Hits, Herz, Heimat - Kitsch und Kult - Sa. 25.04. - 3sat: 21.15 Uhr

Ein Hoch auf den Schlager

20.04.2026 von SWYRL/Hans Czerny

Die einen hassen ihn und hören ihn heimlich, die anderen feiern ihn massenhaft mit "ihren" Stars. Der deutsche Schlager ist offensichtlich niemals totzukriegen. Er scheint sogar mehrheitsfähiger denn je.

Angesiedelt zwischen "Kitsch und Kult" hält sich der 3sat-Film (ORF) von Constanze Grießler nicht erst bei allbekannten Schlagertheorien auf. Thesen wie "Schund" und "Schnulze", aber auch die Behauptung, der Schlager werde unterschätzt, er sei vielmehr ein Seismograf für gesellschaftliche Veränderungen (und das seit den 1920er-Jahren) werden geschickt umschifft. Stattdessen kommen heutige Praktiker zu Wort und erklären, wie sie das angeblich urdeutsche Phänomen mit eigenen Augen sehen.

Kein Zweifel kann daran bestehen, dass der Schlager zum Mitklatschen oder Mithüpfen wieder im Kommen ist, selbst ein Feuerzeug zum Mitschwenken kann bei gefühligeren Darbietungen nicht schaden. Es gibt allerdings kaum ein Musikgenre, das so breit ausgreifen kann wie der Schlager, der von Nicoles "Ein bisschen Frieden" bis zu Drafi Deutschers "Marmor, Stein und Eisen bricht" reicht - letzterer als rockverdächtig und somit Grenzen brechend gelobt. Am besten macht's, wer wie Helene Fischer beides kann und ebenso schwungvoll wie romantisch durch die Nacht streift - "atemlos".

Vom Bierzelt- oder Skiparty-Hit der Mountain Crew bis zum inzwischen seltener gewordenen Liebesbekenntnis ist jedenfalls für jeden etwas dabei. Die unaufhörlich wiederkehrenden Chartsendungen und erst recht Streamingdienste beweisen eine nicht totzukriegende Schlagerpopularität. Das Ganze etwas anzuschrägen, kann dabei nicht schaden. Im Film "Hits, Herz, Heimat - Kitsch und Kult" schlägt Guildo Horn, der 1998 den ESC mit dem Song "Guildo hat euch lieb" vom Mief befreien wollte, den Schlager historisch der lauten, bunten Welt der 20er-Jahre-Operette zu. Freche Charleston-Hits wie "Ausgerechnet Bananen" übergeht er dabei geflissentlich.

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Geschwister Pfister

Auch die Geschwister Pfister aus der Schweiz lieben es ironisch. Mit ihrer Performance beweisen sie, dass man Kitsch "gleichzeitig parodieren und verehren" kann. Damit kehren sie zu einer neuen Offenheit des Schlagers zurück - ganz so, wie es sie schon vor dem Kultur-Zugriff der Nazis gab. Mit ihrer Kult-Revue "Servus Peter - Oh là là Mireille" füllen sie zuverlässig die Säle und beleben das Schlager-Genre neu.

Ob der Alpenrocker Andreas Gabalier jemals wieder die queere Liebe wie in seinem Song "Liebeleben" feiern wird, ist ungewiss, bezeichnete er just diesen doch als seinen "größten Flop". Doch im Wiener Queer Museum zeigen die Macher der Ausstellung "United by Queerness", wie sehr der ESC-Schlager inzwischen zur queeren Heimat geworden ist. Ohnehin: Nicht zuletzt beim European Song Contest zeigt sich immer wieder, dass sich im Schlager der Zeitgeist widerspiegeln kann.

Zuvor wiederholt 3sat das Udo-Jürgens-Porträt "Udo!" (20.15 Uhr), danach (22.00 Uhr) wird ein Konzert mit Max Mutzke und der SWR-Bigband im Mannheimer Rosengarten vom Oktober 2025 gezeigt.

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