Die Kryptoqueen - Mo. 28.11. - ARD: 23.20 Uhr

Aufstieg und Fall einer falschen Königin

22.11.2022 von SWYRL/Jan-Niklas Jäger

Als Erfinderin der vermeintlichen Kryptowährung OneCoin betrog Ruja Ignatova Millionen Investoren. Als das FBI ihr auf die Spur kam, verschwand die glamouröse Betrügerin. Der Dokumentarfilm "Die Kryptoqueen" lässt ihre Geschichte Revue passieren.

Eine glamouröse Kriminelle, ein Supermodel, ausschweifende Partys, Liebesaffären, Milliardenbetrug: Die Geschichte klingt nach dem Drehbuch eines Hollywoodfilms. Der Fall um die als "Kryptoqueen" bekannt gewordene Deutsch-Bulgarin Ruja Ignatova aber vereint all diese Qualitäten eines Thrillers - und hat sich tatsächlich so abgespielt. Am 25. Oktober 2017 wurde Ignatova das letzte Mal gesehen. Seitdem ist sie spurlos verschwunden. Der Dokumentarfilm "Die Kryptoqueen", eine Co-Produktion von ARD und WDR, erzählt ihre Geschichte, erklärt ihren Schwindel und zeichnet sogar realisitische Szenarien nach, die sich seit ihrem Verschwinden abgespielt haben könnten.

In Serien-Form bereichert die Doku die ARD-Mediathek schon seit Anfang November. Die Filmfassung mit zusätzlichen Hintergrundinformationen bringt die faszinierende Geschichte nun ins lineare Fernsehen: am späten Montagabend, um 23.20 Uhr, im Ersten.

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Wie ein Popstar

Auf dem Höhepunkt des Hypes war Ruja Ignatova fast so etwas wie ein Popstar: 20.000 Menschen strömten ins legendäre Wembley Stadium, um die OneCoin-Gründerin sprechen zu hören. "Lasst uns ihr das größte Willkommen aller Zeiten geben!", ruft ihr Komplize und zeitweiliger Liebhaber Sebastian Greenwood, als er sie ankündigt. Dann schießen Flammen aus dem Boden und die Kryptoqueen betritt die Bühne, während Alicia Keys' "Girl on Fire" abgespielt wird.

Das war wohl das größte Talent einer Frau, deren Expertise in digitaler Währung bestenfalls übertrieben worden war: Inszenierung. Ignatova tat nur so, als würde sie eine real existierende Kryptowährung verkaufen, doch was sie tatsächlich verkaufen konnte, war sie selbst. "Sie hatte dieses ganze McKinsey-Zeug voll drauf", sagt ein ehemaliger Mitarbeiter in der Doku in Anspielung auf Ignatovas Angaben, für die einflussreiche Unternehmensberatung gearbeitet zu haben.

"Die einen verlieren, die anderen gewinnen"

Mit ihren glamourösen Outfits, luxurösen Anwesen und ausschweifenden Partys repräsentierte Ignatova genau den Lebensstil, den sie ihren Opfern versprach. OneCoin wurde als leichter verständliche Alternative zu Bitcoin beworben, an der alle profitieren könnten, unabhängig von sozialem Status oder Spezialwissen. Indem sie eine Art Robin Hood in einer Luxusvilla verkörperte, gelang Ignatova ein faszinierender Spagat. Am Ende kam heraus, dass sie das genaue Gegenteil war: Sie nahm den Armen und gab den Reichen.

"Die Kryptoqueen" konzentriert sich vor allem auf die Person Ignatova und was sie verkörperte. Am prominentesten kommt das isländische Model Asdis Ran zu Wort, die Ignatova als deren beste Freundin selbst zu einem glamouröserem Image verhalf. Ran schwärmt mehrmals von gemeinsamen Zeiten im Luxus und relativiert sogar den Milliardenbetrug ihrer Freundin: "So ist das immer im Geschäftsleben: Die einen verlieren, die anderen gewinnen."

Betrug zum Leidwesen der Armen

Doku-Film und -Serie beschönigen die Verbrechen der Kryptoqueen hingegen nicht. Man sieht die Betrügerin bei einer prestigereichen Gala und wird in der nächsten Szene mit einem von OneCoin um sein Geld geprellten Witwer, der in bescheidenen Verhältnissen lebt, konfrontiert. Im Wembley Stadium hält Ignatova eine Rede: "China, Indien, Afrika, Lateinamerika. Diese Märkte sind unglaublich wichtig für uns. Dort leben Leute ohne Bankkonto. Unsere Kunden."

Auf diese dreiste Aussage folgt ein Sprung nach Uganda. Zu Wort kommen Menschen, die ihre Ersparnisse investiert oder sogar Grundstücke und Autos verkauft haben, um Teil der vermeintlichen OneCoin-Erfolgsstory zu werden. Besonders perfide am Vorgehen der Firma: Sie verkaufte lediglich "Bildungspakete" zum Thema Kryptowährung, in denen sogenannte "Tokens" enthalten waren, mit denen man dann OneCoins horten könne.

Teil des Geschäftsmodells war, dass Käufer der Bildungspakete weitere Käufer warben. "Wir haben die OneCoin-Story verbreitet und andere Menschen überredet, ihr Geld in dieses Projekt zu stecken", klagt eines der ugandischen Opfer. "Ich kann nicht mehr zurück in mein Heimatdorf deswegen." Er sagt: "Mein Ruf ist zerstört, sie verachten mich."

Flucht im letzten Moment

Währenddessen lebte die Kryptoqueen in Saus und Braus. Doch das Gesetz war ihr bereits auf der Spur. Besonders markant ist das Detail, dass das FBI vermutlich von einem Liebhaber Ignatovas Informationen erhielt. Dessen Wohnung konnten die Ermittler abhören. Bevor es zu spät ist, kann die Betrügerin fliehen, womöglich mithilfe ihres Sicherheitsberaters, der das jedoch abstreitet.

Aber was passierte danach? Die Macher der Dokumentation zeichnen verschiedene Szenarien nach. Asdis Ran vermutet ihre Freundin in Dubai, wo sie den Schutz eines Mitgliedes einer emiratischen Königsfamilie genießen könnte. Es werden Bilder gezeigt, wie die Flüchtige heute nach chirurgischen Eingriffen aussehen könnte.

Eine unglaubliche Geschichte

Oder ist Ignatova am Ende gar nicht freiwillig verschwunden? Motive, die kurz vor ihrer Verhaftung stehenden Betrügerin aus dem Weg zu räumen, hatten viele: Drogenbosse, denen sie bei der Geldwäsche geholfen hatte oder ihre Kontakte in die bulgarische Politik. "So viel Geld kann man nicht schmutzig bewegen, ohne abhängig zu werden von Leuten, die einen dann benutzen", sagt der Investigativjournalist Philipp Bovermann. Die Macher der Doku nehmen diese Szenarien so ernst, dass es sogar eine nachgestellte Szene von Ignatovas Beerdigung nach ihrer Ermordung gibt.

"Die Kryptoqueen" erzählt eine packende Geschichte, die zu fantastisch klingt, um wahr zu sein. Dass sie trotzdem Realität ist, macht den Reiz des Stoffes aus: Die Story ist unglaublich. Unglaublich auch, dass OneCoin unter dem Namen "One" weiter existiert. Nach den jetzigen Besitzern gefragt, antwortet ein Mitarbeiter: "Das ist einfach ein Unternehmen. Nennen wir sie schlicht Investoren. Mehr kann ich dazu im Moment nicht sagen."

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