Die Toten Hosen
Am 29. Mai veröffentlichen Die Toten Hosen ihr neues Studio-Album "Trink aus, wir müssen gehen!". Es soll das letzte Album der Band sein. In Prag starteten die Toten Hosen darüber hinaus ihre große Tournee, die im Juli 2027 mit einem Konzert im Stadion von Fortuna Düsseldorf enden wird. Zeit also für einen Kreuzzug durch die Jahre - mit Skandalen und Erfolgen, Triumphen und Verlusten.
© Donata WendersÜber vier Jahrzehnte gemeinsam
Campino und die Toten Hosen stehen seit 44 Jahren gemeinaam auf der Bühne. Die Galerie präsentiert die schönsten Bilder, geheime Anekdoten und Allgemeinwissen zum Mitreden ...
© Paul RipkeAus ZK werden die Hosen
ZK (Zentralkomitee Stadtmitte) hieß die Vorläuferband, aus der die Toten Hosen entstanden. Sänger Campino ist das einzige Gründungsmitglied von ZK, das bis heute bei den Hosen aktiv ist. 1980 stieg Gitarrist Kuddel ein. Die Toten Hosen selbst entstanden 1982 und wurden bei dem besagten ersten Konzert im Bremer Schlachthof versehentlich noch als Die Toten Hasen angekündigt.
© NDR / Donata WendersAuswärtsspiel in Ost-Berlin
Junge Wilde, die wilde Dinge taten. Kurz nach der Bandgründung schlichen sich die Hosen 1982 für ein Geheimkonzert nach Ost-Berlin - die populäre Doku "Auswärtsspiel - Die Toten Hosen in Ost-Berlin" erzählt davon. Ein zweites Hosen-Konzert in der DDR fand 1988 statt. Campino sang unter anderem den Hit "Disco in Moskau": "Das Ende ist nah, für Lenin und Marx. Das Ende ist nah. Disco in Moskau."
© SWR/ Holm FriedrichWir sind die Jungs ...
Das Debütalbum "Opel Gang" erschien 1983, bei der Musikpresse erhielt es gute Kritiken. Mit dem Titelsong und "Bis zum bitteren Ende" enthielt es zwei Stücke, die bis heute live immer wieder gespielt werden. Auch beim Tourauftakt in Prag war das nicht anders.
© NDR / GaboOpel aufgemöbelt
"Opel Gang" gibt es seit 2007 remastered wieder auf dem Markt.
© JKP/WM GermanyWer ist eigentlich Alex?
Der Durchbruch kam 1988: "Ein kleines bisschen Horrorschau" mit der Auskopplung "Hier kommt Alex". Gemeint war Alexander Delarge aus dem Roman "A Clockwork Orange".
© teleschau / F. RauscherDer falsche Heino
In den 80er-Jahren sorgten die Hosen für einen handfesten Skandal, als sie den Sänger Norbert Hähnel als Heino in ihrem Vorprogramm auftreten ließen. Es folgte ein langer Rechtsstreit.
© teleschau / F. RauscherAngstfrei auf der Bühne
Schon damals wurde klar, dass die Band vor allem von der Ausstrahlung Campinos lebt, dessen Bühnenperfomances legendär waren. Unzählige Male ließ er sich live auf halsbrecherische Wagnisse ein, bestieg Bühnenaufbauten und stürzte sich in die Menge. 1994 interviewte er für den "Spiegel" die damalige Jugendministerin Angela Merkel.
© teleschau / F. RauscherGeld, Gold und Glück
Nach 1990 landete so gut wie jedes reguläre Studioalbum der Toten Hosen auf Rang eins der Charts. Campino, Andreas von Holst, Michael Breitkopf, Andreas Meurer und Schlagzeuger Wolfgang Rohde (seit 1998 Vom Ritchie) gelten heute nach den Verkaufszahlen als erfolgreichste deutsche Band aller Zeiten. Noch vor ihnen: Herbert Grönemeyer. Deutlich dahinter: Madonna, Robbie Williams, Taylor Swift oder Die Ärzte.
© NDR/Rainer CorstenAls Seemänner am Tatort
Mitte der 90er-Jahre waren die Hosen noch weit entfernt vom Mainstream. Mit einem höchst skurrilen Auftritt konnte die Mehrheit der TV-Zuschauer demnach auch noch wenig anfangen. Im Münchner "Tatort - ... und die Musi spielt dazu" (1994) mischte die Band als Seemannsquintett eine fiktive Volksmusiksendung auf.
© Bavaria Film GmbH / Rolf von der HeydtDen Bursch mit Links?
