Spiele-Rendering

Fotorealismus oder AI-Slop? Nvidias Gaming-Grafik-Revolution stößt auf geteilte Meinungen

17.03.2026 von SWYRL/Michael Eichhammer

Seit Jahrzehnten verspricht die Spielebranche "fotorealistische Grafik". Bisher wenig überzeugend, auch wenn die kleinen Fortschritte messbar sind. Einen revolutionär großen Schritt will Nvida mit Neural Rendering machen. Nicht jeder ist überzeugt.

Nvidia-CEO Jensen Huang sprach vollmundig von nicht weniger als der "Neuerfindung der Spielegrafik", als er bei der firmeneigenen Konferenz Nvidia GTC eine neue Technik vorstellte. Angesichts des beispiellosen Erfolges des Unternehmens als Hardware-Lieferant für den KI-Boom war es wenig verwunderlich, dass auch bei Nvidias Gaming-Vision KI eine tragende Rolle spielen soll.

DLSS 5 lautet das Kürzel der vorgestellten Technik. Das Akronym steht für "Deep Learning Super Sampling". Das KI-Modell soll dem alten Branchen-Traum von der fotorealistischen Grafik näher denn je kommen. Ermöglicht wird dies, indem Farben und Bewegungsvektoren zu einem optischen Upgrade zusammengeführt werden. Neu ist die Idee nicht, wie der Beiname "5" veranschaulicht. Allerdings soll die jüngste Generation des KI-Modells tiefer denn je in die Spiele selbst integriert werden - und diese dadurch in neue Detail-Sphären katapultieren. Ein paar Spiele dienten als Anschauungsmaterial ...

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Resident Evil Requiem noch realistischer - muss das sein?

Das Besondere: DLSS 5 setzt die KI-unterstützten Bilder in Echtzeit auf dem Bildschirm um. Nvidia trainierte das KI-Modell darauf, Spielfiguren sowie deren Haare und Haut oder diverse Stoffe getrennt voneinander zu erkennen und zu analysieren, um realistische Lichtverhältnisse zu simulieren. Das Modell scannt hierzu die Frames des Spiels im Detail. Das Ergebnis sieht - zumindest bei den gezeigten Beispiel-Games - teils verblüffend realistisch aus, teils erinnert es an typisches KI-generiertes Videomaterial.

Zu sehen waren unter anderem Szenen aus Capcoms neuen Survival-Horror-Blockbuster "Resident Evil Requiem", Ubisofts "Assassin's Creed Shadows", Bethesdas Weltraum-Epos "Starfield" oder aus dem "Harry Potter"-Abenteuer "Hogwarts Legacy". Nividia will mit dem Mix aus neuen und in die Jahre gekommenen Titeln demonstrieren, dass sich die Technik auch auf bereits erschienene Games anweden lässt. Entwickler, die DLSS 5 nutzen wollen, bekommen von Nvidia Werkzeuge bereitgestellt, mit denen der KI-Output feinjustiert werden kann.

Diverse KI-Verbesserungen lassen sich getrennt voneinander zu- oder abschalten, um die gewünschte Optik zu erreichen. Auch Aspekte wie Color Grading sind justierbar. Zu den Publishern und Studios, die sich dazu bereiterklärt haben, zählen aktuell schon einige große Namen - von Bethesda und Capcom über Ubisoft bis zu Warner Bros. Games.

Zum Start der neuen Technik sollen laut Nvidia unter anderem diese Games dafür optimiert sein: "Resident Evil Requiem", "Cyberpunk 2077", "Star Wars Outlaws", "Indiana Jones und der Große Kreis", "Marvel Rivals" und "EA Sports FC".

Überraschend negative Reaktionen

So spektakulär die Bilder auch auf den ersten Blick wirken: Nicht jeder ist begeistert vom Siegeszug der KI in der Kunst. Entsprechend verhalten sind manche Reaktionen aus der Gaming-Community. Andere gehen sogar noch weiter und äußern die Befürchtung, die Künstliche Intelligenz könne die authentische Original-Vision der Entwickler zerstören und künstlerisch wertvolle Games in "AI Slop" verwandeln. Hinter dem Anglizismus steckt eine kritische Bezeichnung für minderwertige KI-Massenware, sinngemäß: "KI-Schrott".

Um ihre These zu untermauern, verweisen die Kritiker vor allem auf die Gesichter der Spielehelden. Diese würden durch Nvidias DLSS 5 so unwirklich aus wie Menschen, die sich in den Sozialen Medien mit zu viel Filtern selbst entfremden, so die Argumentation. Ob DLSS 5 die Figuren lebensechter macht oder genau das Gegenteil erreicht, ist am Ende auch ein Stück weit Geschmackssache. Weniger Angriffsfläche bieten die Lichteffekte: Hier zeigt DLSS 5 zweifelsfrei Verbesserungen im Vergleich zum Original-Material.

Für viele Gamer werden diese Fragen ohnehin noch eine ganze Weile irrelevant bleiben, denn der Fotorealismus-Schub geht drastisch ins Geld: Bei der Demonstration der neuen Technik kamen zwei RTX-5090-Grafikkarten zum Einsatz - eine fürs Rendering, eine für DLSS 5. Eine solche Karte kostet bereits rund 3.000 Euro ...

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