Auftritt bei "3nach9"

"Selbstmitleid ist das Schlimmste": So geht es Frank Elstner mit seiner Parkinson-Erkrankung

06.10.2021 von SWYRL/Julian Weinberger

Seit fünf Jahren lebt Frank Elstner mit der Diagnose Parkinson. Im ARD-Talk "3nach9" erinnerte sich die TV-Legende nun an die ersten Symptome, berichtete von zerschlagenen Nachttischlampen und erklärte, was ihn von der unheilbaren Krankheit ablenkt.

Frank Elstner ist eine der größten TV-Legenden Deutschlands. Der Moderator ersann mit "Wetten, dass ..?" nicht nur eines der prägendsten Fernsehformate der deutschen TV-Landschaft, sondern war später auch jahrelang das Gesicht der Primetime-Sendung "Verstehen Sie Spaß?". Mittlerweile ist Elstner 79 Jahre alt - und kämpft seit seiner Parkinson-Diagnose im April 2016 mit der unheilbaren Krankheit.

Dabei habe er schon Jahre vorher Symptome bemerkt, erläuterte der Moderator am Dienstagabend im ARD-Talk "3nach9". In TV-Sendungen habe er Gläser beim Zuprosten mit seinen Gästen schon länger mit zwei Händen gehalten. "Das sah so blöd aus, dass ich dachte: 'Jetzt gehste mal zum Arzt. Warum zitterst du so?'", erinnerte er sich Elstner. Seine Hausärztin habe aber lange Nervosität als Grund für das Zittern ausgemacht, was auch bei der Fernsehlegende zur Erkenntnis geführt habe: "Ich habe einfach geglaubt, ich habe kein Parkinson."

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Frank Elstner hat "drei, vier Nachttischlampen kaputtgehauen"

Erst später, bei der Untersuchung in einer Universitätsklinik habe man ihn "auf den Kopf gestellt" und mit der Diagnose Parkinson konfrontiert. Ein wichtiger Ratgeber seither ist Professor Dr. Jens Volkmann, der nicht nur Elstners Medikamente einstellte, sondern ihm auch wichtige Tipps mitgab: "Seither weiß ich, man kann als Parkinsonkranker nicht geheilt werden oder die Krankheit einfach vergessen, aber man kann helfen, dass sie sich nicht ganz schnell schrecklich weiterentwickelt."

Von Gastgeberin Judith Rakers nach den Symptomen seiner Parkinson-Erkrankung gefragt, erklärte Frank Elstner: "Ich hatte sehr unruhige Beine, das ist ein schreckliches Gefühl. Du kannst nicht schlafen und wackelst mit den Beinen herum." Bisweilen habe er auch "geboxt", was zur Folge hatte, dass er "im Laufe von zwei Jahren drei, vier Nachttischlampen kaputtgehauen" habe.

Trotz seines humorvollen Umgangs mit der unheilbaren Krankheit ergreife er im Alltag mit seiner Frau Britta Sicherheitsmaßnahmen, berichtete Frank Elstner: "Wenn ich das Gefühl habe, ich bin zu unruhig, ziehe ich mich lieber zurück. Ich habe keine Lust, noch zum Verbrecher zu werden, weil ich dieses blöde Parkinson habe." Bisweilen komme es vor, dass Parkinson-Erkrankte ihre Partnerinnen und Partner würgen.

Selbstmitleid ist "das Schlimmste"

Im Leben mit der Krankheit helfe ihm unter anderem Sport, der laut Elstner eine "wichtige Rezeptur" sei. "Der Erfolg bei mir ist, dass ich seit 2016 Parkinson bestätigt habe, aber immer noch das Gefühl habe, ich ticke noch richtig", urteilte der 79-Jährige. Außerdem habe er von seinem Arzt Professor Volkmann das positive Denken und die Notwendigkeit einer gesunden Ernährung mitgenommen.

Auch eine neue Leidenschaft hilft Elstner dabei, mit Parkinson zu leben - die Arbeit an Filmen über bedrohte Tierarten: "Das lenkt dich so ab, dann hast du alles, bloß keine Krankheit mehr." Für ihn sei es "das Schlimmste", in Selbstmitleid aufzugehen oder andere Menschen dabei zu beobachten. "Ich habe sehr früh in meinem Leben Momente erlebt, wo ich mich geschämt habe für Menschen, die sich im Selbstmitleid ergehen." Sobald er bei sich selbst derartige Tendenzen beobachte, sei er darum bemüht, seine üblichen Routinen aufzubrechen, sagte der "Wetten, dass ..?"-Erfinder.

Abgesehen von seiner Parkinson-Erkrankung machte Elstner deutlich, dass er trotz seiner langjährigen Tätigkeit vor der Kamera deswegen bei Weitem kein extrovertierter Mensch sei - im Gegenteil: "Ich glaube, ich bin ein verhältnismäßig zurückhaltender Mensch, der Öffentlichkeit nicht benutzt, um Karriere zu machen, der sehr vorsichtig und manchmal langweilig ist."

Die Ursache, dass er bisweilen "menschenscheu" sei, machte der gebürtige Österreicher in seiner Kindheit und an seinem Sehleiden fest: "Vielleicht liegt es daran, dass ich als kleines Kind immer allen möglichen Leuten sagen musste, ich habe nur ein Auge. Dann wird man nicht unbedingt ein Mensch, der sich wohlfühlt, wenn viele Leute zugucken."

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