"Bares für Rares"
"Ich bin begeistert. So was hatte ich noch nie - und ich wette die Kollegen auch nicht", Wendela Horz war mehr als begeistert, als sie das kleine Objekt Horst Lichter zeigte. "Kennst du das?", fragte sie den Moderator, doch der tippte falsch auf einen Teesieb. "Es bleibt spannend", lachte Horz und wollte die wahre Funktion noch nicht verraten.
© ZDF"Bares für Rares"
Denn das Silberobjekt von 1798 sorgte in der Montagsausgabe von "Bares für Rares" für großes Rätselraten. Weder Händler noch Moderator erkannten auf Anhieb, worum es sich handelte. Doch als die Expertin die wahre Funktion enthüllte, schlug die Stimmung um und Horst Lichter war "sehr erschüttert" von den gesellschaftlichen Normen früherer Jahrhunderte.
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Als Bert und Alex aus Arnheim in der Niederlande dazu kamen, wurde Lichter ganz hibbelig. Denn auch die beiden Verkäufer wussten schon längst, um was es sich bei ihrem mysteriösen Objekt aus einem Londoner Auktionshaus eigentlich handelte. "Haltet mich nicht so lange für dumm", winselte Lichter und Horz hatte endlich Erbarmen mit ihm.
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"Das ist ein Stillhütchen aus Silber", erklärte Expertin Horz. Doch in der Entstehungszeit des Hütchens wurde es nicht, wie man annehmen konnte von der Mutter genutzt, sondern von einer Amme, so Horz. Die Punzen im Sterlingsilber verrieten zudem Herkunft und Alter. 1798 hatte der Silberschmied Charles Watts aus London das Hütchen gefertigt.
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"Wow", raunte Lichter über das erstaunliche Alter. Doch die Expertin hatte noch mehr zu erzählen: "Das war der absolute Luxus damals, den sich nur sehr wohlhabende, adlige Damen leisten konnten. Doch genau diese Frauen durften damals nicht stillen, denn das galt als unfein und unpassend." Lichter verzog das Gesicht und fragte ungläubig: "Was?"
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Doch Horz nickte: Kinder von wohlhabenden Müttern wurden früher von Ammen gestillt und "als sogenanntes Windelpaket sogar oft aufs Land geschickt", erläuterte die Expertin "die interessante Zeit, aus der wir Gott sei Dank viel gelernt haben". Ammen mussten manchmal mehrere Kinder versorgen und so sollte das Hütchen bei wunden Brustwarzen helfen.
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Andere Quellen berichteten auch, dass Stillhütchen deshalb eingesetzt wurden, um den direkten Kontakt zwischen "dem eigenen Kind und einer fremden Frau" zu verhindern. Zudem galt Silber als reinigend. Lichter fand die Geschichte unfassbar und schnaufte: "Gott hat einen verdammt großen Zoo auf die Welt geschickt." Die Runde am Pult stimmte zu.
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Horz erzählte weiter, dass auch heute Hebammen noch Stillhütchen empfohlen. Doch das kühle Silber sollte nur noch zwischen dem Stillen helfen und beruhigend auf der Haut wirken. Der Wunschpreis für das Kuriosum liegt jedenfalls bei 200 Euro. Und Horz wusste, dass diese seltenen Objekte vor allem in England gesucht und teuer bezahlt werden.
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Die Expertin taxierte 150 bis 200 Euro und Lichter fasste zusammen: "Ich habe wieder viel gelernt und bin sehr erschüttert über uns Menschen." Nachdem er die Händlerkarte übergeben hatte, fragte er nachdenklich: "Ich bin gespannt, wer das kauft." Doch wer im Händlerraum wusste überhaupt, um was es sich bei dem Hütchen eigentlich handelte?
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Genau diese Frage stellte Fabian Kahl: "Was ist denn das?" In der Schachtel suchte er nach einem zweiten Hütchen, um auf Kastagnetten zu tippen. Doch so war es vielleicht "ein Teesieb?". Danach erklärte der Verkäufer die wahre Funktion. "Da wäre ich nie drauf gekommen", gab Kahl zu und dachte: "Sowas hatten wir wirklich noch nie hier."
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Alle boten mit. Außer Kahl: "Mir fehlt der Zugang." Am Ende sicherte sich Anaisio Guedes den "Conversation Starter" für 160 Euro. Er hatte bereits eine Idee, was er damit anfangen könnte, wusste aber nicht "ob es realisierbar ist". Bei den übrigen Händlern setzte sofort das Kopfkino ein und Julian Schmitz-Avila wünschte augenzwinkernd "viel Spaß".
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Als weitere Objekte der Sendung wurde ein Schreibtisch (wohl von dem französischen Designer Marc Berthier) und Stuhl von C&B Italia von Detlev Kümmel in den frühen 1970er Jahren datiert. Gewünscht wurden 300 Euro, taxiert 400 bis 500 Euro, doch nicht mehr als 150 Euro von Fabian Kahl geboten. Dafür wollte der Verkäufer nicht verkaufen.
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Wendela Horz datierte ein 750er-Goldcollier aus Schlesien um 1840. Für die Handarbeit wünschte sich die Verkäuferin 1.000 Euro. Der Goldwert lag schon bei 1.450 Euro und der Expertisenpreis bei 1.800 bis 2.000 Euro. Doch Liza Kielon zahlte nur 1.150 Euro, denn "Stücke aus dieser Zeit lassen sich nicht so gut verkaufen".
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Colmar Schulte-Goltz datierte einen Majolika-Übertopf auf 1900 bis 1910. Für das Jugendstil-Objekt aus der Eichwald Manufaktur in Böhmen wünschten sich die Verkäufer 100 Euro. Der Experte schätzte "das schöne Stück" noch auf 120 bis 150 Euro. Julian Schmitz-Avila zahlte 100 Euro.
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Pädagogisches Spielzeug aus Rupfen und Leder von Designerin Renate Müller stammte im Entwurf von 1968. Das Kegelspiel aus der Sendung datierte Detlev Kümmel in den frühen 1960er Jahren. Gewünscht wurden 400 bis 500 Euro, Kümmel schätzte 1.600 bis 1.800 Euro und Julian Schmitz-Avila zahlte letztlich 600 Euro.
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