11.05.2026 von SWYRL/Maximilian Haase
Immer wieder gibt es hierzulande heiße Debatten um finanzielle Stützen wie das Bürgergeld. Wer braucht die Hilfe des Staates? Wie oft wird sie ausgenutzt? Und was tut das Jobcenter? In ihrer aktuellen "Am Puls"-Reportage schaut sich Sarah Tacke das "System Bürgergeld" und seine Probleme näher an.
Gehen Menschen keiner Lohnarbeit nach, müssen sie in Deutschland traditionell mit dem Misstrauen der Gesellschaft rechnen. Immer wieder kochen dabei die Debatten um staatliche Unterstützung hoch, die zwar zu verschiedenen Zeiten unterschiedlich bezeichnet wurde, vom Arbeitslosengeld über Hartz IV bis zum noch bestehenden Bürgergeld aber oft ähnliche Probleme, Diskurse und Ressentiments mit sich brachte. So geht es auch in der aktuellen Diskussion vor allem um jene, die finanzielle Stütze beziehen, obwohl sie eigentlich geregelt arbeiten könnten. Wer benötigt die Hilfe wirklich - und wer nutzt sie nur aus? Derlei Fragen nähert sich Sarah Tacke in ihrer neuen "Am Puls"-Reportage, die unter dem vielsagenden Titel "System Bürgergeld: Leben ohne Leistung?" Jobcenter-Mitarbeiter und Leistungsempfänger begleitet, um strukturelle Mängel aufzudecken.
Der Film von Sarah Tacke und Maik Gizinski zeigt, wie viel Brisanz das Thema birgt - nicht zuletzt, weil über 50 Milliarden Euro an Bundeshaushaltsmitteln und damit Steuergeldern für das Bürgergeld veranschlagt werden. Geld, das eigentlich den zahlreichen wirklich Bedürftigen helfen soll. Doch wie viele der Millionen Bezieherinnen und Bezieher brauchen die Unterstützung eigentlich nicht und gelten vielen damit als Betrüger? Aufschluss geben Einblicke in die Arbeitsweise einer Institution, die vom einstigen Arbeitsamt zum heutigen Jobcenter wurde. Ein Mitarbeiter spricht im Interview offen über die Fehler des Systems: statt Arbeit vermittle man höchstens Maßnahmen zur Qualifizierung, manche Menschen würden das Bürgergeld als "Lebensalternative" betrachten.
Abonniere doch jetzt unseren Newsletter.
Ein Mann nimmt "den Staat seit 40 Jahren" aus
Wie das in der Realität aussieht, zeigt der Film auch: In Berlin begleitet Sarah Tacke Angestellte des Jobcenters bei der Arbeit mit ihren "Klienten" und "Kunden", wie es heute heißt, die auch mal zu Hause besucht werden. Zu Wort kommen die Bürgergeldempfänger auch, darunter auch ein Bezieher, der nebenbei schwarz Geld verdient: Im Interview mit Sarah Tacke gesteht der Mann, er könne theoretisch normal arbeiten, aber nehme "den Staat seit 40 Jahren" aus.
Können strengere Sanktionen derlei Betrugsversuche unterbinden? Im thüringischen Nordhausen begleitet die Kamera Arbeitslose, die notfalls zur Arbeit gezwungen werden können; eine Maßnahme, die das Ordnungsamt durchsetzt. Kann das nützen, zumal in einem Land, das auf eine unrühmliche Geschichte des Zwangs zur Arbeit blickt? Und was passiert eigentlich gesellschaftlich, wenn die Stütze radikal gekürzt wird? Ein Blick nach Italien ist dahingehend aufschlussreich.



