01.04.2026 von SWYRL/Julian Weinberger
"Er fand Hitler einfach wahnsinnig toll": Als der Journalist Andreas Bönte in der Familiengeschichte grub, stieß er auf die SA-Vergangenheit seines Großvaters. In einer BR-Doku spricht er über diese erschreckende Erfahrung - und die Folgen davon für seine Familie.
"Für mich war das ein echter Schock": Als Andreas Bönte in seiner Familiengeschichte recherchierte, wurde er damit konfrontiert, dass sein Großvater ein führender Kopf in der SA war. "Plötzlich stehst du da und hast offenbar einen Täter in der Familie", erklärt er in der BR-Dokumentation "Kontrovers - Die Story: Mein Großvater - der Nazi". Besonders enttäuscht sei er darüber, dass innerhalb der Familie nie darüber gesprochen worden sei, so Bönte.
Ausgangspunkt seiner Spurensuche war der Tod seiner Mutter. Damals fand er Fotos aus deren Zeit beim Bund deutscher Mädchen (BDM) und ein Poesiealbum. Weitere Erinnerungsstücke seien nach dem Tod seines Onkels ans Tageslicht gekommen. "Dann guckte mich ein Marmor-Reichsadler, der auf einem Hakenkreuz sitzt, an", erinnerte sich Bönte in der TV-Doku an eine Kiste mit hunderten Fotos und Dokumenten.
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Enkel über NS-Vergangenheit von Opa: "Er hat seine Seele verkauft"
Im Film von Christian Stücken geht er auf Spurensuche. Vor allem im nordrhein-westfälischen Rhein, wo sein Großvater lebte, wird er an der Seite von Historike André Schaper fündig. "Er fand Hitler einfach wahnsinnig toll", beschreibt Bönte den Einritt seines Großvaters in die SA im Jahr 1934. Die Nachforschungen verdeutlichen: Böntes Opa war "kein MItläufer, er war Täter". Das lässt seinen Enkel zur traurigen Erkenntnis kommen: "Er hat seine Seele verkauft an die SA und die NSDAP."
Dass sein Großvater obendrein federführend an der Reichskristallnacht am 9. November 1938 beteiligt gewesen ist, sei laut Bönte "wirklich furchtbar": "Je mehr ich diese Akten lese, entwickle ich furchtbare Gedanken diesem Menschen gegenüber." Dank seiner Recherche könne Bönte mittlerweile die Geschehnisse des November-Pogroms in Rheine "minutiös nachvollziehen" - inklusive Brand in der Synagoge und der Attacke auf jüdische Häuser und Geschäfte.
"Mein Großvater war derjenige, der die Tür mit einem Beil eingeschlagen hat"
"Mein Großvater war derjenige, der die Tür mit einem Beil eingeschlagen hat", weiß Bönte zum Brand der Synagoge. Das sei "der eigentlich große Schock" gewesen, dass sein Großvater "die treibende Kraft" war. Die Enthüllungen über seinen Großvater lassen Andreas Bönte bilanzieren: "Ich verachte meinen Großvater, er hat viele traumatisierte Menschen hinterlassen."
Dazu zählt auch seine eigene Familie: Böntes Mutter fand ihren Vater nach dessen Selbstmord erschossen auf und hatte zeitlebens mit Angststörungen und Depressionen zu kämpfen. "Sie war in diesen Phasen nicht wirklich lebensfähig", erinnert sich Bönte. Auch er selbst konsultierte nach gravierenden psychischen Problemen einen Therapeuten. "Wenn es eine Art von Gift gibt, das nicht abgebaut wurde, dann bleibt es und wird irgendwie weitergereicht", bestätigt der Psychologe Louis Lewitan im Film.



