16.04.2026 von SWYRL/Petra Esselmann
Hauptsache, der Inhalt schockt und die Aussprache kracht, wenn ein Fluch oder Schimpfwort die gewünschte Wirkung haben soll. Weltweit wird sich nach vergleichbarem Konzept geäußert, wenn es darum geht, extreme Gefühlsreaktionen zu bewältigen.
Finger eingeklemmt, Bahn verpasst, der Nachbar hat im Treppenhaus gekleckert ... Da muss niemand lange nachdenken, ehe ihr oder ihm ein Schimpfwort über die Lippen kommt. Es tut einfach gut, dem Schmerz, Frust und Ärger geräuschvoll Worte folgen zu lassen, die man entsprechend der vorherrschenden gesellschaftlichen Konventionen sonst nicht erst in den Mund nehmen würde.
Während die einen dabei bevorzugt Fäkalien erwähnen, benennen andere lieber Geschlechtsteile, am besten auf möglichst ordinäre und geräuschvolle Weise. Bei gegenseitigen Beschimpfungen wird auch mal fantasievoll die Verwandtschaft eines Kontrahenten miteinbezogen. Negativen Emotionen ein paar Kraftausdrücke entgegenzuhalten, funktioniert weltweit nach ähnlichem Prinzip, wobei sich regionale Besonderheiten herausgebildet haben. Beim Fluchen und Schimpfen gilt: je schockierender die Wortwahl, desto wirkungsvoller.
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Schwedisch
Vergleichsweise harmlos mag da die schwedische Variante von "verdammt nochmal" anmuten, denn hier wird eine besondere Zahl bemüht: "Sjutton också" heißt übersetzt: "Siebzehn auch". Warum ausgerechnet diese Zahl? Bei der Verwendung der verflixten 17 könnte es sich um die Beschönigung eines durchaus deutlicheren Fluchs wie etwa "Satan" handeln. Wir kennen das im Deutschen vom Gebrauch des an sich harmlosen Wortes "Scheibenkleister", um sich nicht an einem anderen Ausdruck verbal schmutzig zu machen, der ebenfalls mit "Schei" anfängt.
Derlei Beispiele der Fluch-Dämpfung kommen beispielsweise auch in der englischen Sprache vor. Anstelle von "oh shit" heißt es dann "oh shoot". Wird das spanische "joder" ("ficken") in "jolines" ("Mist") abgewandelt, klingt das schon beinahe niedlich. Dennoch versteht jeder, was gemeint ist.
Finnisch
Auch die Nachbarn Schwedens fluchen nach Zahlen: Die Finnen sagen "helvetin kuusitoista", das sich übersetzen lässt mit "der Hölle 16". Das ist zwar eine Nummer kleiner als die schwedische 17, generell wird in Finnland aber durchaus hingebungsvoller geflucht als im restlichen Skandinavien. Für "verdammt" wird häufig "vittu" ausgerufen: ein Wort für das primäre weibliche Geschlechtsmerkmal. Der finnische Fluchschatz ist reichhaltig. Ein Wort, das sogar mit einem gewissen Nationalstolz gebraucht wird, ist das klangvolle "perkele". Es wird in der Regel mit "Teufel" übersetzt. Ursprünglich ist es der Name eines Donnergottes.
Spanisch
Hört man Spaniern beim Fluchen zu, so scheint dabei willkommen, was immer verpönt sein mag: Körperliche Ausscheidungen, Religiöses, Geschlechtsverkehr und die Verwandtschaft des Gegners werden bemüht. Das international gebrauchte "fuck" wird im spanischen Original verwendet: "joder". Eine schlimme Überraschung kann mit "hostia" kommentiert werden, zu Deutsch: "Hostie".
Wenn sich jemand auf Spanisch ärgert, ist auch häufig von der gezielten Darmentleerung die Rede. "Me cago en la leche" lässt sich so ins Deutsche übertragen: "Ich kacke in die Milch." Von der Bedeutung her ist der Spruch vergleichbar mit "Himmel, Ar und Zwirn". Bei ernstzunehmenderen Zerwürfnissen kann es anstelle von "en la leche" auch "en la madre que te pario" heißen. "Madre" heißt "Mutter"...***.
Armenisch
In vergleichbarer Weise kann man auf Armenisch beschimpft werden: "Perrannt kaknem" heißt "Ich kacke in deinen Mund." Die Steigerungsform lautet "Kakes ger" ("Iss meine Kacke").
Englisch
Die handlichen Schimpfwörter "fuck" und "shit" werden längst nicht nur von englischen Muttersprachlern verwendet, sondern sind international gebräuchlich. Je nach Land und Kontinent gibt es bei den englischsprachigen native speakers regionale Feinheiten beim Fluchen. Ein "wanker" oder "tosser" ist jemand, der sich selbst befriedigt, und als Beleidigung im britischen wie im australischen Englisch gang und gäbe. In den Vereinigten Staaten gibt es einen besonderen Ausdruck für einen arroganten Blödmann: "douchebag". Ursprünglich bezeichnet die Vokabel eine Anal- oder Vaginaldusche.
In der irischen Umgangssprache muss die Bevölkerung aus dem County Offaly herhalten. Die Beschimpfung "biffo" (verwendet für "Idiot") setzt sich zusammen aus den Anfangsbuchstaben des Ausdrucks "big ignorant fucker from Offaly".
Niederländisch
In den Niederlanden werden einmal mehr ordinäre Bezeichnungen für Geschlechtsteile geflucht, nämlich "kut" (feminin) und "klote" (maskulin), was von der Fluchstufe her einem deutschen "Sche--e" entspricht. Im Niederländischen kommen beim Schimpfen aber auch noch Krankheiten ins Spiel: "Krijg de klere" heißt "Krieg' die Cholera". Man kann auch "Pocken" oder "Pest" an den Hals gewünscht bekommen.
Indisch
Was es bedeutet, mit einer bestimmten Art von Tier verglichen zu werden, versteht man in Indien ebenso wie in Deutschland. "Kutta" ("Hund") oder "gadha" ("Esel") gelten weder auf Hindi noch auf Deutsch als Kompliment.
Japanisch
Das Kanji-Zeichen für "baka" setzt sich zusammen aus denen für Pferd und Hirsch. In Japan ist "baka" ein populäres Schimpfwort und wird gebraucht wie im Deutschen der "Idiot".


