21.04.2026 von SWYRL/Stefan Weber
Vor zehn Jahren starb mit Prince einer der größten Musikstars aller Zeiten - für viele überraschend. Dabei hatte die Ikone schon zuvor gesundheitliche Probleme, wie sich nach seinem Tod herausstellte.
Nicht nur eine, nein gleich zwei Shows an einem Abend mutete er sich zu: Am 14. April 2016 spielte Prince im Fox Theatre in Atlanta zwei Konzerte im Rahmen seiner "Piano & A Microphone"-Tour. Die Shows waren reduziert inszeniert: Prince allein am Klavier, mit einem umfangreichen Repertoire aus eigenen Songs und Coverversionen. Und er entschuldigte sich an diesem Abend dafür, dass er die Konzerte um eine Woche hatte verschieben müssen: "Ich war ein bisschen angeschlagen", sagte er, wie damals "The Guardian" berichtete, "aber jetzt sind wir hier." Eine Woche später war Prince tot. Berichte aus seinem unmittelbaren Umfeld und behördliche Ermittlungen gaben später Einblick in die letzten Tage des Musikers - Tage, in denen nach außen kaum etwas auf (s)einen kritischen Zustand hindeutete.
Oder gab es Vorzeichen, die ignoriert wurden? Als die Shows in Atlanta verschoben werden mussten, hieß es offiziell, dass Prince eine Grippe habe. Ein Arzt bestätigte diese Diagnose, doch war es wirklich eine Grippe, oder sollte der Begriff verschleiern, dass Prince unter Entzugserscheinungen litt? Für einen Arzt könnten die Symptome mehr oder weniger gleich ausgesehen haben - Fieber, laufende Nase, Magenkrämpfe.
Als gesichert gilt inzwischen die Tatsache, dass Prince abhängig von Schmerzmitteln war, die er offenbar über Jahre hinweg eingenommen hatte. Hintergrund sollen chronische Hüftschmerzen gewesen sein. Laut "The New York Times" war er seit Jahren medikamentenabhängig. Seine langjährige Mitarbeiterin Sheila E. erklärte nach seinem Tod, er habe infolge jahrelangen Tanzens in High Heels unter Hüft- und Knieschmerzen gelitten. Prince selbst hatte - als gläubiger Zeuge Jehovas - medizinische Eingriffe aus religiösen Gründen abgelehnt. Nach außen blieb sein Gesundheitszustand weitgehend verborgen.
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Schon einige Tage vor seinem Tod erlitt Prince einen medizinischen Notfall
Als er am Sonntag, den 16. April, die Bühne in Atlanta betrat, war von all dem (fast) nicht zu merken. Die Veranstalterin Lucy Lawler-Freas erinnerte sich: "Als er ankam, ging es ihm nicht gut. Aber das hätte man ihm nicht angesehen. Er sagte nur, er fühle sich nicht hundertprozentig fit", sagte sie dem "Guardian". Die Konzerte selbst verliefen ohne sichtbare Einschränkungen. "Man hätte nicht gedacht, dass er krank war - die Shows waren phänomenal. Er hat alles gegeben."
Auffällig war jedoch sein Verhalten abseits der Bühne. Prince verzichtete auf die sonst üblichen After-Partys und verließ die Veranstaltungsorte unmittelbar nach seinen Auftritten. "Er war eine Stunde vor seinem Auftritt da und ging sofort danach wieder. Er wollte direkt zu seinem Flugzeug und nach Hause."
Auf dem Rückflug kam es zu einem medizinischen Notfall. Rund eine Stunde nach dem Start wurde der Pilot zu einer außerplanmäßigen Landung in Moline im US-Bundesstaat Illinois gezwungen. Nach der Landung wurde Prince bewusstlos aus dem Flugzeug getragen. Rettungskräfte verabreichten ihm eine Dosis Naloxon, ein Medikament zur Aufhebung von Opiatwirkungen. Innerhalb von 20 Minuten wurde er in ein Krankenhaus gebracht. Etwa zehn Stunden später verließ sein Privatjet Moline wieder in Richtung Minneapolis.
In den Tagen nach der Notlandung trat Prince wieder öffentlich auf. So wurde er unter anderem beim Fahrradfahren in Minneapolis gesehen, am 16. April kaufte er mehrere CDs in einem Plattenladen. Der Inhaber sagte später, dass er nicht gedacht hätte, "dass etwas nicht in Ordnung war." Am Abend desselben Tages veranstaltete Prince sogar eine Tanzparty in seinem Anwesen Paisley Park.
Trotz Berichten über seine Erkrankung trat er dort kurz auf. Ein Augenzeuge schilderte, Prince habe erklärt, es seien "ein paar verrückte Tage gewesen, aber er sei hier" und es gehe ihm gut. Zugleich sagte er zum Publikum: "Wartet bitte noch ein paar Tage, bevor ihr eure Gebete verschwendet". Zwei Tage später wurde er noch im Dakota Jazz Club gesehen, wo er regelmäßig Konzerte besuchte.
Ein Unfall - mit Vorgeschichte
Am 19. April verschlechterte sich sein Zustand offenbar. Medien berichteten, dass er von einem Arzt untersucht worden sei. Am selben Abend wurde er in einer Apotheke nahe Paisley Park gesehen. Am Tag darauf kontaktierte sein Management wegen eines "schweren medizinischen Notfalls" den auf Suchterkrankungen spezialisierten Arzt Howard Kornfeld. Da dieser verhindert war, reiste sein Sohn Andrew Kornfeld nach Minneapolis, um Prince am folgenden Tag zu sehen.
Am 21. April 2016 wurde Prince von seinem persönlichen Assistenten Kirk Johnson in einem Fahrstuhl seines Paisley-Park-Komplexes leblos aufgefunden, Kornfield alarmierte den Rettungsdienst. Doch alle Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos: Um 10:07 Uhr Ortszeit wurde der Tod von Prince festgestellt.
Die Obduktion ergab später eine Überdosis des Schmerzmittels Fentanyl als Todesursache, die Prince sich versehentlich selbst verabreicht hatte in der Annahme, ein anderes, sehr viel schwächeres Opioid einzunehmen. In seinem Anwesen wurden Tabletten gefunden, die als Hydrocodon deklariert waren, tatsächlich jedoch Fentanyl enthielten. Für dieses Medikament besaß er kein Rezept.
Die Ermittlungen zu seinem Tod wurden im April 2018 eingestellt: "Aller Wahrscheinlichkeit nach hatte Prince keine Ahnung, dass er eine gefälschte Tablette einnahm, die ihn töten könnte", hieß es damals in der Erklärung der Staatsanwaltschaft. Auch eine Klage der Angehörigen gegen die behandelnden Ärzte von damals wurde Ende 2019 von den US-Gerichten abgewiesen. Prince' Tod war ein Unfall - jedoch einer mit Vorgeschichte.