Andreas "Kuddel" van Holst (vorne) lernte nach Peter Burschs Gitarren-Leitfaden das Spielen. Was ihm als Linkshänder einige Probleme bereitete. Lange war er dem Alkohol zugewandt, inzwischen trinkt er seit vielen Jahren keinen Tropfen mehr. "Dass mit meiner Sauferei überhaupt keiner mehr klarkam, war vielleicht auch die größte Motivation, um aufzuhören. Es hatte einfach Maßstäbe angenommen, die mir gar nicht mehr bewusst waren."
© teleschau / F. Rauscher"Essen auf Rädern" trifft auf "Die Zu Späten"
Immer wieder traten die Toten Hosen unter falschen Namen auf. 1987 veröffentlichten die Roten Rosen "Never Mind The Hosen - Here's Die Roten Rosen". Dazu gab es zahlreiche Geheim-Gigs, bei denen sie sich unter anderem Essen auf Rädern, Katastrophen-Kommando oder Rheinpiraten nannten. Ende der 90-er spielten sie so im Verborgenen auch ein Konzert mit den "Zu Späten" ... den Ärzten.
© WDR / ARTEGegen rechts, gegen Pelz
Eine hochpolitische Band waren die Toten Hosen in ihren Texten immer mal wieder. In zahlreichen Aktionen engagierten sie sich vor allem gegen Rechts oder posierten nackt gegen die Pelzindustrie. Auch auf dem aktuellen Album beziehen sie mit der Singleauskopplung "Schlechte Nachbarn" eindeutig Stellung.
© GABOFür immer Punk
1991 veröffentlichte die Band das Album "Learning English Lesson 1", auf dem englischsprachige Punkrock-Klassiker gecovert wurden. "Learning English Lesson 2" (2017) bietet 21 Punksongs, die von den Hosen neu, aber treu interpretiert wurden, unter anderem von den Undertones und den Dead Kennedys. Mit "Learning English Lesson 3" (2020) ist inzwischen eine dreiteilige Serie daraus geworden.
© teleschau / F. RauscherDie Hosen und Argentinien - eine Liebesbeziehung
Eine spezielle Beziehung unterhalten die Toten Hosen zu Argentinien. 1992 war die Band erstmals dort. Dem Vernehmen nach sorgte ein einzelner Auswanderer in der Punkszene dort für den Startschuss. Inzwischen kommen Tausende, wenn die Hosen zu Gast sind. Bei der aktuellen Tour machen sie zum letzten Mal für drei Konzerte wieder Station dort, unter anderem am 10. Oktober in Buenos Aires.
© teleschauAlles nur Spiel
Einen Ausflug unternahmen die Hosen auch ins Spiele-Business. 24 Songs haben es in die spezielle "SingStar"-Edition geschafft, die 2007 erschien.
© SonyCampino auf der Leinwand
2008 spielte Campino die Hauptrolle im Kinofilm "Palermo Shooting" von Wim Wenders (links). Die Kritiken fielen durchaus positiv aus.
© Senator / Donata WendersAls die Fans noch Punks waren
Kaum eine deutsche Band verfügt über eine solch große Fan-Community wie die Toten Hosen. Problemlos füllt die Band selbst die größten Hallen und Stadien. Während das Publikum früher vor allem aus Punks und Rockern bestand, findet sich heute bei ihren Konzerten ... eigentlich jeder.
© teleschau / F. RauscherAn "Tagen wie diesen"
Für "Ballast der Republik" erhielten die Toten Hosen den Echo 2013. Die Single "Tage wie diese" war 85 Wochen in den Charts. Vom Oktoberfest über das WM-Finale bis zur CDU-Wahlparty erklang sie: "An Tagen wie diesen wünscht man sich Unendlichkeit ..."
© Getty Images/Andreas RentzVier Preise in einer Nacht
"Tage wie diese" war noch in aller Ohren, da räumten Die Toten Hosen 2013 ganze vier Echos in einer Nacht ab. Niemals zuvor war dies einer Band oder einem Künstler vergönnt.
© ARD / Max KohrDeutschland, Deutschland, spürst du mich?
"Ballast der Republik" war das 15. Studioalbum der Toten Hosen. Auf dem Cover erkennt man unter anderem die Band, Angela Merkel und Konrad Adenauer.
© JKP / WarnerDie Gedenkkonzerte
Im Oktober 2013 veranstalteten die Toten Hosen und das Sinfonieorchester der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf drei Konzerte in der Tonhalle Düsseldorf. Unter dem Titel "Willkommen in Deutschland" wurde an die Reichsmusiktage und die Ausstellung "Entartete Musik" im Düsseldorfer Ehrenhof 75 Jahre zuvor erinnert.
© Carla MeurerPeter, der Wolf und Campino
Mit seiner markanten Stimme führte Campino 2015 durch "Peter und der Wolf in Hollywood". Fan des musikalischen Märchens ist er seit seiner Kindheit: "Für mich passte das alles. Ich mochte jeden Ton. Und selbst die Schule konnte mir den Spaß an dem Stück nicht austreiben."
