27.04.2026 von SWYRL/Marko Schlichting
Entgegen aller Ankündigungen Donald Trumps ist ein schneller Sieg der USA gegen den Iran nicht absehbar. Die Runde bei "Caren Miosga" war sich einig: "Das Regime im Iran hat den USA ihre Machtgrenzen gezeigt." Und das hat langfristige Auswirkungen nicht nur für die USA, sondern auf die ganze Welt.
Was zunächst nur ein paar Tage dauern sollte, läuft nun schon zwei Monate - und ein Ende ist nicht in Sicht: Donald Trumps Plan, den Iran anzugreifen, und einen schnellen Sieg zu erringen, ist nicht aufgegangen. Zumal der Iran mit der Sperrung der Straße von Hormus eine Waffe entdeckt hat, um die gesamte Weltwirtschaft in Geiselhaft zu nehmen. Und Trumps Drohungen, etwa den Iran in die Steinzeit zurückbomben, wirken nicht. Den von den USA angekündigten Friedensverhandlungen in Pakistans Hauptstadt Islamabad zeigt sich der Iran wenig aufgeschlossen. Insofern fehlen bleiben wirkliche Ergebnisse noch aus.
Der Iran wolle den Krieg von einem militärischen in einen politischen Konflikt übersetzen, erklärte Claudia Major am Sonntag bei "Caren Miosga". Den USA sei es nicht gelungen, das politische Ergebnis zu erzielen, das sie eigentlich haben wollten. "Der Iran weiß, er kann militärisch nicht gewinnen, er muss einfach länger durchhalten. Länger durchhalten ist das neue Siegen. Und sie sagen jetzt den USA, wir halten länger durch, nehmen die Weltwirtschaft als Geisel, und ihr und eure Verbündeten haltet das nicht so lange durch Wie wir." Gleichzeitig habe der Iran immer noch Raketen und könne neue nachproduzieren. Das Signal des Iran sei: "Wir warten ab."
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"Das Regime im Iran hat den USA ihre Machtgrenzen gezeigt"
Den amerikanischen Äußerungen, die USA hätten den Krieg gewonnen, solle man keinen Glauben schenken, pflichtete Nahost-Experte Daniel Gerlach seiner Kollegin bei. Das iranische Regime habe sich schon lange auf einen langwierigen Konflikt vorbereitet, der noch Jahre währen könne. Trotzdem stünden die Spitzenpolitiker des Landes unter Druck. Sie wüssten, dass sie schon in den nächsten Tagen getötet werden könnten. "Das Regime im Iran hat den USA ihre Machtgrenzen gezeigt", konstatierte Bojan Pancevski.
Der Journalist des "Wall Street Journals" erklärte: "Die Amerikaner können nicht länger als zwei Wochen kämpfen, wenn die Ölpreise so hoch liegen und wenn die Inflation steigt, denn dann gibt es keinen Willen zum Kampf." Schon jetzt fände die US-Bevölkerung "den Kampf relativ sinnlos". Zudem habe der Krieg gezeigt, dass die "dass die industriellen Kapazitäten der Vereinigten Staaten sehr begrenzt sind". So könnten in den USA jährlich nur 620 Patriot-Raketen produziert werden.
"Die USA kommen mit der Produktion nicht hinterher", befand der Wirtschaftsjournalist. "Und das wissen jetzt auch die Chinesen, die Russen, die Iraner und die Alliierten der Vereinigten Staaten." Bis zu vier Jahre könne es dauern, bis die USA ihre Waffenkapazität auf die Zeit vor dem Krieg bringen könnten, bestätigte Claudia Major: "Das ist auch ein Problem für Europa."
Hubertus Heil fordert bei "Caren Miosga": "Die Waffen müssen schweigen"
Für Hubertus Heil ist auch deswegen klar: "Die Waffen müssen schweigen." Der SPD-Politiker weiß aber auch: "Die Folgen dieses Krieges werden uns noch länger beschäftigen." So werden seiner Ansicht nach nicht nur Energiepreise langfristig nicht sinken. Weil durch die Sperrung der Straße von Hormus auch die Ausfuhr von Düngemitteln für die Landwirtschaft nicht mehr gewährleistet sei, werde auch der Hunger in der Welt weiter wachsen. "Waffenstillstand ist das, was es jetzt braucht", fordert Heil. "Darum muss man jetzt auch auf beide Seiten ein bisschen Druck machen, damit es schnell dazu kommt. Denn jeden Tag leidet nicht nur Deutschland, sondern die ganze Welt."
Dabei hätten die USA Bescheid gewusst, sagte Claudia Major. Seit 1979 habe es verschiedene Planspiele in der US-Armee gegeben, bei denen herausgefunden werden sollte, was bei einem US-Angriff auf den Iran passieren könnte. Dabei sei man immer von einer Sperrung der Straße von Hormus ausgegangen. "Viele von den Dingen, die wir jetzt beobachten, haben Experten, Militärs und andere seit Jahren vielleicht nicht vorhergesagt, aber sie haben darauf hingewiesen. Das Freigeben der Straße von Hormus ist aber der letzte Trumpf, den die Iraner noch haben, und das werden sie sich sehr teuer abverhandeln lassen", prophezeit Major.
Man müsse jetzt alle Initiativen unterstützen, die es gebe, fordert Heil. Auch den Vorschlag von Bundeskanzler Friedrich Merz, der die Aussetzung von Sanktionen gegen den Iran ins Gespräch gebracht hat. "Außerdem muss man sich in einem bewusst sein: Das hier ist möglicherweise, was die Weltwirtschaft und die Ökonomie betrifft und damit auch die Destabilisierung anderer Regionen etwas, was uns lange beschäftigen wird. Deshalb finde ich, dass der Kanzler da einen richtigen Ton trifft."



