlichen Gründen den Krieg beenden. Soweit dürfe es seiner Meinung nach nicht kommen, denn: "Wenn das Regime überlebt, werden wir Chaos sehen."

Schon jetzt sind alle Augen auf die Straße von Hormus und damit das Nadelöhr für den Öltransport gerichtet. "So lange die Iraner noch Öl herausbekommen, der Rest aber nicht, ist es ein 100-prozentiges Druckmittel der iranischen Seite", brachte es Schindler auf den Punkt. Gleichzeitig sei die Straße von Hormus auch "die Achillesferse der Iraner", betonte der Nahost-Experte. Sollten auch die Iraner gehindert werden, "ist es eine Frage von Tagen, bis das Regime komplett pleite ist".

Abdollahi verorte deshalb schon jetzt "Risse" im System: "Der neue Revolutionsführer Modschtaba Chamenei ist seit zwölf Tagen nicht auffindbar. Der Staatsfunk ist getroffen. Mittlerweile werden auf offener Straße Basidsch-Milizen an ihren Checkpoints von Drohnen getroffen. Und wenn irgendwann kein Geld mehr fließt, werden die einfachen Basidsch-Milizen und die Revolutionsgarden nichts mehr zu essen haben."

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