15.04.2026 von SWYRL/Andreas Fischer
Nach einer unverhofften Schwangerschaft gewinnt Elle Fanning auf höchst unkonventionelle Weise die Kontrolle über ihr Leben zurück: Mit "Only Margo" huldigt Apple TV einer echten Knallerfrau (und ihrer Muter).
Margo (Elle Fanning) kann nicht behaupten, sie sei nicht gewarnt worden. Trotzdem lässt sich die talentierte Literaturstudentin auf eine wilde Affäre mit ihrem Englisch-Professor ein - und beschließt, die Konsequenzen zu tragen. Ungeplant schwanger zu werden und in einer mittelgroßen Stadt in Kalifornien ein Baby allein großziehen zu müssen, ist eine echte Herausforderung: Die großartige Apple TV-Serie "Only Margo" begleitet Margo und ihre exzentrische Familie ab 15. April auf einer so schmerzhaften wie humorvollen Reise durch ein Leben, das sich radikal neu ordnet.
Margo bleibt jedenfalls gar nichts anderes übrig, als "der Versuch, der Realität zu entfliehen, indem man sie umschreibt". Vor allem die Sache mit der Finanzierung ist für eine Studienabbrecherin und Single Mom nicht so einfach. Einen Ausweg könnte die Plattform OnlyFans bieten: Mit ihrer lebhaften Fantasie und ihrer Liebe zum Schreiben ist es doch einen Versuch wert, dafür bezahlt zu werden, die Penisse von Fans als Pokémon-Figuren zu beschreiben, oder?
Aus dem Experiment wird schnell mehr. Margo entwickelt eine eigene Online-Persona, verdient Geld und ringt dabei mit Vorurteilen. Genau hier zeigt die auf dem Roman "Margo's Got Money Troubles" von Rufi Thorpe basierende Serie ihre große Stärke: Sie betrachtet Margos Entscheidungen differenziert, ohne sie zu verurteilen oder zu verklären.
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Mama ist die Beste
Überhaupt hat "Only Margo" keine Scheu vor komplexen Themen: So ist die Beziehung von Margo zu ihrer Mutter Shyanne, die von Michelle Pfeiffer in hautengen Leopardenleggins ohne falsche Zurückhaltung, aber mit vielen Nuancen gespielt wird, so rau und widersprüchlich wie zutiefst berührend. Beide Frauen haben früh ein Kind bekommen und gehen doch vollkommen unterschiedlich damit um.
Sie dabei zu beobachten, ist bewegend, und überraschend witzig: auch weil Nicole Kidman, Greg Kinnear und Nick Offerman in umwerfenden Nebenrollen auftreten, insbesondere aber, weil "Only Margo" nahe genug an der Realität bleibt, ohne sich daran festzukrallen.
Dass das Ganze aus der Feder von TV-Veteran - und Michelle Pfeiffers Ehemann - David E. Kelley ("Picket Fences", "Chicago Hope", "Boston Legal", "Big Little Lies") stammt, merkt man: Dialoge sitzen, Konflikte eskalieren organisch und bleiben trotz zugespitzter Situationen emotional glaubwürdig. "Only Margo" ist letztlich eine Serie über Akzeptanz und erzählt offen von Mutterschaft, Selbstbestimmung und gesellschaftlichen Erwartungen. Und darüber, dass sich Frauen nicht in einfache Kategorien pressen lassen müssen.