© Erik Weiss / Deutsche GrammophonLängst auch im Stream
Bis Anfang 2017 gehörten die Toten Hosen zu jenen Bands, die sich gegen den Streamingtrend stellten. Seither sind die Lieder der Band bei diversen Diensten zu hören.
© Matias Corral / JKPAlles ist vergänglich
Auch schwere Jahre gab es für die Band. Ihr Studioalbum "Laune der Natur" (2017) war auch geprägt von den Themen Trauer, Verlust und Vergänglichkeit.
© Paul RipkeDie Familie wird kleiner
Von 1986 bis 1999 war er Schlagzeuger bei den Toten Hosen. Ein schwerer Verkehrsunfall veränderte sein Leben von einem Tag zum anderen. Im April 2016 starb Wolfgang Rohde im Alter von 66 Jahren. Bereits Anfang 2015 starb Manager Jochen Hülder. Beiden erwies die Band auf "Laune der Natur" mit jeweils einem Song die Ehre.
© SchikoDer letzte Echo
Viele Künstler grummelten 2018, als Kollegah und Farid Bang mit dem Echo ausgezeichnet wurden. Campino war einer der wenigen, die auch den Mund aufmachten. "Ich bin nicht die Bundesprüfstelle", setzte er an, dann kam das große Aber inklusive verbalem Schlagabtausch mit Kollegah und Farid Bang. Auch die Provokation müsse ihre Grenzen haben, mahnte Campino. Der Rest ist (Echo-)Geschichte.
© 2018 Getty Images/Andreas RentzSchick gemacht
Da haben sie sich mal besonders schick gemacht: 2020 veröffentlichten Die Toten Hosen ihr drittes "Learning English"-Album. Enthalten sind insgesamt 15 Cover-Songs, mit denen die Hosen in die britische Musikszene der 60er-Jahre eintauchen.
© Erik WeissAlles aus Liebe
40 Jahre Die Toten Hosen, natürlich wurde das gefeiert. Die Werkschau "Alles aus Liebe" enthält insgesamt 43 Songs - darunter sieben ganz neue Kompositionen.
© JkpUnd dann ... die 60
Am 22. Juni 2022 wurde Frontmann Campino 60 Jahre alt. Was er mit Fassung trug: "Glauben Sie mir: Es ist nicht schlimm." Und es gehe schließlich auch Positives mit einher: "Ich muss nicht mehr in Clubs rumhängen wie früher. Dafür kann ich ein gutes Buch lesen, mir einen Kinofilm ansehen oder daheim in meiner Plattensammlung wühlen. Jammern, hadern - das wäre Quatsch. Ich möchte sowieso nicht mehr mit 18-Jährigen auf der Rheinwiese Fußball spielen."
© Getty Images/Andreas RentzFür die Ukraine
Die Hosen unterstützen Betroffene des Krieges in der Ukraine, die Fans packten kräftig mit an: Ein Solidaritäts-T-Shirt war ein Renner im Online-Shop der Toten Hosen. Der Gewinn wurde zugunsten ukrainischer Flüchtlinge gespendet. Zudem unterstützen die Hosen zahlreiche weitere Intiativen, unter anderem das Kinderhilfezentrum Düsseldorf, Seawatch, Pro Asyl und andere.
© Robert EikelpothTrink aus, wir müssen gehen!
Neun Jahre nach "Laune der Natur" veröffentlichen die Hosen nun wieder einen Longplayer. Mit "Trink aus, wir müssen gehen!" schließe sich ein Kreis, sagt die Band.
© Donata WendersDie Doku "Die Toten Hosen - Das letzte Album"
Kurz vor dem Erscheinen des letzten Albums der Toten Hosen erschien ein dokumentarischer Blick in den Maschinenraum der Band. Filmemacher Eric Friedler begleitete Frontmann Campino und die anderen über zwei Jahre hinweg. Das Erste zeigte den Film zu später Stunde.
© SWR/Robert Eikelpoth/Design Dirk RudolphMomente voller Kreativität
Zwar sicher nicht schonungslos, aber durchaus offen gewährten die Hosen für den Dreh einen Einblick in die mühsame Entstehung eines Albums. Es wird deutlich, dass es vor allem Campino war und ist, der solcherlei Plagen künftig nicht mehr erleben möchte. Zwar weint er im Film, und doch wird klar, warum die Band nun rasant Richtung Finale geht. Andere, wie Kuddel (Bild), schieben den Gedanken an das Ende noch vor sich her.
© SWR / Donata WendersGibt*s auch online
Der 90-minütige Dokumentarfilm ist weiterhin in der ARD-Mediathek zu sehen.
© SWR / Donata Wenders