Im Interview zum ZDF-Krimi "Danowski - Neunauge"

Milan Peschel: "Der Kapitalismus wird uns noch schwer auf die Füße fallen"

11.05.2026 von SWYRL

Milan Peschel hält nichts von Selbstoptimierung. Auch im allgemeine Streben nach Wachstum sieht der Schauspieler eher eine Gefahr, wie er im Interview zu seinem neuen ZDF-Krimi "Danowski - Neunauge" erklärt.

Der Wirtschaft geht es schlecht. Der Ruf nach mehr Wachstum ist allgegenwärtig. Einer, der bei diesem Thema etwas anderer Meinung ist, ist Milan Peschel: "Eine Gesellschaft, die auf Wachstum beruht in einer Welt aus begrenzten Ressourcen - das ist klar zum Scheitern verurteilt", warnt der Schauspieler im Interview mit der Nachrichtenagentur teleschau. Das wisse man eigentlich bereits seit 50 Jahren: "Ich fürchte, der Kapitalismus wird uns noch schwer auf die Füße fallen." Die Hoffnung aufgeben will der 58-Jährige aber nicht, wie er in dem Interview betont: "Wenn es in 400 Jahren noch Menschen gibt, werden sie sicher eine andere Form des Zusammenlebens gefunden haben", ist er sich sicher: "Dabei werden sie sich bestimmt darüber amüsieren, wie abhängig wir damals von Handys waren."

Die sozialen Medien haben für den zweifachen Vater ohnehin nichts "Soziales": "Sie haben oft sogar etwas extrem Vergiftendes", klagt er. Unter anderem stört ihn der Hang zur Selbstkontrolle: "Es geht oft nur noch um Äußerlichkeiten. Und darum, wie man auf andere wirkt." Er selbst sei jedoch "kein Freund von Selbstoptimierung. Denn Selbstoptimierung ist eine Art von Kontrolle, zu der wir aufgefordert werden." Lachen sei "eine Form von Widerstand" dagegen, denn: "Lachen befreit. Lachen lässt die Gesichtszüge entgleisen. Und dadurch ist man auch nicht mehr so leicht kontrollierbar."

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"Um etwas zu verändern, muss man kurzfristig ein Pessimist sein"

Wem die Wahrnehmung des eigenen Glücks gerade schwerfällt, dem empfiehlt Peschel, der nicht nur Schauspieler, sondern auch Maler und Theater-Regisseur ist, einen Perspektivwechsel: "Wenn ich vom All aus auf die Erde blicken würde, wäre ich entsetzt: 'Unglaublich! Die Menschen da unten haben diesen wunderschönen Planeten und zerstören ihn!", erklärt er im teleschau-Interview: "Wenn ich dagegen aus der Perspektive eines Straßenkindes in Kolumbien auf unser mitteleuropäisches behütetes Leben blicke, erhalte ich vermutlich ein ganz anderes Bild." Beide Bilder träfen aber zu.

Was die Zukunft der Welt anbelangt, so ist Peschel sowohl pessimistisch als auch optimistisch: "Um etwas zu verändern, muss man kurzfristig ein Pessimist sein", meint er: "Sonst fängt man gar nicht damit an." Langfristig sei Optimismus allerdings die einzige Lösung: "Denn ohne Optimismus kann man nicht daran glauben, dass eine Veränderung möglich ist."

Das Interview fand anlässlich der Erstausstrahlung des Krimis "Danowski - Neunauge" am Montag, 11. Mai, um 20.15 Uhr, im ZDF statt. Basierend auf einem Roman aus der Krimireihe von Till Raether verkörpert Peschel darin den schrulligen Ermittler Adam Danowski, der den Mord an zwei mumifizierten Männerleichen aus einem Schulkeller aufklären muss.

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