20.03.2026 von SWYRL
Er benahm sich wahrlich nicht wie Everybody's Darling - und wurde doch zur Kultfigur für viele. Jetzt ist Chuck Norris im Alter von 86 Jahren gestorben. Nachruf auf einen Haudrauf-Film-Helden und ungekrönten Meme-König.
"Chuck Norris ist vor zehn Jahren gestorben. Der Tod hatte bis jetzt nur noch nicht den Mut, es ihm zu sagen." Mitunter ganz schön makaber sind die unzähligen "Chuck-Norris-Facts", die dem schweigsamen Actionhelden aus Oklahoma vor gut 20 Jahren eine überraschende Wiedergeburt im Internet bescherten. Man dürfte in den kommenden Tagen eine reiche Variation in den sozialen Netzwerken bestaunen können.
Denn Carlos Rey Norris Jr., wie der zum Kultstar avancierte Karatekämpfer mit bürgerlichem Namen heißt, ist im Alter von 86 Jahren im Kreise seiner Familie verstorben. Das teilten seine Angehörigen am Freitag bei Instagram mit. Laut Medienberichten war Norris zuvor wegen eines Notfalls in ein Krankenhaus im US-Bundesstaat Hawaii eingeliefert worden. Die Betroffenheit ist weltweit groß.
Dabei waren subtile, facettenreiche Charakterrollen wahrlich nie seine Stärke. Immer schon war Chuck Norris eher ein Mann fürs Grobe. Die gewalttätige Inkarnation von Recht und Ordnung. Die blutverschmierte Faust der Gerechten. Sein Durchbruch jedoch gelang ihm als Bösewicht. In "Die Todeskralle schlägt wieder zu" spielte er den kriminellen Widersacher von Martial-Arts-Legende Bruce Lee. Der legendäre Show-down der beiden Giganten im Kolosseum von Rom gehört bis heute zum Besten, was die Kinogeschichte an Kampfkunst zu bieten hat. Chuck Norris wurde zum Kinostar.
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Seine Kindheit beschrieb Chuck Norris als deprimierend
Die Rolle als wortkarge Kampfmaschine hat er seitdem nicht wieder abgelegt und auch nur geringfügig variiert. In zahllosen Filmen - darunter "Black Tiger" (1977), "Das stumme Ungeheuer" (1982), "Cusack - Der Schweigsame" (1985) sowie "Missing in Action" (1984) - verkörperte Norris bislang den beinharten Verteidiger von Gesetz und Moral. Viele davon erlangten über die Jahre Kultstatus.
Erstaunlich: Seine Kindheit beschrieb Chuck Norris als deprimierend. Er sei unsportlich, schüchtern und unbedeutend gewesen, sagte er einmal. Mitschüler hänselten ihn wegen seiner irisch-indianischen Abstammung - in diesen Jahren wurde womöglich seine Begeisterung für den Kampfsport geweckt. Als 18-Jähriger kam Norris zur US-Luftwaffe und wurde prompt nach Südkorea geschickt, wo er seinen Spitznamen "Chuck" erhielt und begann, die Kampfkunst Tang Soo Do zu trainieren.
Zurück in den Staaten trainierte und perfektionierte er eine Reihe weiterer Kampfstile, gewann zahlreiche Awards - auch die Titel "Kämpfer des Jahres" (1968) und "Mann des Jahres" (1977) - und eröffnete einige Kampfschulen. 1968 erkämpfte er sich seinen ersten Weltmeistertitel in Vollkontaktkarate.
Chuck Norris war Fan von Donald Trump
Was auch immer er anstellte, Chuck Norris beeindruckte dabei vor allem durch Ehrgeiz, Beharrlichkeit und Konstanz. Letztere legte er vor allem in der Rolle des Captain Ranger Cordell Walker, einem seiner prominentesten Parts, an den Tag. Den Protagonisten der preisgekrönten Dauerbrennerserie "Walker, Texas Ranger" spielte er über acht Staffeln und 198 Folgen lang. Dass Norris heute bei vielen als cooler Inbegriff des 80er-Jahre-Haudrauf-Helden durchgeht, hat er auch einem kleinen, aber feinen Auftritt in "Voll auf die Nüsse - Dodgeball" (2004) mit Ben Stiller und Vince Vaughn zu verdanken.
"Es gibt keine Evolutionstheorie - sondern nur eine Liste von Kreaturen, denen Chuck Norris erlaubt, zu leben." - Endlos ist jedenfalls die Liste mit sinnfreien Sprüchen über den Star, dessen ganz große Zeit als Schauspieler schon länger vorbei war. Schließlich steht Norris für das Ideal des nach Schweiß und Blut stinkenden Macho-Helden der 80er-Jahre. Umso erstaunlicher war deshalb der Internet-Hype, der ab 2005 dafür sorgte, dass der alternde Actiondarsteller wieder in aller Munde war.
Inzwischen ist der Zeitgeist ein anderer, gerade in den reaktionären Teilen der USA. Chuck Norris strotzte bis zuletzt vor Testosteron und gab sich jederzeit streitlustig. Als erzkonservativer Vertreter der christlichen Rechten - eine Gesinnung, die schon seinen Filmen nicht immer ganz fremd ist - stürzte er sich in den Kampf für Schusswaffen, die Republikanische Partei, Gott und christliche Werte.
Seine unmoralischen Widersacher: Homosexualität und Evolutionstheorie. Seine Waffen: das Wort und das eigene Image. In diesem Sinne antwortete der Kampfgreis auf einer Wahlkampfveranstaltung für den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mike Huckabee auf die Frage, wie er Amerikas Grenzen zu schützen gedenke: "Zwei Worte: Chuck Norris!" Da verwunderte es wenig, dass sich Chuck Norris zuletzt als Unterstützer Donald Trumps outete.
Vom US-Präsidenten war kurz nach der Todesnachricht noch keine Kondolenz zu vernehmen, wohl aber vor Norris' Familie. Bei Instagram schreibt sie: "Auch wenn unsere Herzen gebrochen sind, sind wir zutiefst dankbar für das Leben, das er gelebt hat, und für die unvergesslichen Momente, die wir mit ihm teilen durften."



