19.02.2026 von SWYRL/Natascha Wittmann
Der Cum-Ex-Skandal hat aufgezeigt, dass sich der Staat im Kampf gegen Wirtschaftskriminalität oft schwertut. Bei "Markus Lanz" wurde deshalb unter anderem über die Frage debattiert, welche Konsequenzen endlich folgen müssten. Dabei überraschte Juristin Anne Brorhilker den ZDF-Moderator.
Altkanzler Olaf Scholz steht im Zusammenhang mit dem Cum-Ex-Skandal bis heute unter Druck: Im Jahr 2016/2017 traf er sich mehrfach mit Vertretern der Warburg Bank, die in die dubiosen Geschäfte verwickelt war. Wenig später verzichtete die Hamburger Finanzbehörde darauf, Millionensummen zurückzufordern. Am Mittwochabend beleuchtete Markus Lanz erneut den Fall und ging unter anderem der Frage auf den Grund, wie glaubwürdig Scholz' wiederholter Verweis auf Erinnerungslücken tatsächlich ist.
Der ZDF-Moderator machte gleich zu Beginn klar, welche Größenordnung im Raum steht: "Es geht Stand heute um 40 Milliarden", so der Moderator. Er setzte nach: "Es geht um den wahrscheinlich größten Steuerraub in der deutschen Geschichte. Cum-Ex - ein industriell organisierter Raubzug durch die Staatskasse."
Weil Olaf Scholz in der Affäre konsequent bestreitet, politisch Einfluss auf Steuerrückforderungen genommen zu haben, und sich zugleich auf fehlende Erinnerungen beruft, stellte Lanz die Frage: "Wenn Olaf Scholz sagt, 'Ich kann mich wirklich beim besten Willen nicht erinnern', glauben Sie das?" Die Antwort von Journalistin Eva Quadbeck fiel unmissverständlich aus: "Ich halte das für unglaubwürdig!"
Zur Begründung verwies sie auf Scholz' sonstige, detailorientierte Arbeitsweise: "Das war ja auch eine Stärke von ihm. Er hatte die Details parat, er kannte sich aus." Und weiter: "Deshalb halte ich das für total unglaubwürdig, dass er in einer so wichtigen Angelegenheit, wo es um das Steuergeld der Hamburger Bürgerinnen und Bürger ging, (...) dass er sich da an gar nichts erinnern kann." Quadbecks Einschätzung: "Ich denke, dass er da einfach einen politischen Fehler gemacht hat." Juristin Anne Brorhilker schloss sich an und sagte, Scholz' Ruf habe darunter "sehr gelitten".
Abonniere unseren Newsletter und wir versprechen, deine Mailadresse nur dafür zu verwenden.
Juristin Anne Brorhilker: "Man kann sich die besten Sachen schönreden"
Gleichzeitig machte die Oberstaatsanwältin, die über zehn Jahre lang als Ermittlerin im Fall tätig war, deutlich, wie vertraut ihr solche Erklärungen aus Verfahren sind: "Wie oft habe ich diesen Satz gehört - sehr oft!" Dass Brorhilker im April 2024 der Justiz überraschend den Rücken kehrte, begründete sie nüchtern: "Die Schwierigkeiten bei den Ermittlungen sind eigentlich sehr symptomatisch und zeigen die dahinterliegenden strukturellen Probleme, die Behörden im Kampf mit Wirtschaftskriminalität haben."
Als Lanz auf das unglaubliche Ausmaß des organisierten Steuerbetrugs aufmerksam machte und sagte, dass es sich hierbei um "die nackte Gier" handle, nickte die Juristin. Sie gab jedoch auch zu, dass sie bei den Beschuldigten häufig kein echtes Unrechtsbewusstsein erlebt habe, sondern vielmehr das Gegenteil: "Große Empörung".
Brorhilkers Beschreibung der typischen Muster blieb eindringlich: "Das zeichnet Wirtschaftskriminelle auch aus, (...) dass man da Einsicht mit der Lupe suchen muss. (...) Die haben meistens so ihre festen Schablonen im Kopf an Ausreden. (...) Man kann sich die besten Sachen schönreden." Lanz kommentierte trocken: "Ja, ich erlebe das jeden Abend hier."
Am Ende ging es schließlich um die Frage, ob aus dem Skandal wenigstens Konsequenzen gezogen wurden. Brorhilker blieb skeptisch. Sie überraschte Lanz, indem sie sagte: "Die Behörden sind immer noch nicht besser ausgestattet, wir haben immer noch keine zentrale Bundesbehörde." Lanz hakte nach, was das politisch bedeute: "Das heißt, Lars Klingbeil als Finanzminister müsste sowas etablieren?" Die ehemalige Cum-Ex-Ermittlerin antwortete knapp: "Richtig!"



